Fran­ces­co, wie steht man wie­der auf?

Bo­xer Pia­ne­ta vor dem Kampf in Un­ter­schleiß­heim im

tz - - SPORT - IN­TER­VIEW: MA­THI­AS MÜL­LER

Fran­ces­co Pia­ne­ta (32) und Alex­an­der Pet­ko­vic (36) ken­nen sich seit 2006. Ex-Welt­meis­ter Pet­ko­vic, heu­te Pro­mo­ter und Trai­ner, be­en­de­te da­mals sei­ne Kar­rie­re, Pia­ne­ta ver­dien­te sich ers­te Spo­ren. Seit ein paar Wo­chen ge­hen bei­de ei­nen ge­mein­sa­men Weg, der für Pia­ne­ta, nach zwei ge­schei­ter­ten Ver­su­chen, im Op­ti­mal­fall mit ei­ner drit­ten WM-Chan­ce im Schwer­ge­wicht en­den soll. Am heu­ti­gen Sams­tag kämpft der 32-Jäh­ri­ge, im Ball­hausFo­rum Dol­ce Mu­nich in Un­ter­schleiß­heim, erst­mals un­ter Pet­kos Flag­ge ge­gen Ti­mur Stark. Das tz- In­ter­view fin­det in Pet­kos Gym in Dach­au statt, es gibt ei­ni­ges zu be­spre­chen, auch Pet­ko­vic sitzt da­bei.

Herr Pia­ne­ta, war die Zu­sam­men­ar­beit schnell fi­xiert? Bei SES schien man nicht mehr auf Sie zu set­zen. Nach ih­rer Nie­der­la­ge im WM-Fight ge­gen Cha­gaev ha­ben Sie nur noch ein­mal ge­kämpft.

Pia­ne­ta: Nein, nein, das stimmt nicht, SES woll­ten den Ver­trag mit mir ver­län­gern, ich ha­be mich da­ge­gen ent­schie­den. Den­noch ha­be ich Ulf Stein­forth viel zu ver­dan­ken, nach mei­nem Weg­gang von Sau­er­land hat er mir sehr ge­hol­fen und zwei WM-Kämp­fe or­ga­ni­siert.

Was pas­sier­te nach der Plei­te ge­gen Cha­gaev?

Pia­ne­ta: Da hat sich SES nicht gut ver­hal­ten. Ich ha­be nicht mit Ab- sicht ver­lo­ren. Dass der K.o. auch noch in der ers­ten Run­de pas­sier­te, war das Schlimms­te.

*** Pet­ko­vic er­gänzt: Es war ein Wurm im Team, das hat nicht ge­passt. Als er zu Bo­den ge­gan­gen ist, ha­ben sie ihn lie­gen ge­las­sen, das fand ich schwach, man steht ei­nen Kampf im­mer bis zum En­de zu­sam­men durch. Ich bin mir si­cher, dass wir mit Fran­co noch ein­mal um den WM-Ti­tel bo­xen, auch wenn der Weg schwer ist. Er hat es zwei­mal ge­schafft, war­um soll er es nicht ein drit­tes Mal schaf­fen. Ver­liert man nach zwei Nie­der­la­gen den Glau­ben an sich selbst?

Pia­ne­ta: Die Pha­se nach dem Cha­gaev-Kampf war hart, aber auf­ge­ben woll­te ich nie. Ich ha­be in der Vor­be­rei­tung mit Ho­wik (Be­bra­ham, Kol­le­ge bei Pet­ko­vic, d. Red.) dar­über ge­spro­chen. Wir muss­ten in der Hö­hen­kam­mer zwei­mal 1000 Me­ter lau­fen. Da­nach hat Ho­wik ge­sagt: Ich ma­che noch ei­nen drit­ten Lauf, aus Aber­glau­be: Das ers­te Mal ist Glück, das zwei­te Mal Pech und beim drit­ten Mal gibt es Gold. So se­he ich es auch. Dass ich mei­nen ers­ten Kampf ge­gen Klitsch­ko be­kom­men ha­be, war et­was glück­lich, beim zwei­ten hat­te ich Pech und beim drit­ten gibt es, so Gott will, Gold. Wenn ich nicht den Glau­ben dar­an hät­te, dass ich oben an­grei­fen kann, wür­de ich nicht wei­ter­ma­chen.

