Die­se Mau­er spal­tet Mün­chen

Der vier Me­ter ho­he Bau löst hit­zi­ge De­bat­ten aus

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So wie sie jetzt ist, wird sie nicht blei­ben. Die Mau­er sei ja noch im Roh­bau­zu­stand, er­klärt Ste­phan Reich (59). „Sie wird noch be­pflanzt und be­grünt.“Reich, Rich­ter am Land­ge­richt Mün­chen I, hat sich mit sechs an­de­ren An­woh­nern den Schall­schutz vor Ge­richt erstrit­ten. Er kann die Auf­re­gung nicht ver­ste­hen. „Es ging über den run­den Tisch und war fest­ge­zurrt – da war die Stim­mung noch bes­tens.“Jetzt sind Ka­me­ra­teams da, Me­di­en aus En­g­land und Russ­land be­rich­ten, Fo­to­droh­nen stei­gen auf über Neu­per­lach-Süd.

Die Mau­er des An­sto­ßes steht in der Nai­la­stra­ße und ist vier Me­ter hoch. 40 Zen­ti­me­ter hö­her als die Ber­li­ner Mau­er. Die in Mün­chen trennt ei­ne Rei­hen­haus­sied­lung von ei­ner neu er­rich­te­ten Flücht­lings­un­ter­kunft. Bald sol­len hier 160 Min­der­jäh­ri­ge ein­zie­hen. Ei­ne Mau­er ge­gen Flücht­lin­ge? Für Gui­do Bucholtz, den Vi­ze-Chef im ört­li­chen Be­zirks­aus­schuss, ist das „ab­so­lu­ter Wahn­sinn“( tz be­rich­te­te). Ein schlim­mes Sym­bol in un­se­rer Stadt, die so ge­rühmt wur­de für ih­re Will­kom­mens­kul­tur.

Bür­ger­meis­te­rin Chris­ti­ne Strobl (55, SPD) ver­steht die Auf­re­gung nicht: „Die Mau­er ist nur auf ei­ner Sei­te und ver­läuft nicht um die ge­sam­te Ein­rich­tung.“Und: Sie war auch ein Wunsch der An­woh­ner, ein Kom­pro­miss. 2014 be­reits gab es ei­ne Ge­neh­mi­gung für die Un­ter­kunft – nebst Lärm­schutz­kon­zept. Den Nach­barn war das nicht ge­nug, sie klag­ten. Es gab ein Gut­ach­ten.

„Ir­gend­wann ruh­te das Gan­ze, weil wir uns auch zu Ge­sprä­chen ge­trof­fen ha­ben“, so Strobl. Teil­ge­nom- men hät­ten un­ter an­de­rem Ver­tre­ter des Be­zirks­aus­schus­ses (BA). „Da­bei ist die­se Mau­er als Kom­pro­miss ver­ein­bart wor­den.“Um­so ir­ri­tier­ter sei sie, dass Be- schwer­den kom­men. Schließ­lich sei­en Ver­tre­ter des BA bei den Ge­sprä­chen ge­we­sen. Un­ter an­de­rem Gui­do Bucholtz. Der be­kommt heu­te für sein Vor­ge­hen Hass-Mails, aber auch Zu­stim­mung.

Kri­ti­ker der Mau­er wer­fen den Be­woh­nern Frem­den­feind­lich­keit vor. Die weh­ren sich. Es ge­he ihm nicht dar­um, die Un­ter­kunft zu ver­hin­dern, sagt Reich. Der Ein­zug der 160 Min­der­jäh­ri­gen sei „okay“. Reich: „Bei ei­ner Sport­an­la­ge hät­ten wir uns auch ge­wehrt.“Ein Ab­tra­gen der Mau­er, wie es jetzt die Stadt­ratsG­rü­nen for­dern, kommt für ihn nicht in Fra­ge. „Das wä­re ein Schild­bür­ger­streich.“

Fo­tos: film.neu­per­lach.de (1), He­der­gott, Schlaf (3), Wes­ter­mann (2), dpa (2)

Sie­ben An­woh­ner, dar­un­ter Rich­ter Ste­phan Reich, ha­ben sich den Lärm­schutz­wall vor Ge­richt erstrit­ten. Die Auf­re­gung um die Mau­er kön­nen sie nicht ver­ste­hen

Die Mau­er an der Nai­la­stra­ße: In die neu ge­bau­te Un­ter­kunft da­hin­ter sol­len 160 jun­ge Flücht­lin­ge ein­zie­hen. Links Gui­do Bucholtz vom Be­zirks­aus­schuss

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