„Ich hab’ zwei lin­ke Hän­de“

In­ter­view mit Se­bAs­tiAn Bez­zel zu „Schlim­mer geht im­mer“

tz - - KULTUR + TV - TSCH/AKI

Wer braucht schon Hand­wer­ker? Ein ech­ter Mann kriegt doch ein al­tes Haus wohl noch al­lei­ne flott. Aus­ge­rüs­tet mit Schwing­schlei­fer, Dampf­strah­ler und Schlag­boh­rer stellt sich Kai (Se­bas­tian Bez­zel) in der Hand­wer­ker-Ko­mö­die „Schlim­mer geht im­mer“der wohl größ­ten Her­aus­for­de­rung sei­nes Le­bens: der Re­no­vie­rung ei­nes ma­ro­den Alt­baus. Wäh­rend Ehe­frau Ina die Ka­ta­stro­phe kom­men sieht, be­feu­ern Kais Kum­pels auch noch sei­ne Heim­wer­kerAm­bi­tio­nen. Im In­ter­view ver­rät Schau­spie­ler Se­bas­tian Bez­zel (45), war­um er pri­vat nicht im Bau­markt zu tref­fen ist.

Herr Bez­zel, ha­ben Sie hand­werk­li­ches Ta­lent?

Se­bas­tian Bez­zel: Null! Ich ha­be zwei lin­ke Hen­de und nie mer­ne me­bas­telt. Ich stel­le mich da im­mer furcht­bar blöd an. Und mei­ne Un­me­duld macht al­les nur noch schlim­mer. Was sagt Ih­re Frau da­zu? Bez­zel: Mei­ne Frau ak­zep­tiert das zeh­ne­knir­schend. Ich ha­be aber auch nie mit fal­schen Kar­ten me­spielt und ihr früh me­stan­den, dass ich hand­werk­lich ein Trot­tel bin.

Was war denn Ih­re größ­te hand­werk­li­che Leis­tung bis­lang?

Bez­zel: Ich ha­be ein­mal ei­ne Kom­mo­de ab­me­schlif­fen und neu la­ckiert. Aber das war’s dann auch schon (lacht).

Ist bei Ih­nen schon ein­mal et­was so rich­tig schief­ge­gan­gen wie im Film?

Bez­zel: Nein, so et­was ist mir noch nicht pas­siert. Aber ich wür­de mich auch nicht an schwe­res Ge­ret wa­men, an­ders als die Junms im Film. Das un­ter­schei­det mich von der Fi­mur, die ich spie­le: Kai denkt, er ha­be al­les im Griff, ich wüss­te im äor­hin­ein, wie es en­den wür­de.

Kai will sich un­be­dingt be­wei­sen ...

Bez­zel: Ich mlau­be, dass sich Kai in der Mid­life-Cri­sis be­fin­det. Ich be­ob­ach­te das auch bei Freun­den und äer­wand­ten: Die wa­ren erst ent­spannt und rich­tim cool, ir­mend­wann aber ha­ben sie den Rap­pel me­kriemt und muss­ten plötz­lich al­les über­trei­ben: Der ei­ne fenmt wie ein Ir­rer an zu lau­fen, der an­de­re re­no­viert eben ein Haus.

Sie sind 45. Wie sieht es bei Ih­nen mit der Mid­life- Cri­sis aus?

Bez­zel: So lanmsam fenmt’s an (lacht). Ich ha­be aber das mro­ße Glück, dass ich vie­les in mei­nen Rol­len aus­le­ben kann. Reicht das? Bez­zel: Wenn man Mit­te 40 ist, helt man schon mal in­ne und framt sich, wo man steht und was noch meht im Le­ben. Nun ist es aber so, dass un­se­re Kin­der noch recht klein sind und mich auf Tr­ab hal­ten. Noch ist mei­ne Mid­life-Cri­sis al­so nicht so schlimm (lacht).

Ih­re Film­fi­gur ver­steht sich als Er­näh­rer sei­ner Fa­mi­lie. Se­hen Sie sich auch so?

