„Er sagt so was nicht un­be­darft“

tz - - POLITIK - IN­TER­VIEW: BAR­BA­RA WIM­MER

Wel­che Be­deu­tung hat das Be­kennt­nis des Grü­nen Kret­sch­mann zu An­ge­la Mer­kel als Kanz­le­rin? Prof. Ur­su­la Münch, Di­rek­to­rin der Aka­de­mie für Po­li­ti­sche Bil­dung Tutz­ing: Kret­sch­mann sagt so was na­tür­lich nicht un­be­darft. Zum ei­nen führt er da­mit das fort, was er wäh­rend der Flücht­lings­kri­se be­gon­nen hat: Da­mals stütz­te er im Gro­ßen und Gan­zen den Kurs der Kanz­le­rin. An­ge­sichts der an­hal­ten­den Qu­er­schlä­ge aus Bay­ern pro­vo­ziert Kret­sch­mann mit sei­nem Kanz­le­rin­nen-Lob auch ein biss­chen die CSU – vor al­lem aber sei­ne ei­ge­ne Par­tei. Er wuss­te ja, dass er Kri­tik da­für ein­ste­cken wür­de, wenn er ei­ne geg­ne­ri­sche Par­tei bzw. de­ren Che­fin preist. Zwar hat er das nicht als Grü­nen-Chef oder -Funk­tio­när ge­tan, son­dern als ein Mi­nis­ter­prä­si­dent – aber sol­che Fein­hei­ten nimmt kei­ner zur Kennt­nis. Je­der fragt sich jetzt: Ist das die neue gro­ße An­kün­di­gung? Und, ist sie es? Münch: Es be­stä­tigt: Schwarz-Grün ist nicht aus­zu­schlie­ßen. Auf Lan­des- ebe­ne gibt’s das ja schon, in Hes­sen und in Ba­den-Würt­tem­berg.

Kret­sch­mann hät­te schon 2013 ger­ne Schwarz-Grün im Bund ge­se­hen …

Münch: Da­mals hat die Grü­nen­Frak­ti­on kal­te Fü­ße be­kom­men.

Falls es das Wah­l­er­geb­nis er­laubt – wer­den sich die Grü­nen dies­mal zu ei­ner Ko­ali­ti­on mit der Uni­on hin­rei­ßen las­sen?

Münch: Wenn es für ein Zwei­er- bünd­nis reicht und wenn die bei­den Bünd­nis­se, Ba­den-Würt­tem­berg und Hes­sen, wei­ter­hin funk­tio­nie­ren, dürf­ten die Ge­gen­ar­gu­men­te auch mal ent­kräf­tet sein.

Es ge­hört aber auch die CSU zur Uni­on – ist das nicht das Pro­blem?

Münch: Die CSU wür­de den Grü­nen si­cher Bauch­schmer­zen be­rei­ten. Und um­ge­kehrt! Aber die CSU wä­re ja un­glaub­wür­dig, wenn sie ei­ner­seits so ve­he­ment vor den Schre­cken der so­ge­nann­ten Links­front warnt und dann ei­ne ge­mä­ßig­te Va­ri­an­te ver­hin­dert, bei der man selbst an maß­geb­li­cher Stel­le be­tei­ligt ist. Da müss­ten sich die Christ­so­zia­len mit ei­nem Herrn Ho­frei­ter und ei­nem Herrn Trit­tin ir­gend­wie ar­ran­gie­ren.

Den Rot-Rot-Grün-Kämp­fern fährt Kret­sch­mann in die Pa­ra­de.

Münch: Mit der Link­s­par­tei kann er noch we­ni­ger an­fan­gen als mit den Lin­ken in sei­ner ei­ge­nen Par­tei.

War­um ist Kret­sch­mann in der Be­völ­ke­rung so be­liebt?

Münch: Ein Grund ist si­cher, dass es ihm ge­lingt, auch An­er­ken­nung für Po­li­ti­ker an­de­rer Par­tei­en zu äu­ßern – sie­he Mer­kel. Die Men­schen seh­nen sich doch nach so ei­ner Per­sön­lich­keit. Kret­sch­mann denkt nicht nur an die Par­tei, son­dern auch an In­hal­te und dar­an, ob es mensch­lich zwi­schen ihm und ei­nem an­de­ren Po­li­ti­ker bzw. ei­ner Po­li­ti­ke­rin stimmt.

Ver­folg­te er mit dem TV-Auf­tritt viel­leicht ein Ziel in ei­ge­ner Sa­che?

Münch: Man kann hin­ein­ge­heim­nis­sen, dass er sich als Bun­des­prä­si­dent ins Spiel bringt – aber da ist er ja schon im Ge­spräch.

Wie wird An­ge­la Mer­kel auf sein Be­kennt­nis re­agie­ren?

Münch: Da schon die kla­re Un­ter­stüt­zung aus der Schwes­ter­par­tei aus­bleibt, wird sie sich freu­en, dass sie mal de­zi­diert auf­ge­for­dert wird wei­ter­zu­ma­chen.

Fällt die Ent­schei­dung zur Kan­di­da­tur mit ih­rer Wahl zur CDU-Vor­sit­zen­den beim Par­tei­tag?

Münch: Das den­ke ich. Aber bis Mit­te De­zem­ber ver­ge­hen noch ei­ni­ge Wo­chen. Die wird auch Herr Kret­sch­mann noch war­ten müs­sen.

Fo­to: dpa

Zwei, die sich ver­ste­hen: der Grü­ne Win­fried Kret­sch­mann und CDU-Che­fin An­ge­la Mer­kel

Fo­to: Screen­shot ARD

Der grü­ne Schwa­be bei San­dra Maisch­ber­ger

Fo­to: AFP

Von der CSU kam noch kein kla­res Si­gnal: Mer­kel und See­ho­fer

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