Sein Flirt mit Mer­kel em­pört die Grü­nen

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Es war kein ent­spann­ter Fern­seh­abend für Grü­nen-Po­li­ti­ker: Zu spä­ter St­un­de konn­ten sie am Don­ners­tag ih­rem der­zeit er­folg­reichs­ten Par­tei­mit­glied Win­fried Kret­sch­mann, Mi­nis­ter­prä­si­dent von Ba­den-Würt­tem­berg hilf­los da­bei zu­hö­ren, wie er in der ARD-Sen­dung Maisch­ber­ger die CDU-Kanz­le­rin lob­te und sei­ner Hoff­nung Aus­druck ver­lieh, sie mö­ge wei­ter­ma­chen. Di­rekt ge­sprä­chig wur­de der zu­vor eher ein­sil­bi­ge Talk­show-Gast beim The­ma An­ge­la Mer­kel. „Das fän­de ich sehr gut!“, ant­wor­te­te er auf die K-Fra­ge von San­dra Maisch­ber­ger. Aus sei­ner Sicht sei die Re­gie­rungs­che­fin „sehr wich­tig in der eu­ro­päi­schen Kri­se“. Der Kurs, den sie fah­re, sei rich­tig. „Ich wüss­te auch nie­man­den, der die­sen Job bes­ser ma­chen könn­te als sie.“Das war für Kret­sch­manns Par­tei­freun­de deut­lich zu dick auf­ge­tra­gen – ge­ra­de kurz vor dem Grü- nen-Par­tei­tag vom 11. bis 13. No­vem­ber, auf dem man in Müns­ter über die künf­ti­ge Aus­rich­tung de­bat­tie­ren will. Par­tei­chef Cem Öz­de­mir stell­te ges­tern denn auch klar: „Es bleibt da­bei: Wir füh­ren jetzt kei­ne Ko­ali­ti­ons­de­bat­ten, son­dern kon­zen­trie­ren uns dar­auf, un­ser Wah­l­er­geb­nis zu ver­bes­sern, in­dem wir deut­lich mehr Men­schen ge­win­nen als bei der letz­ten Bun­des­tags­wahl.“Der Rea­lo Öz­de­mir wei­ter: „Wie sich die Kon­kur­renz auf­stellt und wen sie auf­stellt, dar­auf ha­ben wir kei­nen Ein­fluss.“Öz­de­mirs Co-Che­fin Si­mo­ne Pe­ter vom lin­ken Par­tei­flü­gel ist noch em­pör­ter: „Wir wol­len Mer­kels gro­ße Ko­ali­ti­on ab­lö­sen und wer­den da­bei ganz be­stimmt kei­ne Vor­fest­le­gun­gen auf et­wai­ge Kanz­ler­kan­di­da­tin­nen und -kan­di­da­ten vor­neh­men.“

Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter be­kräf­tig­te: „Wir Grü­nen blei­ben bei un­se­rem Kurs der Ei­gen­stän­dig­keit. Das heißt: Wir wer­ben für uns und nicht für ir­gend­ein Bünd­nis.“Er füg­te hin­zu: „Dann schau­en wir mal, wel­che Mehr­hei­ten es gibt und mit wem wir un­se­re In­hal­te durch­set­zen kön­nen.“Kri­tik kam auch aus Kret­sch­manns ba­den-würt­tem­ber­gi­schem Lan­des­ver­band. Vor­sit­zen­der Oli­ver Hil­den­brand sag­te, es ge­be kei­nen Grund, Mer­kel über den „grü­nen Klee“zu lo­ben. „Die Blo­cka­de­hal­tung der Uni­on beim Kli­ma­schutz mit An­ge­la Mer­kel an der Spit­ze ist öko­lo­gisch ver­ant­wor­tungs­los und ein Ar­muts­zeug­nis.“

Spott kam vom po­ten­zi­el­len Ko­ali­ti­ons­part­ner bei „R2G“, den Lin­ken. Par­tei­chef Bernd Ri­ex­in­ger kom­men­tier­te Kret­sch­manns Mer­kel-Lob süf­fi­sant auf Twit­ter: „Wie ein BVB-Fan, der Schal­ke die Dau­men drückt. Völ­lig ab­surd! Viel­leicht soll­te er die Mann­schaft wech­seln.“Die Grü­nen stün­den jetzt vor ei­ner Rich­tungs­ent­schei­dung, so Ri­ex­in­ger. „Kret­sch­mann ist ein über­zeug­ter An­hän­ger von Schwarz-Grün, der ver­sucht, die Par­tei in Rich­tung Schwarz-Grün zu ori­en­tie­ren.“Die Mehr­heit der Par­tei sei aber wohl nicht da­für, weil vie­le wüss­ten: „Wer mit Mer­kel ins Bett geht, wacht mit See­ho­fer im Arm auf.“

Kret­sch­manns Sym­pa­thie für die CDUChe­fin ist nicht neu. Im Som­mer hör­te man von ei­nem Tref­fen mit der Kanz­le­rin. „Vier St­un­den oh­ne Ta­ges­ord­nung“, schwärm­te er bei Maisch­ber­ger. Und be­son­de­re Auf­merk­sam­keit er­hielt er im Ja­nu­ar, als er sag­te: „Wel­cher ih­rer Amts­kol­le­gen in der EU soll denn Eu­ro­pa zu­sam­men­hal­ten, wenn sie fällt? Da ist weit und breit nie­mand in Sicht. Des­halb be­te ich je­den Tag da­für, dass die Bun­des­kanz­le­rin ge­sund bleibt.“

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