Trum­pelt er heu­te in das Wei­ße Haus?

tz - - ERSTE SEITE - DOMINIK LASKA

Ei­ne Nacht in Wa­shing­ton. Es ist der 20. April 2011. Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma hat zum tra­di­tio­nel­len Din­ner ein­ge­la­den. Die Po­lit­pro­mi­nenz schüt­telt sich die Hän­de. Und un­ter den Gäs­ten ist auch ein ge­wis­ser Do­nald Trump. We­ni­ge Wo­chen zu­vor hat­te er Oba­ma öf­fent­lich an­ge­grif­fen. Es ging um die Her­kunft des Prä­si­den­ten, Trump for­der­te ihn auf, sei­ne Ge­burts­ur­kun­de zu ver­öf­fent­li­chen. An die­sem Ga­la­abend hol­te Oba­ma zum Ge­gen­schlag aus, de­mü­tig­te den Mil­li­ar­där vor der ge­sam­ten Wa­shing­to­ner Eli­te. Er riss Wit­ze über ihn und sei­ne Rea­li­ty-Show Oba­ma frot­zel­te, Trump wür­de als Prä­si­dent das Wei­ße Haus mit sei­nem Na­men ver­zie­ren und Ne­on-Lich­tern aus­stat­ten. Der Prä­si­dent ge­noss die La­cher, Trump aber koch­te vor Wut. Jetzt ist er tätsäch­lich nur noch we­ni­ge Schrit­te vom Wei­ßen Haus ent­fernt. Trump ist in den ver­gan­ge­nen vier Mo­na­ten durch den Wahl­kampf ge­tram­pelt, wie ein Ele­fant im Por­zel­lan­la­den. Er schlit­ter­te von ei­nem Skan­dal zum nächs­ten. Nichts konn­te ihn auf­hal­ten. Heu­te wählt die USA ih­ren neu­en Prä­si­den­ten. In den letz­ten zwei Wo­chen konn­te Trump den Vor­sprung auf sei­ne Kon­kur­ren­tin Hil­la­ry Cl­in­ton ver­klei­nern. Vie­le pro­phe­zei­en ein Kopf-an-KopfRen­nen. Doch was wä­re, wenn der Mil­li­ar­där tat­säch­lich die Wahl ge­winnt? Wie wür­de sich Ame­ri­ka und die gan­zeWelt un­ter Prä­si­dent Do­nald Trump ver­än­dern? Ein Blick in die tz-Glas­ku­gel: The App­ren­ti­ce.

Als Prä­si­dent will Trump so­fort han­deln, das hat­te er be­reits im Ok­to­ber 2016 an­ge­kün­digt. Die Prä­si­dent­schaft Oba­mas sol­le so­fort aus­ra­diert wer­den, al­le „ver­fas­sungs­wid­ri­gen“Ver­ord­nun­gen und des­sen Ge­sund­heits­re­form „Oba­ma­ca­re“will er rück­gän­gig ma­chen. „Oba­ma­ca­re ist ein Ge­setz“, be­tont Da­vis. „Ein Ge­setz kann der Prä­si­dent nicht ein­fach au­ßer Kraft set­zen. Er wür­de na­tür­lich schnell ver­su­chen, ei­ne Ge­set­zes­än­de­rung zu for­mu­lie­ren und mit ei­ner Mehr­heit im Kon­gress hät­te er auch gu­te Chan­cen, die­se durch­zu­brin­gen.“Zu­dem will Prä­si­dent Trump un­ver­züg­lich die po­li­ti­sche Eli­te in Wa­shing­ton säu­bern und vie­le Stel­len neu be­set­zen. Ka­bi­netts­pos­ten und Neu­be­set­zun­gen am Obers­ten Ge­richts­hof ste­hen zur Ver­tei­lung an. Den­noch könn­te auch ein Prä­si­dent Trump nicht ein­fach al­le sei­ne träu­me­ri­schen Fan­ta­si­en am ers­ten Amts­tag in die Tat um­set­zen.

