Kein gu­ter Prä­si­dent

tz - - DIE US-PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL - WOODY AL­LEN, RE­GIS­SEUR DOMINIK LASKA

Der 20. Ja­nu­ar 2001. Bill Cl­in­ton ver­lässt nach acht Jah­ren als Prä­si­dent der USA das Wei­ße Haus in Wa­shing­ton. An sei­ner Sei­te: Hil­la­ry Cl­in­ton. Sie über­stand Rück­schlä­ge – die ge­schei­ter­te Ge­sund­heits­re­form un­ter ih­rer Füh­rung. Und sie über­stand De­mü­ti­gun­gen – die Af­fä­re ih­res Man­nes mit der Prak­ti­kan­tin Mo­ni­ca Le­wins­ky. Hil­la­ry ver­ließ das Wei­ße Haus, trotz al­ler Nie­der­la­gen, er­ho­be­nen Haup­tes. Und mit dem Wis­sen, dass jetzt ih­re po­li­ti­sche Zeit ge­kom­men war. Be­reits zwei Wo­chen zu­vor war sie als Se­na­to­rin des Bun­des­staats New York ver­ei­digt wor­den. Schon im Jahr 2008 nahm sie sich vor, in die Fuß­stap­fen ih­res Man­nes zu tre­ten. Al­ler­dings muss­te sich Cl­in­ton Ba­rack Oba­ma im Vor­wahl­kampf ge­schla­gen ge­ben. Ge­gen sein „Yes we can“hat­te sie nicht ge­nü­gend an­zu­bie­ten. Al­ler­dings mach­te der spä­te­re Prä­si­dent Oba­ma Cl­in­ton 2009 zu sei­ner Au­ßen­mins­te­rin. Sie war nun auf der al­ler­höchs­ten Stu­fe der Po­li­tik an­ge­kom­men. Und wur­de 2011 so­wie 2012 vom Ti­me Ma­ga­zi­ne zur zwei­mäch­tigs­ten Frau der Welt ge­wählt – hin­ter Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel. Der Weg zur Num­mer eins ist jetzt nun nicht mehr weit. Auch wenn sie durch die Wie­der­auf­nah­me der E-MailAf­fä­re durch FBI-Di­rek­tor Ja­mes Co­mey in den Pro­gno­sen an Vor­sprung ver­lor, geht sie als Fa­vo­ri­tin in die heu­ti­ge Wahl. Am Sonn­tag er­klär­te Co­mey zu­dem die Er­mitt­lun­gen ge­gen Cl­in­ton als end­gül­tig ein­ge­stellt – so­fort stie­gen ih­re Um­fra­ge­wer­te wie­der. Zieht al­so am 20. Ja­nu­ar 2017 die ers­te Prä­si­den­tin ins Wei­ße Haus ein? Was wür­de sich un­ter Hil­la­ry Cl­in­ton än­dern? Oder wä­re sie ei­ne vo­r­erst vier­jäh­ri­ge Zu­ga­be der Prä­si­dent­schaft Oba­mas? Die tz wagt ei­nen Blick in Glas­ku­gel: Ich un­ter­stüt­ze Hil­la­ry Cl­in­ton, und sie hat es mehr als ver­dient, ins Wei­ße Haus ein­zu­zie­hen. Ich ken­ne Do­nald Trump und glau­be, dass er trotz sei­ner gro­ßen Sprü­che kein gu­ter Prä­si­dent wä­re.” der Wa­shing­to­ner Po­li­tik sei. Für den Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Prof. Dr. Ja­mes Da­vis wird im Fal­le ei­nes Sie­ges der Ex-First-La­dy ei­nes ganz wich­tig sein: „Nach dem um­strit­te­nen Wahl­kampf wird die ers­te Auf­ga­be für Hil­la­ry Cl­in­ton sein, mit aus­ge­streck­ter Hand auf die Re­pu­bli­ka­ner zu­zu­ge­hen. Es wird dar­um ge­hen, ein Kli­ma zu schaf­fen, in dem sie re­gie­ren kann – das wird nicht leicht wer­den.“Cl­in­ton wer­de in vie­ler­lei Hin­sicht die Po­li­tik von Ba­rack Oba­ma fort­set­zen, glaubt Da­vis. Al­ler­dings wird sie, vor al­lem in der Au­ßen­po­li­tik, ver­su­chen, ei­ge­ne Ak­zen­te zu set­zen, und ver­mut­lich ei­nen an­de­ren Kurs fah­ren.

