Die Luft­ma­sche zum Glück

tz - - MENSCHEN - UL­RI­KE SCHMIDT

war das, als ih­re Eltern star­ben. Zwei Jah­re war sie in ih­rer Trau­er fest­ge­fro­ren – auf dem So­fa. Bis sie sich wie­der neu er­fand: als Wir­tin des Turm­st­überls im Va­len­tinMu­säum. Zehn Jah­re hielt sie dort Hof – be­seelt von Karl Va­len­tin und Liesl Karl­stadt. Dann kam die Per­le auf die Wol­le – mit dem tra­di­ti­ons­rei­chen Hand­ar­beits­la­den in der Mül­ler­stra­ße, den sie vor zwei Jah­ren über­nom­men hat.

Der ro­te Fa­den ih­res Le­bens ist der Wan­del. Al­le zehn Jah­re. Al­lein Per­les Witz und Iro­nie blei­ben.

Mit bun­ter Krei­de preist sie auf dem Schau­fens­ter die frisch ein­ge­trof­fe­ne Yo­gaWol­le an. Wer nach­fragt, kriegt zu hö­ren, dass je­de Wol­le ei­ne Yo­ga-Wol­le ist – Stri­cken und Hä­keln Me­di­ta­ti­on und ihr Reich ein The­ra­pie­st­überl zum Glück.

Mit der Luft­ma­sche fängt al­les an. Ge­ra­de nimmt Ka­rin (70) die ers­ten Sch­lin­gen auf. Sie will ein Stirn­band mit ei­nem be­son­ders aus­ge­fal­len Mus­ter hä­keln und weiß nicht recht, wie es geht. Da­für ist die Per­le da. Sie zün­det Ker­zen an. Sie bringt Tee. Sie er­klärt die ers­ten Schrit­te. Und Ka­rin ist glück­lich. Pe­tra Per­les Wol­le­pa­ra­dies hat sie bei ei­nem Spa­zier­gang ent­deckt, in­zwi­schen kommt sie re­gel­mä­ßig hier­her, schon we­gen der Tipps und Tricks und weil halt die Per­le auch ein Er­eig­nis ist.

Un­an­ge­passt wie eh. Kon­ser­va­ti­ves strickt sie par­tout nicht. Zum Bei­spiel Rin­gel­pull­over. Lie­ber setzt sie ih­rem Freund, dem All­round­künst­ler Al­brecht von Weech, ei­ne Kro­ne auf, in die sie ein­ein­halb Ta­ge ih­res Le­bens ge­hä­kelt hat. „Der ein­zi­ge Lu­xus un­se­rer Zeit ist die Zeit.“

Ab 11 Uhr ist Pe­tra Per­le li­ve im La­den. Es gibt kei­nen Ur­laub und kei­ne Ver­tre­tung – nur Per­le. Auf al­le Fäl­le die nächs­ten acht Jah­re noch. Au­ßer sonn­tags und mon- tags, da bleibt Hot Wol­lé zu und die Per­le schöpft neue Ener­gie – in ih­rem Schre­ber­gar­ten und mit ih­rem Mann, dem Film­kom­po­nis­ten und Schlag­zeu­ger Ha­rald Kümp­fel, mit dem sie zwei er­wach­se­ne Söh­ne hat. Für die drei Män­ner strickt sie eher sel­ten – die ha­ben ih­ren ei­ge­nen Style. „Mein Mann ist seit über 30 Jah­ren mein bes­ter Rat­ge­ber – er hat im­mer ei­nen kla­ren Blick auf die Din­ge.“Ihr Ha­rald, der Sohn von TV-Kri­ti­kLe­gen­de Pon­kie. Auf ro­ten Tep­pi­chen oder Par­tys sucht man die Per­le in­zwi­schen ver­geb­lich. „Wenn i wo net hä­keln kann, geh i so­wie­so net hi.“Und über­haupt – sie muss viel den­ken. Zwei Bü­cher hat sie schon ge­schrie­ben ( Pe­tra Per­les Hot Wol­lée – Gran­nyMa­nia: Hä­keln im Qua­drat und Müt­zen­Ma­nia: Mei­ne Lieb­lings­müt­zen und Bea­nies – ge­hä­kelt und ge­strickt). Und drei neue Bü­cher hat Pe­tra Per­le der­zeit im Kopf. Da­zu vie­le neue An­lei­tun­gen, die sie erst träumt und dann selbst erst ein­mal aus­pro­bie­ren muss – es darf kei­ne Feh­ler ge­ben. Auch das ist Kunst.

Und wie im­mer: Al­les fängt mit ei­ner Luft­ma­sche an. „Krea­ti­vi­tät setzt Ener­gie frei und führt zu im­mer wei­te­rer Krea­ti­vi­tät“, er­klärt die Per­le ihr Glück­s­prin­zip. Sie freut sich auf je­den neu­en Tag und auf die Men­schen, die ihr das Le­ben in den La­den spült – auch zehn Män­ner zäh­len zur Stamm­kund­schaft.

Zu viel wird es ihr sel­ten. „Ich hab hier sehr viel zum La­chen“, sagt die Per­le. „Es gibt vie­le lus­ti­ge Dia­lo­ge.“Die Bes­ten schreibt sie auf – ein Fun­dus, aus dem sie spä­ter schöp­fen wird. Wenn sie sich wie­der mal neu er­fin­det, und wenn sie die ers­te Luft­ma­sche ei­nes neu­en Le­bens hä­kelt.

Fo­tos: Phil­ipp Gül­land

Schö­ner Hä­keln mit Pe­tra Per­le. Ka­rin (70, li.) lässt sich ein paar Tricks zei­gen

Pe­tra Per­le vor ei­nem ge­hä­kel­ten Por­trät und in­mit­ten von Bom­meln und an­de­ren Wer­ken, wo­zu auch ei­ne ge­hä­kel­te Kro­ne ge­hört, mit der die Per­le für ei­nen Mo­ment tz-Ko­lum­nis­tin Ul­ri­ke Schmidt krönt ...

... wo­bei Al­brecht von Weech die wür­digs­te Fi­gur da­mit macht

Das Hot Wol­lée in der Mül­ler­stra­ße 50 wirbt qua­si für sich selbst

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