Ja­cke wie Ho­se

tz - - BUNT GEMISCHT - Ro­Ger W., Mün­cHen

War­um schert man al­les über ei­nen Kamm? Wer al­les über ei­nen Kamm schert, schert sich nicht um die Un­ter­schie­de zwi­schen zwei Din­gen. Es ist für ihn so­zu­sa­gen Ja­cke wie Ho­se – zwar gibt es deut­li­che Un­ter­schie­de, sie wer­den je­doch nicht be­ach­tet. Ih­ren Ur­sprung hat die Re­de­wen­dung im alt­germa­ni­schen Straf­recht. Ver­bre­chern wur­de als Stra­fe oft der Kopf ge­scho­ren. Dies galt als Ent­eh­rung und war ei­ne schlim­me Be­stra­fung. Wenn ei­nem je­mand mit kah­lem Schä­del be­geg­ne­te, war da­von aus­zu­ge­hen, dass es sich um ei­nen Ver­bre­cher han­del­te. Für die Men­schen wa­ren bald al­le, die ihr Haar kurz tru­gen, Ver­bre­cher. Auch wenn dem oft nicht so war. Es wur­de kein Un­ter­schied ge­macht. Noch heu­te gibt es in Bay­ern den ab­fäl­li­gen Aus­druck „Gscher­ter“. Zu die­ser Ver­all­ge­mei­ne­rung kam spä­ter noch ein Aspekt da­zu: Beim Sche­ren von Scha­fen wer­den ver­schie­de­ne Käm­me be­nutzt, um die fil­zi­ge, dich­te Wol­le von der fei­nen zu tren­nen. Bei den klas­si­schen Bar­bie­ren aber wird oft für Bart und Haupt­haar der­sel­be Kamm be­nutzt. Es wird al­so auch kein Un­ter­schied ge­macht, ob­wohl das Bei­spiel der Scha­fe zeigt, dass es sinn­voll sein kann, ei­nen Un­ter­schied zu ma­chen.

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