So wir­ken die fünf wich­tigs­ten Ta­blet­ten­ar­ten

tz - - REPORT -

ACE-Hem­mer (z. B. Ra­mi­pril, Enalap

ril, Li­si­no­pril) sen­ken den Blut­druck, weil sie die Bil­dung des stark ge­fäß­ver­en­gen­den Hor­mons An­gio­ten­sin re­du­zie­ren. Über 16 Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger neh­men täg­lich ei­nen ACE-Hem­mer, der da­mit das am häu­figs­ten ein­ge­nom­me­ne Arz­nei­mit­tel über­haupt ist. Die Ver­träg­lich­keit ist ge­ne­rell gut. Et­wa fünf Pro­zent der Pa­ti­en­ten lei­den als Ne­ben­wir­kung un­ter hart­nä­cki­gem tro­cke­nem Hus­ten. Das ist ein Grund, auf Sar­ta­ne um­zu­stel­len. Sehr sel­ten ist das le­bens­be­droh­li­che so­ge­nann­te An­gio­ödem, das heißt ei­ne plötz­li­che Schwel­lung des Ra­chen­raums mit Luft­not, die ein so­for­ti­ges ärzt­li­ches Ein­grei­fen er­for­dert. Wich­tig sind Kon­trol­len der Nie­ren­funk­ti­on und des Ka­li­um­spie­gels (Blut­un­ter­su­chung). Gu­te Kom­bi­na­ti­ons­part­ner der ACE-Hem­mer sind Di­ure­ti­ka und Cal­ci­um­an­t­ago­nis­ten.

■ Sar­ta­ne (An­gio­ten­sin-Re­zep­tor­blo - cker; z. B. Can­des­ar­tan, Vals­ar­tan, Lo­sar­tan) ha­ben die glei­chen Wir­kun­gen und Ne­ben­wir­kun­gen wie ACE-Hem­mer. Ei­ne Aus­nah­me sind Hus­ten und An­gio­öde­me, die bei Sar­ta­nen sel­ten oder gar nicht auf­tre­ten. Sar­ta­ne sind die zweit­wich­tigs­te Grup­pe von Blut­druck­sen­kern und wer­den von et­wa acht Mil­lio­nen Pa­ti­en­ten täg­lich ein­ge­nom­men. Der 2010 auf­ge­kom­me­ne Ver­dacht, dass Sar­ta­ne Krebs­er­kran­kun­gen be­güns­ti­gen, konn­te in ei­ner grö­ße­ren Ana­ly­se nicht be­stä­tigt wer­den. ■

■ Di­ure­ti­ka (z. B. Chlor­tali­don, Hy­droch­lo

rot­hia­zid, HCT, Inda­pa­mid) er­hö­hen die Sal­zaus­schei­dung über die Nie­ren und wer­den bei Blut­hoch­druck in re­la­tiv nied­ri­gen Do­sen ein­ge­setzt, in der Re­gel in Kom­bi­na­ti­on mit ei­nem wei­te­ren Blut­druck­me­di­ka­ment. Sie wer­den von sechs Mil­lio­nen Pa­ti­en­ten täg­lich ein­ge­nom­men. Chlor­tali­don ist bes­ser in gro­ßen Stu­di­en un­ter­sucht als HCT und hat ei­ne be­son­ders lan­ge und gleich­mä­ßi­ge Wirk­dau­er, was als Vor­teil gel­ten muss. Da­zu ist es bil­li­ger als HCT. Den­noch wird bei uns HCT aus Ge­wohn­heit mehr ver­ord­net. Das Haupt­ri­si­ko von Di­ure­ti­ka ist ei­ne Ver­rin­ge­rung des Ka­li­um­spie­gels im Blut, was Herz­rhyth­mus­stö­run­gen be­güns­tigt. Da­her muss der Ka­li­um­spie­gel un­be­dingt re­gel­mä­ßig be­stimmt und ge­ge­be­nen­falls durch Ga­be von ka­li­um­spa­ren­den Di­ure­ti­ka wie Tri­am­te­ren, Amil­o­rid oder eben auch Sp­i­ro­no - lac­ton/Eple­re­non aus­ge­gli­chen wer­den. Die Ein­nah­me von Ka­li­um­ta­blet­ten al­lein ist in der Re­gel nicht aus­rei­chend und ver­ur­sacht un­nö­ti­ge Ne­ben­wir­kun­gen. Da ACE-Hem­mer/ Sar­ta­ne den Ka­li­um­spie­gel eher er­hö­hen, ist die Kom­bi­na­ti­on der bei­den Prin­zi­pi­en be­son­ders sinn­voll. Di­ure­ti­ka er­hö­hen sta­tis­tisch das Auf­tre­ten von Dia­be­tes bei Pa­ti­en­ten mit Blut­hoch­druck. Wel­che Rol­le dies für die Ge­samt­wir­kung auf die Le­bens­pro­gno­se von Pa­ti­en­ten hat, ist un­klar, weil trotz des Dia­be­tes­ri­si­kos kei­ne Stu­die ei­ne Un­ter­le­gen­heit von Di­ure­ti­ka ge­gen­über an­de­ren Blut­druck­sen­kern ge­zeigt hat. Di­ure­ti­ka kön­nen auch Gicht­an­fäl­le aus­lö­sen und soll­ten da­her bei Pa­ti­en­ten mit ho­hen Harn­säu­re­spie­geln nicht oder nur in nied­ri­gen Do­sen ein­ge­setzt wer­den. Über­haupt sind die Ne­ben­wir­kun­gen vor al­lem in ho­hen Do­sen, die güns­ti­gen Wir­kun­gen schon in nied­ri­gen Do­sen zu se­hen. Gu­te Kom­bi­na­ti­on mit ACE-Hem­mern/Sar­ta­nen und mit Be­ta­blo­ckern. ■ Cal­ci­um­an­t­ago­nis­ten (z. B. Am­lo­di­pin,

