Die Angst vor den stil­len Kil­lern

tz - - REPORT -

Wenn es fast je­der hat, dann kann es ja nicht so schlimm sein“: Volks­krank­hei­ten wie Blut­hoch­druck, Dia­be­tes und ho­her Cho­le­ste­rin­spie­gel wer­den oft un­ter­schätzt. Vor al­lem, weil sie den Be­trof­fe­nen ei­ne schein­bar groß­zü­gi­ge Schon­frist zu­ge­ste­hen. So dau­ert es meist Jah­re oder gar Jahr­zehn­te, bis sich die Fol­gen be­merk­bar ma­chen – dann aber oft dra­ma­tisch: Et­wa 300 000 Men­schen er­lei­den jähr­lich in Deutsch­land ei­nen Herz­in­farkt, 270 000 ei­nen Schlag­an­fall. Da­vor warnt die Deut­sche Herz­stif­tung an­läss­lich ih­rer bun­des­wei­ten Herz­wo­chen. In ei­ner gro­ßen tz- Se­rie er­klä­ren Top-Me­di­zi­ner und Ex­per­ten der re­nom­mier­ten Pa­ti­en­ten­or­ga­ni­sa­ti­on, wie man sein Herz schüt­zen kann.

„Es ist ein schlei­chen­der Pro­zess, und oft kom­men gleich meh­re­re der be­sag­ten Ri­si­ko­fak­to­ren zu­sam­men“, er­läu­tert Pro­fes­sor Dr. He­ri­bert Schun­kert, Mit­glied des Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rats der Herz­stif­tung und Ärzt­li­cher Di­rek­tor des Deut­schen Herz­zen­trums in Mün­chen. „Aus die­ser un­heil­vol­len Ver­ket­tung her­aus kön­nen schwe­re Schä­den am Her­zen und an den Ge­fä­ßen ent­ste­hen.“Ex­per­ten spre­chen auch von stil­len Kil­lern. Ei­ne Be­zeich­nung, die al­les an­de­re als über­trie­ben ist – das lässt sich an­hand von Zah­len und Fak­ten be­le­gen: ■ Stil­ler Kil­ler Blut­hoch­druck: Et­wa 20 Mil­lio­nen Er­wach­se­ne in Deutsch­land ha­ben ho­hen Blut­druck, aber vier Mil­lio­nen wis­sen nichts da­von. „Oft be­mer­ken ihn die Pa­ti­en­ten erst dann, wenn er be­reits Or­gan­schä­den ver­ur­sacht hat“, be­rich­tet Pro­fes­sor Schun­kert im tz- Ge­spräch. ■ Stil­ler Kil­ler Dia­be­tes: Dar­an lei­den cir­ca sie­ben Mil­lio­nen Deut­sche. Dia­be­ti­ke­rin­nen ha­ben ein sechs­fach er­höh­tes Ri­si­ko, ei­nen Herz­in­farkt zu er­lei­den, männ­li­che Pa­ti­en­ten im­mer­hin ein zwei­bis vier­fach er­höh­tes Ri­si­ko. ■ Stil­ler Kil­ler Cho­le­ste­rin: Er­höh­te LDL-Cho­le­ste­rin­wer­te kön­nen Ge­fäß­ver­än­de­run­gen in den Ar­te­ri­en des Her­zens und in den Hirn­ar­te­ri­en ver­ur­sa­chen. Die Ge­fä­ße kön­nen durch Abla­ge­run­gen (Fach­aus­druck Plaques) ver­engt und im schlimms­ten Fall ver­schlos­sen wer­den.

Das Tü­cki­sche an den Volks­krank­hei­ten ist, dass sie lan­ge kei­ne Be­schwer­den ma­chen. „Das ver­lei­tet vie­le Be­trof­fe­ne da­zu, die­se Er­kran­kun­gen auf die leich­te Schul­ter zu neh­men und ei­ne The­ra­pie zu ver­nach­läs­si­gen“, warnt Prof. Dr. Tho­mas Mei­nertz, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Deut­schen Herz­stif­tung.

Der Preis für ei­nen sorg­lo­sen Um­gang mit den per­sön­li­chen Ri­si­ko­fak­to­ren kann hoch sein: In Deutsch­land en­den je­des Jahr et­wa 52 000 Herz­in­fark­te töd­lich, über 100 000 Schlag­an­fall-Pa­ti­en­ten sterben in­ner­halb der ers­ten zwölf Mo­na­te nach dem aku­ten Er­eig­nis.

Be­son­ders ge­fähr­det sind Pa­ti­en­ten, die schon seit Län­ge­rem an der ko­ro­na­ren Herz­krank­heit (KHK) lei­den – al­lein in Deutsch-

Fotos: Jörg Mül­ler, me­di­calARTWORK, Mainz, Deut­sche Herz­stif­tung

Prof. Dr. He­ri­bert Schun­kert vom Deut­schen Herz­zen­trum Das Herz pumpt je­den Tag et­wa 7000 Li­ter Blut durch das Ge­fäß­sys­tem

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