Do­brindts (vor­läu­fi­ger) Tri­umph

tz - - POLITIK -

Maut-Kas­perl war noch ei­nes der net­te­ren Schimpf­wör­ter, die sich Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt an­hö­ren muss­te, als er mit dem Vor­schlag ei­ner „In­fra­struk­tur­maß­nah­me“bei der Eu­ro­päi­schen Uni­on erst ein­mal ge­gen die Wand lief. Und als En­de Sep­tem­ber die EU-Kom­mis­si­on schließ­lich be­schloss, Deutsch­land we­gen des 2015 be­schlos­se­nen Maut-Ge­set­zes vor dem Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof zu ver­kla­gen, schie­nen Do­brindts Träu­me von ei­nem er­füll­ten Wahl­ver­spre­chen end­gül­tig zu plat­zen. Al­le Be­schwö­run­gen sei­ner­seits, die Maut wer­de doch kom­men, wur­den ver­lacht. Und als sie zu­letzt im­mer lei­ser wur­den, schien es so, als ob sich auch der CSU-Mann da­mit ab­ge­fun­den ha­be, sein Lieb­lings­pro­jekt still und heim­lich zu be­gra­ben. Doch of­fen­sicht­lich hat Do­brindt da­zu­ge­lernt. Dass es bes­ser ist, erst die Ar­beit zu er­le­di­gen und dann den Mund auf­zu­ma­chen. Da­für Re­spekt. Die letz­ten Mo­na­te ha­ben ge­zeigt, dass es nicht ein­fach ist, Kom­pro­mis­se mit Brüs­sel aus­zu­han­deln. Dass dies nun of­fen­bar ge­lun­gen ist, da­für ge­bührt Do­brindt Re­spekt – und Brüs­sel auch. Al­ler­dings soll­te der Ver­kehrs­mi­nis­ter nicht zu früh ju­beln. Denn noch ist un­klar, wie die De­tails der Re­ge­lung aus­se­hen wer­den. Soll­ten deut­sche Au­to­fah­rer mehr be­las­tet wer­den als bis­her – und da rei­chen auch nur ein paar Eu­ro –, dann wird der Auf­schrei groß sein. Hof­fent­lich hat Do­brindt nicht des­halb an­ge­kün­digt, dass die Maut wohl erst im Herbst 2017 ein­ge­führt wird – al­so erst nach der Bun­des­tags­wahl. Wolf­gang de Pon­te

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