Pkw-Maut kommt!

Wie es zur Ei­ni­gung mit Brüs­sel kam Wer jetzt pro­fi­tiert – und wer drauf­zahlt

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I m Dau­er­streit um die Pk­wMaut bahnt sich ei­ne über­ra­schen­de Ver­stän­di­gung zwi­schen der EU-Kom­mis­si­on und Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) an. In Ver­hand­lun­gen hät­ten bei­de Sei­ten „sehr weit­rei­chen­de Fort­schrit­te“er­zielt, wie ei­ne Kom­mis­si­onspre­che­rin am Don­ners­tag­abend in Brüs­sel sag­te. Ein Spre­cher des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­ums gab sich op­ti­mis­tisch: „Wir sind sehr zu­ver­sicht­lich, dass die Ei­ni­gung mit der EUKom­mis­si­on im No­vem­ber steht.“Gut mög­lich aber, dass die deut­schen Au­to­fah­rer die Dum­men sind und die Maut nicht – wie ge­bets­müh­len­ar­tig ver­spro­chen – über die Kf­zS­teu­er zu­rück­er­hal­ten.

Auch Do­brindt setzt jetzt auf ei­ne bal­di­ge Ver­stän­di­gung mit der EU-Kom­mis­si­on für ei­ne Ein­füh­rung der um­strit­te­nen Pkw-Maut. Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker ha­be sich per­sön­lich stark en­ga­giert, um ei­ne ge­mein­sa­me Lö­sung zu fin­den, sag­te der CSU-Po­li­ti­ker am Don­ners­tag­abend. „Wir be­we­gen uns auf­ein­an­der zu, und ich bin sehr zu­ver­sicht­lich, dass die Ei­ni­gung mit der EUKom­mis­si­on im No­vem­ber steht.“

Die Kom­mis­si­on hat­te En­de Sep­tem­ber an­ge­kün­digt, Deutsch­land we­gen Be­nach­tei­li­gung von Aus­län­dern vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) zu ver­kla­gen (sie­he auch die Chro­nik der Pk­wMaut rechts). Haupt-Kri­tik­punkt ist, dass nur In­län­der für Maut-Zah­lun­gen bei der Kfz-Steu­er ent­las­tet wer­den sol­len. Zu­letzt ha­be es auch di­rek­te Ge­sprä­che zwi­schen Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­anClau­de Juncker und Alex­an­der Do­brindt ge­ge­ben, sag­te die Spre­che­rin.

Nach An­ga­ben aus Kom­mis­si­ons­krei­sen se­hen die Ab­spra­chen vor, dass das deut­sche Maut­ge­setz in ei­ni­gen Punk­ten ge­än­dert wird. Da­bei ge­he es un­ter an­de­rem dar­um, güns­ti­ge Kurz­zeit-Tarife für Pend­ler und Tou­ris­ten aus dem EU-Aus­land ein­zu­füh­ren, hieß es. Zu­dem sol­le auf die so­ge­nann­te 1:1-Kom­pen­sa­ti­on bei der Kfz-Steu­er ver­zich­tet wer­den. Die neu­en Plä­ne se­hen dem­nach vor, die Steu­er­ent­las­tung an den Schad­stoff­aus­stoß zu kop­peln. Nach In­for­ma­tio­nen der Bil­dZei­tung will die Kom­mis­si­on im Ge­gen­zug für die Zu­ge­ständ­nis­se ih­re Kla­ge ge­gen die Maut vor dem EuGH zu­rück­zie­hen.

Wenn dies tat­säch­lich so be­schlos­sen wird, kä­me das ei­nem glat­ten Bruch des Wahl­ver­spre­chens vor al­lem der CSU gleich. Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat­te im Üb­ri­gen im Ver­lauf des Bun­des­tags­wahl­kampfs 2013 klipp und klar ge­sagt, mit ihr als Re­gie­rungs­che­fin wer­de es „kei­ne Pkw-Maut ge­ben“.

Das Ge­setz ist längst be­schlos­sen, wird we­gen des EUVer­fah­rens aber noch nicht an­ge­wen­det. Wann ei­ne Um­set­zung star­ten könn­te, ist wei­ter­hin of­fen. Das Mo­dell sieht vor, dass in­län­di­sche Au­to­be­sit­zer auf Au­to­bah­nen und Bun­des­stra­ßen ei­ne so­ge­nann­te „In­fra­struk­tur­ab­ga­be“zah­len sol­len, Pkw-Fah­rer aus dem Aus­land nur auf Au­to­bah­nen. Nach Ab­zug der Sys­tem­kos­ten sol­len auf die­se Wei­se jähr­lich et­wa 500 Mil­lio­nen Eu­ro her­ein­kom­men – Geld, das aus­schließ­lich dem Stra­ßen­bau zu­gu­te kom­men soll. So wur­de es zu­min­dest ver­spro­chen …

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