Völ­lig über­be­wer­tet

tz - - POLITIK -

An­ne Will hat vie­les rich­tig ge­macht. Sie hat ih­re po­li­ti­sche Dis­kus­si­ons­run­de mit dem bri­san­ten The­ma aus dem Tat­ort vom Sonn­tag­abend kon­fron­tier t. „Mein Le­ben für Al­lah – War­um ra­di­ka­li­sie­ren sich im­mer mehr jun­ge Men­schen?“ist zwei­fel­los ei­ne re­le­van­te Fra­ge. Die Gäs­te wa­ren im Grun­de auch gut ge­wählt: Ein be­trof­fe­ner Va­ter, ein Is­la­mis­mus-Ex­per­te, ein Imam und CDU-Mann Wolf­gang Bos­bach, der dem Is­lam zu­min­dest skep­tisch ge­gen­über­steht. Dann saß da al­ler­dings auch noch No­ra Il­li – und da­mit wur­de es pro­ble­ma­tisch. Il­li ist Frau­en­be­auf­trag­te des Is­la­mi­schen Zen­tral­rats Schweiz, was ir­gend­wie da­nach klingt, als sei sie wich­tig. Ei­ne Re­prä­sen­tan­tin für Vie­le. Der Kopf ei­ner gro­ßen Ver­ei­ni­gung. So et­was in der Art. Aber all das ist sie nicht. Il­li ver­tritt ei­nen win­zi­gen (!) Bruch­teil der Mus­li­me in ih­rem Land – und ist al­lein schon des­we­gen mit der Ein­la­dung in die wich­tigs­te Ste­fa­nie Talk­show im deut­schen Fern­se­hen Thys­sen völ­lig über­be­wer­tet. So hat die ARD

der 32-Jäh­ri­gen aber nun Ge­le­gen­heit ge­ge­ben, ih­re mehr als kru­den The­sen aus­führ­lich ab­zu­son­dern. Das ist schlicht zu viel der Eh­re – auch wenn Il­lis Re­den von An­ne Will hin­ter­fragt und in dan­kens­wer­ter Schär­fe vor al­lem von Ah­mad Man­sour („Das ist of­fe­ne Kriegs­pro­pa­gan­da! Das kann man im öf­fent­li­chen Fern­se­hen nicht ma­chen!“) kri­ti­siert wur­den. Wenn ei­ne Sen­dung wie An­ne Will re­le­vant sein will – und das muss ihr Ziel sein –, dann soll­te man auch re­le­van­te Gäs­te ein­la­den.

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