Exit für den Br­ex­it?

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Gibt es doch noch ei­nen Aus­weg vom Br­ex­it – schei­tert der Aus­stieg Groß­bri­tan­ni­ens aus der EU, noch be­vor er of­fi­zi­ell er­klärt ist? Seit ges­tern ist dies durch­aus denk­bar, denn: Laut ei­ner (bis­lang nicht rechts­kräf­ti­gen) Ge­richts­ent­schei­dung muss das bri­ti­sche Par­la­ment am Exit-Pro­zess be­tei­ligt wer­den. Die meis­ten Ab­ge­ord­ne­ten im Lon­do­ner Un­ter­haus näm­lich hat­ten sich vor dem Re­fe­ren­dum am 23. Ju­ni für ei­nen Ver­bleib in der Eu­ro­päi­schen Uni­on aus­ge­spro­chen. Sie könn­ten jetzt mehr In­for­ma­tio­nen über die Ver­hand­lungs­stra­te­gie der Re­gie­rung und mehr Mit­spra­che­rech­te ein­for­dern, be­vor sie ih­re Zu­stim­mung ge­ben. Ver­mu­tet wird, dass sie sich zu­min­dest für ei­nen wei­chen EU-Aus­tritt ein­set­zen.

Der Rich­ter­spruch be­deu­tet ei­ne schwe­re Nie­der­la­ge für die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May: Weil ih­re Re­gie­rung nun nicht den Start­schuss für die Ver­hand­lun­gen zum EUAus­tritt im Al­lein­gang ge­ben darf, könn­te sich der Zeit­plan Mays, die den Be­ginn des Aus­tritts­ver­fah­rens für En­de März an­ge­kün­digt hat­te, ver­zö­gern. Die Lon­do­ner Re­gie­rung zeig­te sich des­halb „ent­täuscht“über das Ur­teil des High Court und kün­dig­te an, vor die nächs­te In­stanz zu zie­hen. Über­dies wol­le man am Mon­tag im Par­la­ment ei­ne Er­klä­rung ab­ge­ben. So muss nun der bri­ti­sche Su­pre­me Court, das höchs­te Ge­richt des Lan­des, end­gül­tig ent­schei­den.

Un­ter an­de­rem hat- ten ei­ne In­vest­ment­fonds­ma­na­ge­rin, ein in Frank­reich le­ben­der Bri­te und ein Fri­seur ge­klagt, weil die Re­gie­rung ih­rer An­sicht nach nicht Ar­ti­kel 50 der EU-Ver­fas­sung ak­ti­vie­ren kön­ne, oh­ne dass das Par­la­ment in Lon­don zu­vor dar­über de­bat­tiert und ab­ge­stimmt hat. Die Klä­ger ar­gu­men­tier­ten un­ter an­de­rem, dass das Er­geb­nis des Re­fe­ren­dums über den EU-Aus­tritt, bei dem die Be­für­wor­ter mit 51,9 Pro­zent der ab­ge­ge­be­nen Stim­men ob­sieg­ten, recht­lich nicht bin­dend sei. Da­her müs­se sich vor­her noch das Par­la­ment da­mit be­fas­sen. „Ich bin dem Ge­richt dank­bar für das Er­geb­nis, dies ist ein Sieg für die par­la­men­ta­ri­sche De­mo­kra­tie“, sag­te ei­ner der An­wäl­te der Klä­ger, Da­vid Gree­ne. Auch Schott­lands Re­gie­rungs­che­fin Ni­co­la Stur­ge­on zeig­te sich über das Ur­teil er­freut. „Wirk­lich be­deu­tungs­voll!“, schrieb sie auf Twit­ter. Die Wäh­ler in Schott­land hat­ten sich bei der Ab­stim­mung mehr­heit­lich ge­gen den Br­ex­it aus­ge­spro­chen.

Das Ur­teil dürf­te ein wich­ti­ges The­ma beim An­tritts­be­such des bri­ti­schen Au­ßen­mi­nis­ters Bo­ris John­son heu­te in Ber­lin sein.

Fs.: AFP (2), dpa

Groß­bri­tan­ni­ens Pre­mier The­re­sa May Schott­lands Re­gen­tin Ni­co­la Stur­ge­on Nun ent­schei­det wohl das Par­la­ment mit

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