Die Ge­fahr im Darm

tz - - MÜNCHEN+REGION - AR­MIN GEI­ER

Er­bre­chen und meist auch Fie­ber. Di­ver­ti­kel ent­ar­ten nie bös­ar­tig, manch­mal be­ste­hen sie je­doch zu­sätz­lich zu ei­nem voll­kom­men un­ab­hän­gig da­von vor­lie­gen­den Darm­krebs.

Was kann ich tun, um Di­ver- ti­kel zu ver­hin­dern?

Wich­tig ist: Be­ste­hen­de Di­ver­ti­kel bil­den sich nicht mehr zu­rück. Durch die rich­ti­ge Er­näh­rung und Be­we­gung kann man aber das Ent­ste­hen neu­er Her­de ver­hin­dern: „Die op­ti­ma­le Er­näh­rung be­steht da­her aus aus­rei­chend pflanz­li­chen Fa­sern und Bal­last­stof­fen“, er­klärt Pro­fes­sor Wolf­gang Schepp. Heißt: Be­son­ders äl­te­re Men­schen soll­ten viel Obst, Ge­mü­se und Voll­korn­pro­duk­te es­sen. „Da­zu kommt, dass man min­des­tens ei­ne Trink­men­ge von 1,5 Li­tern täg­lich zu sich neh­men soll­te“, so Ober­arzt Tho­mas Leim­bach. Viel kör­per­li­che Be­we­gung ist wich­tig, um die Darm­tä­tig­keit „in Schwung zu hal­ten“. Fet­ti­ges Es­sen so­wie Rau­chen sind hin­ge­gen ab­so­lut ta­bu. Am mor­gi­gen Sams­tag ver­an­stal­tet das Kli­ni­kum Bo­gen­hau­sen wie­der sei­nen gro­ßen Ma­gen- Darm-Tag. Al­le in­ter­es­sier­ten Münch­ner kön­nen sich in dem Kran­ken­haus rund um die - ses The­ma in­for­mie­ren. Un­ter an­de­rem wer­den die füh­ren­den Ex­per­ten auf die­sem Ge­biet, Prof. Dr. Wolf­gang Schepp und Prof. Dr. Ay­man Ag­ha, Vor trä­ge über die Ge­fahr der Di­ver­ti­kel hal­ten.Die ta­schen­för­mi­gen Aus­stül­pun­gen im Darm tre­ten bei im­mer mehr Men­schen auf – auch■ we­gen fal­scher Er­näh­rung. Zu­dem wer­den die Me­di­zi­ner ge­nau er­klä­ren, wel­che Un­ter­su­chungs­mög­lich­kei­ten es in ih­rer Kli­nik gibt. Be­ginn des gro­ßen In­for­ma­ti­ons­ta­ges ist um 10 Uhr – im Hör­saal (wird für al­le Be­su­cher aus - ge­schil­der t sein). Na­tür­lich sind al­le Wiss­be - gie­ri­gen so­wie Be­trof­fe­ne will­kom­men. Der Ein­tritt ist frei.

■ Wie läuft ei­ne Un­ter­su­chung we­gen mög­li­cher Di­ver­ti­kel ab?

Wenn Sie sich we­gen mög­li­cher Di­ver­ti­kel-Be­schwer­den an ei­nen Arzt wen­den, wird er Sie zu­nächst nach Ih­ren Be­schwer­den be­fra­gen und den Bauch ab­tas­ten. An­schlie­ßend wer­den Ent­zün­dungs­wer­te im Blut be­stimmt und der Bauch mit­tels Ul­tra­schall oder Com­pu­ter­to­mo­gra­fie un­ter­sucht. „Falls sich dann ei­ne Di­ver­ti­kel-Ent­zün- dung be­stä­tigt, wird ei­ne The­ra­pie mit An­ti­bio­ti­ka er­for­der­lich: In leich­te­ren Fäl­len kann die­se Be­hand­lung am­bu­lant mit Ta­blet­ten durch­ge­führt wer­den. In schwe­re­ren Fäl­len ist da­ge­gen ei­ne sta­tio­nä­re Kran­ken­haus­auf­nah­me er­for­der­lich, um An­ti­bio­ti­ka, Flüs­sig­keit und Schmerz­mit­tel in­tra­ve­nös ver­ab­rei­chen und schwer kran­ke Pa­ti­en­ten an­ge­mes­sen über­wa­chen zu kön­nen“,er­klä­ren­dieMünch­ner Me­di­zi­ner. „Im aku­ten Sta­di­um ei­ner Di­ver­ti­ku­li­tis ist ei­ne Darm­spie­ge­lung nicht sinn­voll. Sie kann erst nach er­folg­rei­cher Be­hand­lung zum Aus­schluss ei­nes zu­sätz­lich und un­ab­hän­gig von den Di­ver­ti­keln vor­lie­gen­den Darm­kreb­ses er­for­der­lich sein. Bei ei­ner Di­ver­ti­kel-Per­fo­ra­ti­on muss ei­ne Ope­ra­ti­on ge­plant und im Not­fall so­fort durch­ge­führt wer­den.“

