Das Mu­se­um ist sein Jung­brun­nen

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DDas Le­ben schreibt die span­nends­ten Ge­schich­ten – und Au­tor Flo­ri­an Ki­nast (Foto links) schreibt sie je­den Sams­tag auf. Zu­sam­men mit Ih­nen, lie­be Leser! Es geht uns um die ech­ten Münch­ner Gschich­ten. Um Por­träts von Men­schen, die über sich und ihr as Deut­sche Mu­se­um ist die gro­ße Lei­den­schaft von Pe­ter Ecke. Rund 500 Mal hat er es be­sucht – bei ei­nem Rund­gang er­zählt er von sei­nem Le­ben.

Es lief eh vie­les nicht wie er­wünscht bei Pe­ter Ecke, auch im Fuß­ball nicht. In der Ju­gend, nach dem Um­zug mit den El­tern an den Hei­mer­an­platz, spiel­te Ecke beim SC Ar­min in Send­ling. Tor­wart. Ein­mal gab es auch ein An­ge­bot von den Sechz­gern, für 50 Mark Ab­lö­se­sum­me, aber das zer­schlug sich dann wie­der. Ein an­de­rer ging spä­ter von Ar­min zu den Sechz­gern, als Prä­si­dent: der al­te Wild­mo­ser. Sein Sohn, der Hein­zi, spiel­te mit Ecke üb­ri­gens in ei­ner Mann­schaft, der Hein­zi woll­te ja selbst ein­mal Pro­fi wer­den. „Der Hein­zi war mensch­lich im­mer ein su­per Typ“, sagt Ecke, „aber fuß­bal­le­risch …“Ecke führt den Satz nicht fort, er schmun­zelt ein bis­serl, man sieht das La­chen ganz gut, weil es wie­der hel­ler ge­wor­den ist. Man hat das Berg­werk ver­las­sen und steht in­zwi­schen im ers­ten Stock in der Phy­sik-Ab­tei­lung, gleich ne­ben der Kern­spal­tung. Bei Ot­to Hahn und Li­se Meit­ner. Selbst For­scher und Wis­sen­schaft­ler, das hät­te ihn schon auch ge­reizt, es wur­de aber nichts draus.

Nach sei­nem Qua­li mach­te Pe­ter Ecke ei­ne Leh­re zum De­ko­ra­teur beim Schuh­haus Tretter, er ar­bei­te­te als La­ge­rist beim Kauf­hof und dann beim Sa­turn auf der The­re­si­en­hö­he. Er schlug sich mit klei­ne­ren Jobs durch, jetzt ist er schon seit ei­ni­ger Zeit ar­beits­los. Vor zehn Jah­ren ist Ecke weit raus­ge­zo­gen, er lebt Am Hart in der Schleiß­hei­mer Stra­ße, kurz vor der Pan­zer­wie­se, wo sich die Haus­num­mern mit gro­ßen Schrit­ten der Zahl 500 nä­hern. Ecke kann­te den Münch­ner Nor­den bis da­hin kaum, in­zwi­schen ist es ei­ne Le­ben in der schöns­ten Stadt der Welt er­zäh­len. Was sind Ih­re Münch­ner Gschich­ten? Er­zäh­len Sie es uns, wir er­zäh­len es dann wei­ter. Schrei­ben Sie uns, was pas­siert ist in Ih­rem Le­ben, le­gen Sie Fotos bei und schi­cken al­les an die Stich­wort Ge­gend, die er lie­ben ge­lernt hat. Ein in­tak­tes so­zia­les Mit­ein­an­der mit Nach­bar­schafts­hil­fen für Rent­ner und Se­nio­ren, da­zu viel Grün, der Ba­de­see in Feld­moching, der Bier­gar­ten am Ler­chen­au­er See. Oft zieht Ecke mit sei­ner Ka­me­ra her­um, das Fo­to­gra­fie­ren ist sei­ne gro­ße Lei­den­schaft. Er be­such­te jah­re­lang VHS-Kur­se, ab­sol­vier­te ein Fern­stu­di­um, er­warb sich ein Di­plom bei der re­nom­mier­ten Shaw-Aca­de­my und be­kam 2013 ei­ne Prä­mie­rung bei ei­nem Stadt­teil-Fo­to­wett­be­werb. The­ma: Das Ha­sen­bergl und die Nord­hei­de. „Leser-Bio­gra­fie“, 80282 Mün­chen oder per E-Mail an Le­sen Sie heu­te von Pe­ter Ecke, der schon 500 Mal im Deut­schen Mu­se­um war. Letz­te Wo­che ging es um sei­ne ers­te Lie­be, in Teil 2 er­zählt er, wie das Mu­se­um sein Le­ben präg­te.