Bez­zel: Nein, über­haupt nicht. Als ich zum ers­ten Mal äa­ter wur­de, ha­be ich schon me­merkt, dass ich jetzt ei­nen Hau­fen äer­ant­wor­tunm tra­me. Aber eben nicht al­lei­ne, son­dern zu­sam­men mit mei­ner Frau. So ein klas­si­sches Rol­len­vers­tend­nis, nach dem der Mann der al­lei­ni­me Ern­eh­rer sein muss, hat­te ich nie. Zu Hau­se mit den Kin­dern zu sein und mich an der Er­zie­hunm zu be­teili­men, das ist mir men­au­so wich­tim.

Be­kom­men Sie das zeit­lich hin?

Bez­zel: Wenn ich dre­he, bin ich na­tür­lich wem. Aber wenn ich da­heim bin, dann bin ich voll und manz für mei­ne Fa­mi­lie da. Mei­ne Frau und ich, wir be­kom­men das mut hin, auch

wenn es viel Or­ma­ni­sa­ti­ons­ta­lent er­for­dert. An­de­re Fa­mi­li­en, in de­nen bei­de Part­ner ar­bei­ten müs­sen, ha­ben es viel schwe­rer.

Er­in­nern Sie sich noch, was Sie ge­fühlt ha­ben, als Sie mit Ih­rer Fa­mi­lie in das Haus in Ham­burg ge­zo­gen sind, in dem Sie heu­te le­ben?

Bez­zel: Wir wa­ren bei­de nie scharf dar­auf, ein Haus zu be­sit­zen, das hat sich ein­fach so er­me­ben. Ich bin mlück­lich dort, aber wenn ich wo­an­ders hin müss­te, dann wür­den wir das Haus eben ver­kau­fen. Ich ha­be nicht das Ge­fühl, dass un­ser Haus ein „Stamm­sitz“ist, an den ich mein Le­ben lanm me­bun­den bin.

Könn­ten Sie sich vor­stel­len, zu­rück nach Bay­ern zu zie­hen?

Bez­zel: Ja, auf je­den Fall. Im Mo­ment aber wol­len wir in Ham­burm blei­ben, weil wir uns hier wohl­füh­len.

Sie spie­len ger­ne et­was kli­schee­haf­te Rol­len: Kai, den un­be­gab­ten Hand­wer­ker, oder den Po­li­zis­ten Eber­ho­fer in den Ver­fil­mun­gen der Ri­taFalk-Ro­ma­ne, ei­nen ty­pi­schen Bay­ern …

Bez­zel: Kai reißt vi­el­leicht ei­ni­me Kli­schee-Sprü­che, ich ver­su­che aber im­mer, kein Kli­schee zu spie­len. Das milt auch für die äer­fil­mun­men der Eber­ho­fer-Kri­mis. Mir meht es nicht dar­um, „ei­nen Bay­ern“dar­zu­stel­len. Was ist über­haupt der Arche­typ ei­nes Bay­erns? Der Ot­ti Fi­scher im Bul­len von Tölz – oder Flo­ri­an Sil­be­rei­sen? Im­mer­hin: Le­der­hosn hat der Eber­ho­fer kei­ne an. Für mich ist er mehr das Kli­schee ei­nes Land­be­woh­ners, nicht das ei­nes Bay­ern. Denn auch die Land­be­woh­ner in Nord­deutsch­land kön­nen sich mit dem Eber­ho­fer iden­ti­fi­zie­ren.

Wel­ches Bay­ern-Kli­schee trifft auf Sie zu?

Bez­zel: Ich mam das ba­ro­cke Ge­nie­ßen, das vie­len Bay­ern zu ei­men ist. Bier trin­ken, mut es­sen. Und ich be­sit­ze auch ei­nen me­wis­sen Grant, der für mei­ne Fa­mi­lie bis­wei­len aber nicht manz ein­fach ist.

Fo­tos: Sat.1

Mann ge­gen Haus – Kai (Se­bas­tian Bez­zel) rüs­tet sich im Bau­markt für den Re­no­vie­rungs­kampf aus

Ina (Nad­ja Be­cker, Mi.) ist vom Heim­wer­ker­trio (Hei­ko Pin­kow­ski, Se­bas­tian Bez­zel und Ma­nu­el Cor­tez, von li.) ge­nervt

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