Zu viel ge­nom­men?

tz - - BUNT GEMISCHT - An­onym

Als ich ges­tern heim­kam, stan­den zwei Ju­gend­li­che vor der Haus­tü­re, die für ei­nen Su­per­markt so klei­ne Pa­pier­tü­ten mit Brot und Wer­bung ver­tei­len woll­ten. Sie ha­ben die Tü­ten an die Tü­ren ge­hängt, und mir ha­ben sie gleich ei­ne in die Hand ge­drückt. Spä­ter ha­ben sie mir noch ei­ne an die Tü­re ge­hängt, weil sie nicht wuss­ten, wo ich ge­nau woh­ne. Da­nach hat­te ich fast ein schlech­tes Ge­wis­sen, auch, weil mein klei­ner Sohn mich ge­fragt hat, wie­so wir zwei Tü­ten be­kom­men ha­ben. Aber wir kön­nen die zwei Bro­te gut brau­chen.

Sie schrei­ben, dass Sie auch Ih­rem klei­nen Sohn ge­gen­über ein schlech­tes Ge­wis­sen hat­ten ... Ja, Sie hät­ten nach den Ju­gend­li­chen, die da­mit wohl ihr Ta­schen­geld auf­ge­bes­sert ha­ben, su­chen und die Tü­te zu­rück­ge­ben kön­nen. Aber mei­nen Sie nicht, dass die bei­den fast froh wa­ren, al­les gut an die Frau/den Mann ge­bracht zu ha­ben – und ins nächs­te Haus ei­len zu kön­nen? Es ist letzt­lich Wer­bung, und Sie ha­ben nie­man­dem et­was weg­ge­nom­men, nichts ent­wen­det oder gar ge­stoh­len. So könn­ten Sie’s auch Ih­rem Sohn er­klä­ren. Ich weiß nicht, was ich ge­tan hät­te. Aber viel­leicht darf man so ein klei­nes Tüt­chen auch mal dop­pelt an­neh­men. Ge­ra­de, wenn man es gut brau­chen kann.

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