Ein Sym­bol und Sym­pa­thie­trä­ger

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Sei­te 36 Mit le­ben­den Le­gen­den ist das so ei­ne Sa­che. Ir­gend­wann kommt die­se re­tro­spek­ti­ve Ver­klä­rung ins Spiel, oder man lan­det bei Karl Va­len­tin, der den ge­nia­len Satz präg­te: „Die Zu­kunft war frü­her auch bes­ser.“Mit HSV-Idol Uwe See­ler, der am Sams­tag sei­nen 80. Ge­burts­tag fei­er t, ist das so ei­ne an­de­re Sa­che. Denn es gibt kaum je­man­den im Fuß­ball, der nicht ei­ne An­ek­do­te von und mit dem Ju­bi­lar zu er­zäh­len weiß und die mit der Be­mer­kung en­det: So ist Uwe, sym­pa­thisch, echt. Ei­ne Epi­so­de ist ver­brieft. 1961 woll­te In­ter Mai­land See­ler nach Ita­li­en lo­cken, bei den Ver­hand­lun­gen im Ham­bur­ger Ho­tel At­lan­tic bot man ihm ei­ne Mil­li­on Mark Hand­geld plus ei­nen Drei-Jah­res-Ver­trag mit 500 000 Mark Jah­res­ge­halt. Für da­ma­li­ge Ver­hält­nis­se un­vor­stell­bar, doch See­ler blieb sei­nem Ver­ein treu. „Vad­der Er­win“ha­be ihm und sei­nem Bru­der Die­ter (eben­falls Ober­li­ga- und spä­ter Bun­des­li­ga­spie­ler mit dem HSV) mit auf den Weg ge­ge­ben: „Wenn ihr ver­rückt spielt, dann kriegt ihr ein paar an die Oh­ren. Geld ist nicht al­les.“See­ler se­ni­or ver­dien­te sein Geld als Schu­ten­füh­rer im Ha­fen – ein Kno­chen­job. So spiel­te „uns Uwe“Fuß­ball: mit Ein­satz und Kampf. Selbst wenn man – wie der Au­tor die­ser Zei­len – den Ex-Mit­tel­stür­mer nur noch in Schwarz-Weiß-Wie­der­ho­lun­gen er­lebt hat, kann man sich der Fas­zi­na­ti­on nicht ent­zie­hen. „Was für die deut­sche In­dus­trie das Ma­de in Ger­ma­ny war, das war See­ler für den deut­schen Fuß­ball. Da­für lie­ben sie ihn noch heu­te“, schreibt der Sport­in­for­ma­ti­ons­dienst. Nicht nur in Ham­burg, wo er in der Lis­te der Stadt-Iko­nen nach Hel­mut Schmidt auf Platz zwei ran­gier t. Jo­chen Mein­ke, Ka­pi­tän der HSV-Meis­ter­mann­schaft von 1960, fin­det: „Er ist ei­gent­lich viel zu gut für die­se Welt.“Dass sein Ha Ess Vau wie­der mal dem erst­ma­li­gen Ab­stieg ent­ge­gen­tau­melt, be­rei­tet dem Ju­bi­lar Sor­gen. Er sagt: „Man darf zu­min­dest er­war­ten, dass die Spie­ler an­dert­halb St­un­den kämp­fen, lau­fen und mar­schie­ren.“Für ihn ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit, heu­te vi­el­leicht nicht mehr. Zu­rück zu den An­ek­do­ten: 1978 wur­de See­ler, da­mals 42 Jah­re alt und in „Fuß­bal­lRen­te“, zur Par­tie Cork Cel­tic FC ge­gen die Sham­rock Ro­vers nach Ir­land ein­ge­la­den. Er sag­te zu, weil er dach­te, es sei ein Be­ne­fiz­kick. Von we­gen: Da­mals durf­ten pro­mi­nen­te Gast­spie­ler in Ir­land auf­lau­fen. Als ihm die Ver tei­di­ger mit of­fe­ner Soh­le ent­ge­gen­flo­gen, däm­mer­te See­ler, dass die Ver­an­stal­tung ernst war und er rein­ge­legt wur­de. Und was tat er? Zog er zu­rück? Nein, See­ler schoss zwei To­re, ei­nes per Fall­rück­zie­her…

Bernd Bru­der­manns

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