Na­tür­lich hat Pe­ter Ecke auch im Mu­se­um sei­ne Ka­me­ra oft da­bei, im­mer auf der Su­che nach den klei­nen De­tails, auch wenn ihn man­che De­tails in­zwi­schen stö­ren. Bei den Schif­fen et­wa im Un­ter­ge­schoss, das Di­ora­ma, ein drei­di­men­sio­na­les Schau­bild mit Fi­gu­ren, Ti­tel: „Am Zwi­schen­deck ei­nes Aus­wan­de­r­er­schiffs.“Ecke hat das ger­ne fo­to­gra­fiert, nun hat er auf­ge­hört, seit im­mer mehr Be­su­cher Mün­zen dort hin­ein­wer­fen. Kei­ner weiß war­um, das Mün­zen­hin­ein­wer­fen in al­les Mög­li­che scheint ge­ra­de recht an­ge­sagt zu sein.

Es gibt so ei­ni­ges, das Pe­ter Ecke frü­her ger­ne moch­te im Deut­schen Mu­se­um und das er ver­misst, weil es das nicht mehr gibt. In der Che­mie­ab­tei­lung et­wa den Kas­ten, der so herr­lich nach ver­faul­ten Ei­ern ge­stun­ken hat, wenn man aufs Knöp­ferl drück­te. Oder die Koh­le, die er als Bub im­mer sti­bitzt hat, un­ten aus dem Berg­werk, geht heu­te nicht mehr, weil sie ein Git­ter ein­ge­zo­gen ha­ben. Und die Rut­sche na­tür­lich, auch im Berg­werk, auf der man frü­her noch hin­ab­schlit­tern konn­te, die ha­ben sie zu­ge­sperrt, der Si­cher­heit we­gen, die Rut­sche gleich ne­ben der Trep­pe, auf der er sei­ne Ju­gend­lie­be auf­ge­fan­gen hat­te.

Ecke sagt aber, dass das Mu­se­um na­tür­lich mit der Zeit ge­hen und mo­der­ner wer­den muss. „Ein Mu­se­um darf nicht mu­se­al wer­den“, meint er. Ge­ra­de für das welt­größ­te auf dem Ge­biet der Na­tur­wis­sen­schaft und Tech­nik ist es Pflicht, nicht ste­hen zu blei­ben, son­dern sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Dar­um freut er sich auch schon, wenn das Haus nach dem mo­men­ta­nen Um­bau ge­ne­ral­sa­niert ist. Auch wenn es noch ei­ni­ge Jah­re dau­ert, Fer­tig­stel­lung ist 2025.

52 ist Pe­ter Ecke jetzt. Na­tür­lich hat er zu kämp­fen, so oh­ne Ar­beit. Auch ei­ne Fa­mi­lie hät­te er ger­ne ge­habt, Frau und Kin­der. Hat nicht sol­len sein, und auch ge­sund­heit­lich ging es schon bes­ser, weil er sich mit dem Schnau­fen recht hart tut. Aber so alt das Mu­se­um auch sein mag, für ihn ist es im­mer ein Jung­brun­nen, wie ein Ku­r­ort fern­ab des All­tags. Manch­mal ist Pe­ter Ecke oben im Pla­ne­ta­ri­um und schaut sich den Ster­nen­him­mel an, die Ga­la­xi­en weit weg von der Er­de, aber das braucht es gar nicht. Das Mu­se­um al­lein ist für ihn schon ein schö­ner Ort, um der Welt zu ent­flie­hen.

Pe­ter Ecke im Zen­trum neue Tech­no­lo­gi­en im Deut­schen Mu­se­um: Auch al­les Neue in­ter­es­siert ihn

Fotos: Ju­dith Häus­ler

Schon als Kind (oben 1974 im Ur­laub in Ita­li­en) lieb­te Ecke das Deut­sche Mu­se­um. Heu­te noch ist es wie ein Ku­r­ort für den 52-Jäh­ri­gen

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