Auf Ha­mil­ton las­tet ein Fluch

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Die Stre­cke zwi­schen den Se­en in São Pau­lo gilt als ge­fähr­lichs­te der For­mel 1. Das be­zieht sich aber nur auf die An -und Ab­fahrt. Nir­gend­wo ist der Ver­kehr chao­ti­scher. Nir­gend­wo ist die Ge­fahr grö­ßer, über­fal­len zu wer­den, so wie 2010 Jen­son But­ton, da­mals am­tie­ren­der Welt­meis­ter. Meh­re­re Män­ner be­droh­ten ihn mit vor­ge­hal­te­nen Pis­to - len und Ge­weh­ren. Nur dank sei­ner ge­pan­zer­ten S-Klas­se kam er mit dem Schre­cken da­von. Für Fah­rer und Te­am­chefs ge­hö­ren seit­dem ge­pan­zer­te Li­mou­si­nen für den Weg zur Stre­cke und zu­rück zu den Ho­tels zur Stan­dard­aus­rüs­tung. Die Stre­cke selbst sorgt da­für, dass die Fah­rer und ih­re In­ge­nieu­re beim Ab­stim­men der Au­tos im­mer Kom­pro­mis­se ein­ge­hen müs­sen. Grund: Das lan­ge Berg­auf- und Ber­gab­stück vor und nach Start und Ziel ver­langt nach we­nig Flü­gel, der Rest der Stre­cke braucht aber viel da­von. Da­zu kommt, dass der Be­lag ex­trem un­eben ist. Das heißt: Die Auf­hän­gun­gen und Fe­dern müs­sen wei­cher ein­ge­stellt wer­den, um die har­ten Schlä­ge zu kom­pen­sie­ren. Wei­che Fe­der­we­ge er­hö­hen aber auch das Ri­si­ko, dass die Rei­fen eher ab­bau­en. Grund­sätz­lich gilt: Wer von vorn­her­ein ein ae­ro­dy­na­misch gut aus­ba­lan­cier­tes Au­to hat, da­zu von der Mecha­nik her viel Ab­trieb pro - du­zie­ren kann, ist im Vor­teil. „Bei Mer­ce­des se­he ich Ni­co Ros­berg vorn“, glaubt Marc Su­rer. „São Pau­lo ge­hört aus ir­gend­ei­nem Grund zu den Stre­cken, auf de­nen Le­wis Ha­mil­ton noch nie was rei­ßen konn­te. Ros­berg da­ge­gen ge­wann hier die letz­ten bei­den Jah­re und Vet­tel fuhr hier im­mer auf höchs­tem Ni­veau.“In der Tat: Wie ein Fluch las­tet die Stre­cke, die aus­ge­rech­net von sei­nem Idol Ayr­ton Sen­na mit­de­signt wur­de, auf Ha­mil­ton. 2007 ver­lor er hier den Ti­tel, 2008 ge­wann er ihn 600 Me­ter vor En­de des Ren­nens nur des­halb, weil er ge­ra­de so noch Fünf­ter wer­den konn­te. 2014 dreh­te er sich bei der Ver­fol­gung von Team­kol­le­ge Ros­berg von der Stre­cke.

Ralf Bach, For­mel-1Ko­lum­nist

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