Lan­ge Su­che nach der Wahr­heit

tz - - MÜNCHEN+REGION - ANDRE­AS THIEME

Wird die­ser Pro­zess ihn end­gül­tig ent­las­ten – oder ihn als fei­gen Mör­der über­füh­ren? Ab Di­ens­tag geht es für Ro­man H. (39) um al­les: Vor dem Land­ge­richt muss er sich we­gen Mor­des ver­ant­wor­ten – be­reits zum zwei­ten Mal.

Die Staats­an­walt­schaft ist sich si­cher, dass der ge­lern­te Schwei­ßer die Se­nio­rin In­ge Wit­ters­heim († 79) nie­der­ge­schla­gen und er­dros­selt hat – nur, um ihr Bar­geld und ei­ne Uhr zu steh­len. In ih­rer Woh­nung am Gärt­ner­platz fan­den Er­mitt­ler DNA-Spu­ren von Ro­man H., der Mord konn­te ihm aber nie nach­ge­wie­sen wer­den. Im April 2015 sprach ihn das Land­ge­richt frei. Doch der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) kipp­te das Ur­teil ver­gan­ge­nen De­zem­ber und be­män­gel­te, die Spu­ren sei­en nicht aus­rei­chend ge­wür­digt wor­den. Jetzt wird der Pro­zess vor ei­ner an­de­ren Straf­kam­mer des Land­ge­richts neu auf­ge­rollt.

Dort wird Rechts­an­walt Tom Heindl den mut­maß­li­chen Mör­der ver­tei­di­gen. Er konn­te mit sei­ner Kol­le­gin An­ja Arin­ger den spek­ta­ku­lä­renF­rei­spruch im ers­ten Pro­zess er­zie­len und kri­ti­siert: „Mein Man­dant wird mitt­ler­wei­le seit zwei Jah­ren von der Jus­tiz ge­pei­nigt.“Denn Ro­man H. hat­te wäh­rend des sechs Mo­na­te lan­gen Mord­pro­zes­ses be­reits in Un­ter­su­chungs­haft ge­ses­sen – nun macht er das­sel­be noch ein­mal durch. Nur, dass Ro­man H. in der Neu­auf­la­ge vor dem Land­ge­richt ein „noch här­te­rer Pro­zess“als beim ers­ten Mal be­vor­steht, glaubt Heindl.

Ent­schei­den­des In­diz sind die DNA-Spu­ren von Ro­man H. in der Woh­nung der Se­nio­rin: Er hat­te ihr ei­ni­ge Ma­le im Haus­halt ge­hol­fen. Dort soll er sie aber auch aus Hab­gier er­mor­det ha­ben. Schon der Zeit­punkt für die mut­maß­li­che Tat ist aber strit­tig: Die Staats­an­walt­schaft grenzt ihn zwi­schen dem 4. und 10. Ok­to­ber 2013 ein. Wahr­schein­lich ge­schah der Mord am Abend des 4. Ok­to­ber oder in den St­un­den da­nach. Ob es tat­säch­lich Ro­man H. war, muss Rich­ter Ste­phan Kir­chin­ger nun klä­ren. Er steht, wie vor­her sein Kol­le­ge Nor­bert Ried­mann, vor dem Pro­blem, dass die Be­weis­la­ge in dem Fall un­klar ist. „Es­kommt ganz ent­schei­dend dar­auf an, wie das Ge­richt die DNASpu­ren­la­ge wer­tet“, sagt Ver­tei­di­ger Tom Heindl.

Soll­te das Ge­richt Ro­man H. frei­spre­chen, muss er um­fang­reich für die lan­ge U-Haft ent­schä­digt wer­den. Wird er ver­ur­teilt, dann hie­ße das auch, dass ein Mör­der seit April 2015 an­dert­halb Jah­re lang auf frei­em Fuß war. So oder so: Das Ur­teil wird end­gül­tig sein. Es soll En­de Fe­bru­ar fal­len.

Fo­to: Mell

In die­sem Mehr­fa­mi­li­en­haus in der Cor­ne­li­us­stra­ße ge­schah der Mord

Fo­to: R. Kru­se

Ro­man H. (39) wur­de frei­ge­spro­chen, jetzt muss er er­neut vor das Land­ge­richt tre­ten

Mord­op­fer In­ge Wit­ter­heim

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