Auch die von Trump so oft pro­kla­mier­te Mau­er zu Me­xi­ko ist ei­ne Idee, die ei­nes lang­wie­ri­gen Pro­zes­ses be­dürf­te und nicht ganz so ein­fach um­zu­set­zen sein wird, wie sich der Mil­li­ar­där es vi­el­leicht vor­stellt. Ver­su­chen wird er es trotz­dem, glaubt Ex­per­te Da­vis: „Er hat bis­her so laut und so of­fen dar­über ge­spro­chen. Er wird be­stimmt ver­su­chen, die Gel­der da­für zu be­kom­men. Et­was an­de­res kann ich mir nicht vor­stel­len.“Al­ler­dings wür­den noch of­fe­ne Fra­gen im Raum ste­hen, so Da­vis: „Man kann ei­nen sol­chen Bau nicht ein­fach auf Pri­vat­land durch­füh­ren. Da sind viel zu vie­le recht­li­che Fra­gen zu klä­ren, als dass die Mau­er schnell zu­stan­de kom­men wür­de“. Ganz da­von ab­ge­se­hen muss auch ein Prä­si­dent Trump zu­nächst ein­mal das Bud­get für ein sol­ches Pro­jekt zu­sam­men­be­kom­men. tz-

„Das Pro­blem ist, dass nie­mand weiß, ob er ei­ne au­ßen­po­li­ti­sche Phi­lo­so­phie hat“, er­klärt Da­vis. Au­ßen­po­li­tisch bleibt Do­nald Trump auch nach Mo­na­ten des Wahl­kamp­fes ein Buch mit sie­ben Sie­geln. Al­ler­dings, so Da­vis, wür­den die Be­zie­hun­gen zwi­schen Eu­ro­pa, Deutsch­land und den USA mas­siv lei­den, wenn Trump das wah­ma­chen wür­de, was er wäh­rend des Wahl­kamp­fes so oft ver­spro­chen hat­te. Ei­ne Schwä­chung der Na­to, ein Rück­zug Ame­ri­kas aus Eu­ro­pa, ei­ne Kün­di­gung des Iran-Ab­kom­mens, ei­nen lo­cke­ren Um­gang mit Nu­kle­ar­waf­fen und ein even- tu­el­ler Schul­ter­schluss mit Pu­tin. „Dann er­war­te ich ei­ne kom­plett an­de­re Po­li­tik. Au­ßer­dem wür­den die Eu­ro­pä­er nicht auf ein­mal an­fan­gen, für ih­re Ver­tei­di­gung Geld aus­zu­ge­ben, nur weil Herr Trump das ver­langt“, be­tont Da­vis. Der Kampf ge­gen den IS Die ers­ten Amts­hand­lun­gen

Wäh­rend des Wahl­kamp­fes kün­dig­te Trump an, mit Bo­den­trup­pen ge­gen den IS kämp­fen zu wol­len und das US-Mi­li­tär noch wei­ter auf­zu­rüs­ten. Die Rea­li­tät? „Ich weiß nicht wirk­lich, was Trump für Ide­en hat. Er scheint auch zu glau­ben, dass Pu­tin und As­sad ge­mein­sam ge­gen den IS vor­ge­hen. Er scheint zu glau­ben, dass er mit den bei­den bes­ser um­ge­hen kann als Oba­ma“, er­klärt Da­vis. Dass er ei­ne Un­ter­stüt­zung für ei­ne Bo­den­of­fen­si­ve be­kom­men wür­de, hält der tzEx­per­te für sehr un­wahr­schein­lich.

Trumps Wahl­slo­gan hat sich in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten in die Köp­fe ein­ge­brannt. Sein Mot­to: Un­ter­neh­men müs­sen zu­rück nach Ame­ri­ka. Das schafft Ar­beits­plät­ze, und Steu­er­sen­kun­gen ma­chen die USA at­trak­tiv für Un­ter­neh­men. „Ame­ri­ka hat be­reits er­folg­reich die Pro­duk­ti­on zu­rück­ge­holt. Al­ler­dings mit ei­nem Drit­tel we­ni­ger Ar­bei­tern, auf­grund der Di­gi­ta­li­sie­rung der Ar­beits­pro­zes­se“, sagt Da­vis. Die Steu­er­re­form sei zwar theo­re­tisch um­setz­bar, al­ler­dings sei­en die von Trump pro­gnos­ti­zier­ten Aus­wir­kun­gen da­hin­ge­hend sehr frag­lich. Trump, die EU und Deutsch­land „Ma­ke Ame­ri­ca gre­at again“ Die Mau­er an der Gren­ze zu Me­xi­ko

F.: afp

Trum­pUn­ter­stüt­zer bei ei­ner Wahl­kampf­ver­an­stal­tung (o.). Der Kan­di­dat (r.) ist seit Wo­chen sie­ges­si­cher

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