Wann ist ei­ne OP sinn­voll? Ge­ne­rell gilt: Die­se ist erst nö­tig, wenn sich Di­ver­ti­kel sehr stark bak­te­ri­ell ent­zün­det ha­ben. Dann kön­nen sich näm­lich auch eit­ri­ge Abszes­se bil­den, die im Vor­feld ei­ner Ope­ra­ti­on durch ei­ne com­pu­ter­to­mo­gra­fisch ge­führ­te Drai­na­ge ent­leert wer­den. Ein ope­ra­ti­ver Ein­griff ist auch bei nar­big schrump­fen­den Eng­stel­len im Darm nach Aus­hei­lung der aku­ten Di­ver­ti­ku­li­tis not­wen­dig, dar­über hin­aus bei ent­zünd­li­chen Gang­ver­bin­dun­gen des Darms zu Nach­bar­or­ga­nen (Fis­teln) oder bei nicht still­ba­ren Blu­tun­gen. Führt die Ent­zün­dung der Di­ver­ti­kel zur Per­fo­ra­ti­on (Ein­riss der Dick­darm­wand), muss ei­ne No­tope­ra­ti­on durch­ge­führt wer­den. Au­ßer­dem gilt laut den Bo­gen­hau­ser Ex­per­ten: Lie­gen chro­ni­sche Schmer­zen vor, die zu ei­ner Ein­schrän­kung der Le­bens­qua­li­tät füh­ren, oder kommt es zu im­mer wie­der­keh­ren- den Ent­zün­dun­gen im Darm – so be­steht eben­falls ei­ne Emp­feh­lung zur Ope­ra­ti­on.

Pro­fes­sor Dr. Wolf­gang Schepp

■ Und wie läuft so ei­ne OP ab?

Die Ope­ra­ti­on bei kom­pli­zier­ten und chro­ni­schen Sta­di­en wird heut­zu­ta­ge meist in der so­ge­nann­ten Schlüs­sel­loch­tech­nik durch­ge­führt. Hier­zu sind ins­ge­samt nur vier klei­ne Haut­schnit­te not­wen­dig. Durch den ers­ten Schnitt wird ei­ne Vi­deo­ka­me­ra in die Bauch­höh­le ein­ge­führt, die ih­re Bil­der li­ve auf ei­nen Bild­schirm über­trägt. Über die an­de­ren Schnit­te wer­den die Ope­ra­ti­ons­in­stru­men­te ein­ge­bracht. Mit die­sen wird dann der be­trof­fe­ne Dar­m­an­teil un­ter Vi­deo­sicht ent­fernt und aus der Bauch­höh­le ge­bor­gen. An­schlie­ßend wird mit­hil­fe ei­nes spe­zi­el­len Naht­ge­rä­tes ei­ne Ver­bin­dung zwi­schen den frei­en Dar­men­den her­ge­stellt. Nur in Aus­nah­me­fäl­len ist ei­ne of­fe­ne Ope­ra­ti­on in kon­ven­tio­nel­ler Tech­nik über ei­nen mitt­le­ren Bauch­schnitt not­wen­dig, um Ver­wach­sun­gen und Ver­kle­bun­gen im Bauch­raum zu lö­sen. Ein künst­li­cher Darm­aus­gang ist bei ei­ner Di­ver­ti­kel-Ope­ra­ti­on als Dau­er­lö­sung prak­tisch nie er­for­der­lich.

Im Ein­zel­fall kann er je­doch für ei­ni­ge Wo­chen an­ge­legt wer­den, bis er nach Hei­lung der in­ne­ren Darm­näh­te wie­der zu­rück­ver­la­gert wer­den kann.

■ Wie hoch sind hier­bei die Er­folgs­aus­sich­ten?

Sie lie­gen bei über 90 Pro­zent (nur bei sehr kom­pli­zier­ten Ent­zün­dun­gen kann in sel­te­nen Fäl­len kaum ei­ne Be­schwer­de­bes­se­rung be­ob­ach­tet wer­den). „Nach rund zwei Wo­chen ist die Ar­beits­fä­hig­keit wie­der her­ge­stellt“, sa­gen die Me­di­zi­ner vom Kli­ni­kum.

Das Me­di­zi­ner-Team aus­Bo­gen­hau­sen

Die Ex­per­ten Prof. Wolf­gang Schepp (li.) und Prof. Ay­man Ag­ha

F: Wes­ter­mann

Prof. Dr. Wolf­gang Schepp in dem OPRaum des Kli­ni­kums

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