Ler­ca­ni­di­pin, Nit­ren­di­pin) er­wei­tern die Blut­ge­fä­ße und sen­ken da­durch den Blut­druck. Sie wer­den täg­lich von et­wa 6,5 Mil­lio­nen Pa­ti­en­ten ein­ge­nom­men. Wenn die Blut­druck­sen­kung, wie z. B. bei Ni­fe­di­pin, schnell und kurz­fris­tig ge­schieht, ant­wor­tet der Kör­per mit ei­ner un­güns­ti­gen Ak­ti­vie­rung des Sym­pa­thi­kus (Fol­ge z. B. Herz­ra­sen). Da­her wer­den heu­te für die Blut­druck­sen­kung prak­tisch nur noch lang­sam und lang­wir­ken­de Sub­stan­zen wie Am­lo­di­pin ein­ge­setzt, auf die sich der Kör­per gut ein­stel­len kann.

Ei­ne ty­pi­sche Ne­ben­wir­kung der Cal­ci­um­an­t­ago­nis­ten sind Un­ter­schen­kelö­de­me. Sie tre­ten bei Ler­ca­ni­di­pin we­ni­ger häu­fig auf als bei Am­lo­di­pin. Gu­te Kom­bi­na­ti­on mit ACE-Hem­mern/Sar­ta­nen und mit Be­ta­blo­ckern.

■ Be­ta­blo­cker (z. B. Me­to­pro­lol, Bi­so­pro­lol, Ne­bi­vo­lol) schir­men Herz und Kreis­lauf vor den Wir­kun­gen des Stress­hor­mons Ad­re­na­lin ab. Sie wer­den von et­wa sie­ben Mil­lio­nen Pa­ti­en­ten täg­lich ein­ge­nom­men. Pa­ti­en­ten mit Asth­ma, AVB­lock, Schup­pen­flech­te, De­pres­sio­nen oder schwe­rer Rau­cher­bein­krank­heit und Typ -1-Dia­be­tes dür­fen kei­ne Be­ta­blo­cker ein­neh­men. Be­ta­blo­cker kön­nen die ma­xi­ma­le kör­per­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit ein­schrän­ken, mü­de und im­po­tent ma­chen, kal­te Fin­ger und Ze­hen her­vor­ru­fen. Da­her gel­ten sie bei vie­len Pa­ti­en­ten als schlecht ver­träg­lich. Tat­säch­lich zei­gen aber Stu­di­en, dass Be­ta­blo­cker von den al­ler­meis­ten Pa­ti­en­ten oh­ne je­de Ne­ben­wir­kung ver­tra­gen wer­den. Wich­tig ist es, mit ei­ner nied­ri­gen Do­sis zu be­gin­nen und die­se lang­sam zu stei­gern. Be­ta­blo­cker müs­sen un­be­dingt re­gel­mä­ßig ein­ge­nom­men und dür­fen nicht plötz­lich ab­ge­setzt wer­den, weil es sonst zu ei­ner über­schie­ßen­den Ad­re­na­lin-Wir­kung kom­men kann (Herz­ra­sen, Blut­druck­stei­ge­rung) – das ge­naue Ge­gen­teil von dem, was man er­rei­chen will.

In­fo: Die Wirk­stof­fe in­den Sie in der Re­gel un­ter dem Han­dels­na­men und/oder in der Pa­ckungs­bei­la­ge.

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