*** Pet­ko­vic stellt klar: Er muss hun­dert Pro­zent mit­zie­hen, sonst hät­te ich den De­al nicht ge­macht. Wir se­hen den ers­ten Kampf als Auf­bau­geg­ner. Ich weiß, wenn er vom Kopf her wach ist, kann er noch viel leis­ten, es ist noch nicht zu spät. Ich glau­be nicht, dass Pia­ne­ta über den Berg ist, ich glau­be, er war noch nicht mal auf dem Gip­fel. Wie pro­fes­sio­nell Fran­co ge­wor­den ist, zeigt sei­ne Er­näh­rungs­um­stel­lung. Herr Pia­ne­ta, er­zäh­len Sie bit­te. Pia­ne­ta: Nach dem Cha­gae­vKampf ha­be ich da­mit an­ge­fan­gen und in elf Wo­chen 19 Ki­lo ab­ge­nom­men. Ich es­se vie­le Koh­len­hy­dra­te, Fleisch und Fisch für den Ei­weiß­haus­halt. Statt nor­ma­lem Öl be­nut­ze ich Ko­kos­öl, au­ßer­dem trin­ke ich sehr viel Was­ser.

Wäh­rend der Vor­be­rei­tung woh­nen Sie in ei­nem Ho­tel in Mün­chen. Wer­den Ih­re Es­sen­an­sprü­che dort er­füllt?

Pia­ne­ta: Ich ko­che selbst, ich ha­be ein Ap­par­te­ment mit Kü­che, mei­ne Koch­töp­fe und das Ge­schirr ha­be ich mit­ge­bracht. Wenn mir das ei­ner vor zwei Jah­ren ge­sagt hät­te, hät­te ich ihm den Vo­gel ge­zeigt.

Apro­pos zu Hau­se. Wie schwer ist es, Ih­re Frau und die zwei Söh­ne in die­ser Zeit zu­rück­zu­las­sen?

Pia­ne­ta: Sie kom­men mich be­su­chen, aber mei­ne Fa­mi­lie hat die Arsch­kar­te, weil sie den Pa­pa nicht oft se­hen. Aber ich weiß, wo­für ich es ma­che. Ich will es schaf­fen, auch da­mit es mei- nen Kin­der spä­ter bes­ser ha­ben.

Ih­re Frau hält Ih­nen den Rü­cken frei?

Pia­ne­ta: Ja, da­für bin ich ihr sehr dank­bar. Wir sind seit 2004 zu­sam­men, 2005 ha­ben wir ge­hei­ra­tet. Manch­mal über­le­ge ich, wie sie es so lan­ge mit mir aus­hält. (grinst) Kom­men sie zum Kampf? Pia­ne­ta: Nein, das will ich nicht. War­um? Pia­ne­ta: Mein gro­ßer Sohn war beim zwei­ten Kampf nach mei­ner Krank­heit (Pia­ne­ta hat­te Krebs, d. Red.) da­bei, das hat mich sehr ir­ri­tiert. Er stand am Ring und hat ge­ru­fen: „Pa­pa, hau ihn. Pa­pa, schlag ihn k.o.“Das war stö­rend, des­we­gen ver­zich­ten wir dar­auf.

Dür­fen Ih­re Söh­ne auch Bo­xer wer­den?

Pia­ne­ta: Wenn er das von sich aus will, wür­de ich ihn un­ter­stüt­zen, ganz klar. Aber Bo­xen lernt man nicht von heu­te auf mor­gen. War­um ha­ben Sie an­ge­fan­gen? Pia­ne­ta: We­gen ei­nes Mäd­chens. Das wol­len wir ge­nau­er wis­sen. Pia­ne­ta: Ich war 13 oder 14 Jah­re alt und mit mei­nem Bru­der, ein paar Freun­den und dem be­tref­fen­den Mäd­chen auf ei­ner Kir­mes. Ihr Ex-Freund hat uns ge­se­hen und woll­te ei­ne Schlä­ge­rei an­zet­teln. Ein paar Jungs ha­ben uns aus­ein­an­der­ge­hal­ten, aber da­nach ha­ben wir be­schlos­sen, uns beim Bo­xen

an­zu­mel­den.

Pia­ne­ta über die Tren­nung in der Vor­be­rei­tung

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