„Ich hat­te To­des­anPst“

Pfar­rer übel be­schim­nft! Im Pro­zess sagt er:

tz - - MÜNCHEN+REGION - JO­SEF AMETSBICHLER, ANDRE­AS THIEME

Sei­ne Welt sind die Wor­te. Jah­re­lang pre­dig­te Pfar­rer Oli­vier Nd­jim­bi-Ts­hi­en­de in der Ge­mein­de Zor­ne­ding (Kreis Ebers­berg). Aber vor Ge­richt fällt ihm das Spre­chen schwer. „Ich hat­te gro­ße Angst“, sagt er. „Manch­mal ha­be ich Freun­de ge­be­ten, mich zu be­glei­ten.“Abends, auf de­mWeg­zu­mGot­tes­dienst. Denn selbst dort fühl­te sich der dun­kel­häu­ti­ge Pfar­rer nicht mehr si­cher.

Ein Münch­ner Rentner hat­te ihn schwer be­lei­digt und ihm per Brief mit dem To­de ge­droht. Ges­tern muss­te sich der 74-jäh­ri­ge Gott­fried T. des­halb vor dem Ebers­ber­ger Amts­ge­richt ver­ant­wor­ten. Der Fall hat­te bis ins Aus­land hin­ein für Auf­se­hen ge­sorgt, denn Oli­vier Nd­jim­bi-Ts­hi­en­de ver­ließ auf­grund der Dro­hun­gen die Ge­mein­de.

Ges­tern nun wur­de der Rentner, der ei­ne Ket­te mit ei­nem sil­ber­nen Kreuz trug, vor dem Ebers­ber­ger Amts­ge­richt in zwei Fäl­len der Volks­ver­het­zung, Be­dro­hung und Be­lei­di­gung schul­dig ge­spro­chen. Der ge­sund­heit­lich an­ge­schla­ge­ne Mann – er lei­det un­ter an­de­rem an Dia­be­tes – er­hielt ei­ne Be­wäh­rungs­stra­fe von zehn Mo­na­ten und ei­ne Geld­auf­la­ge von 600 Eu­ro an den Münch­ner Ver­ein „Bunt statt Braun“.

„Wir wer­den dich aus­lö­schen, du schwar­zes Schaf“, stand in ei­nem der Schrei­ben, die der An­ge­klag­te an den dun­kel­häu­ti­gen Pfar­rer ge­schickt hat­te. Und: „Wir schi­cken dich nach Au­schwitz.“Es wa­ren üb­le Wor­te, et­li­che auch ras­sis­tisch, die den be­lieb­ten Pfar­rer tief tra­fen. Und vor de­nen er sich schüt­zen woll­te. „Ich war be­stürzt, dass ich so be­schimpft wer­de“, sag­te er ges­tern vor Ge­richt. Gott­fried T. da­ge­gen sag­te ges­tern kaum et­was – we­der zu sei­nen Mo­ti­ven, noch ent­schul­dig­te er sich. Ge­gen­über den den Er­mitt­lern hat­te er zu Pro­to­koll ge­ge­ben: „Ich ha­be mit dem schwar­zen Pries­ter nichts zu tun. Das wird mir an­ge­hängt, weil ich im Com­pu­ter bin.“Doch die In­di­zi­en sind er­drü­ckend. An ei­nem der bei­den Brie­fe wur­den Fin­ger­ab­drü­cke des An­ge­klag­ten ent­deckt. Und ei­ne Schrift­gut­ach­te­rin geht mit ho­her Si­cher­heit da­von aus, dass Gott­fried T. der Ver­fas­ser der bei­den Schrei­ben war.

Der An­ge­klag­te, der aus Ra­ti­bor/Schle­si­en stammt, zeig­te sich vor der Ver­hand­lung er­schüt­tert dar­über, welch ho­he Wel­len das Ver­fah­ren ge­schla­gen hat­te. Im Zu­schau­er­raum war auch sei­ne Frau, die im­mer wie­der in Trä­nen aus­brach. War­um der Hass ih­res Man­nes aus­ge­rech­net den Pfar­rer traf, bleibt wohl das Ge­heim­nis von Gott­fried T.

F.: d:A

Gott­fried T. (li.) aus Mün­chen hat­te Droh­brie­fe an den Zor­ne­din­ger Pfar­rer Oli­vier Nd­jim­bi-Ts­hi­en­de (re.) ge­schrie­ben, der da­nach die Ge­mein­de ver­ließ. Ges­tern lan­de­te der Fall vor Ge­richt

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