„Es wird auf die Mehr­heits­ver­tei­lung im Se­nat an­kom­men“, be­tont Da­vis. Er glau­be nicht, dass die Re­pu­bli­ka­ner das Re­prä­sen­tan­ten­haus ver­lie­ren wer­den. Und soll­te der Se­nat eben­falls re­pu­bli­ka­nisch blei­ben, dann „wird sie es gleich von Be­ginn an schwer ha­ben“. Bei­spiels­wei­se bei der Be­set­zung von Ka­bi­netts­pos­ten oder der Nach­be­set­zung der of­fe­nen Pos­ten am Obers­ten Ge­richts­hof. „Soll­te der Se­nat ei­ne de­mo­kra­ti­sche Mehr­heit be­kom­men, dann wird Cl­in­ton als Prä­si­den­tin mehr Mög­lich­kei­ten be­kom­men“, sagt Da­vis. Ob Hil­la­ry Cl­in­ton al­so ei­ne star­ke oder ei­ne schwa­che Prä­si­den­tin wer­den wür­de, hängt ganz von der eben­falls an­ste­hen­den Se­nats­wahl ab.

Schon als Au­ßen­mins­te­rin hat sich Hil­la­ry Cl­in­ton als ein gro­ßer Fan von An­ge­la Mer­kel und ih­rer Po­li­tik ge­zeigt. „Sie hat ho­he Ach­tung vor An­ge­la Mer­kel und ist eben­falls der Mei­nung, dass Deutsch­land ei­nes der wich­tigs­ten Part­ner­län­der der Ver­ei­nig­ten Staa­ten ist“, er­klärt Da­vis. Er er­war­tet ei­ne Fort­set­zung der Zu­sam­men­ar­beit, die schon zwi­schen Oba­ma und Mer­kel statt­ge­fun­den hat. Zu­dem glaubt der tz- Ex­per­te, dass es mög­lich sein könn­te, dass Cl­in­ton als Prä­si­den­tin in­ner­halb der ers­ten 100 Ta­ge be­reits zu ei­ner Rei­se nach Eu­ro­pa auf­bre­che. Um zu zei­gen, dass sie be­reit ist, Eu­ro­pa in Zei­ten der Kri­se zu un­ter­stüt­zen.

Ei­ne Prä­si­den­tin Hil­la­ry Cl­in­ton wird, so zu­min­dest er­war­tet man es, auf die­sem Po­li­tik­feld nicht den Kurs von Oba­ma ver­fol­gen. „Hier ist die größ­te Ab­wei­chung zu er­war­ten“, so Da­vis. Sie un­ter­stü­ze ei­ne ak­ti­ve­re Rol­le in Sy­ri­en, die Ein­füh­rung von Flug­ver­bots­zo­nen, aber auch die Ein­füh­rung ei­ner Schutz­zo­ne im Nor­den Sy­ri­ens. „Um ei­ne Zo­ne zu schaf­fen, in der die Flücht­lin­ge si­cher vor Luft­an­grif­fen sind.“Ihr Kon­tra­hent sprach im Wahl­kampf im­mer wie­der da­von, im Kampf ge­gen den IS auch Bo­den­trup­pen ein­set­zen zu wol­len. „Das hat Cl­in­ton schon mehr­fach aus­ge­schlos­sen“, be­tont Da­vis. Hin­ge­gen plä­diert sie für ei­ne stär­ke Prä­senz der Luft­waf­fe. Ei­ne Prä­si­den­tin Cl­in­ton wür­de von ih­rer Er­fah­rung als Au­ßen­mi­nis­te­rin pro­fi­tie­ren. Der Haupt­as­pekt ih­rer Po­li­tik wür­de mit Si­cher­heit auf der Au­ßen­po­li­tik auf­bau­en.

Als Au­ßen­mi­nis­te­rin war Cl­in­ton schon sehr be­liebt. „Sie muss zei­gen, dass sie sich für die Be­lan­ge des Durch­schnitts­ame­ri­ka­ners ein­setzt“, er­klärt Da­vis. „Sie muss Zu­kunfts­per­spek­ti­ven für die Ver­lie­rer der Glo­ba­li­sie­rung schaf­fen. Für die­je­ni­gen, die nicht stu­diert ha­ben, über 50 Jah­re alt sind und de­ren Jobs ver­schwin

den.“

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