„Ich bin im­mer noch be­geis­tert“

tz - - MÜNCHEN+REGION -

Ex-OB Chris­ti­an Ude (69) er­in­nert sich: „Ich weiß noch ge­nau, wie Char­lot­te Kno­bloch da­mals, kurz nach mei­ner Wahl zum Bür­ger­meis­ter, auf mich zu­kam mit der Idee, dass ein Jü­di­sches Zen­trum auf dem Ja­cobs­platz neu ent­ste­hen könn­te. Ich war wie elek­tri­siert! Von all dem, was mal das Stadt­bild be­herrscht hat­te mit der frü­he­ren Sy­nago­ge, war ja auch im öf­fent­li­chen Be­wusst­sein nichts üb­rig ge­blie­ben. Bis es dann zu dem Bau kam, folg­te aber erst ein lan­ger Hür­den­lauf. Wo­bei sich vie­le heu­te nicht mehr dar­an er­in­nern wol­len, dass sie Hür­den auf­ge­baut ha­ben. Da gab es Ein­wen­dun­gen aus der Nach­bar­schaft, das Zen­trum wür­de Si­cher­heits­pro­ble­me aus­lö­sen. Der Platz, der ja ein rich­tig schä­bi­ger Hin­ter­hof war, müs­se un­be­dingt als Frei­flä­che er­hal­ten wer­den … Es wur­de nie of­fe­ner An­ti­se­mi­tis­mus ge­äu­ßert, aber es gab stän­di­ge Initia­ti­ven, uns Knüp­pel zwi­schend die Bei­ne zu wer­fen.

Aber dann ka­men die po­si­ti­ven Er­fol­ge: Die fi­nan­zi­el­le Di­men­si­on wur­de be­wäl­tigt, die Rechts­fra­gen wur­den ge­löst. Der Ar­chi­tek­tur­wett­be­werb hat be­wie­sen, dass das Raum­pro­gramm tat­säch­lich auf dem Platz be­wäl­tigt wer­den kann.

Zu­erst noch ein Schock: der ge­plan­te rechts­ra­di­ka­le An­schlag. Aber nach Be­sei­ti­gung der Bau­zäu­ne ha­be ich es als ein rich­ti­ges Glücks­ge­fühl er­lebt, wie toll die Ar­chi­tek­tur über­zeugt hat. Es war eben nicht al­les zu eng, son­dern es ist im Ge­gen­teil ein groß­ar­ti­ger Sa­kral­bau in ei­ner reiz­vol­len städ­te­bau­li­chen Si­tua­ti­on ent­stan­den. Ich bin heu­te noch, wenn ich vor­bei­kom­me, be­geis­tert!

Es ist kein ab­ge­schot­te­tes Haus der Ju­den, son­dern ein öf­fent­li­ches Fo­rum, ein Bei­trag zur In­te­gra­ti­on. Das Haus lebt! Es über­trifft al­le Er­war­tun­gen von da­mals.

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