Im Brenn­punkt: Hil­des­heim

tz - - POLITIK -

Der Raum Hil­des­heim in Nie­der­sach­sen hat sich zu ei­nem Schwer­punkt der ra­di­kal­is­la­mis­ti­schen Be­we­gung ent­wi­ckelt. Als „bun­des­wei­ten Hots­pot der ra­di­ka­len Sala­fis­ten­sze­ne“hat­te In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) schon im Ju­li die Mo­schee des Deutsch­spra­chi­gen Is­lam­krei­ses Hil­des­heim e.V. (DIK) be­zeich­net.

Das 2012 ge­grün­de­te Got­tes­haus so­wie acht Woh­nun­gen von Ver­eins­vor­stän­den wa­ren da­mals von 400 Po­li­zis­ten durch­sucht wor­den. Der Vor­wurf: In dem Ver­ein sol­len Mus­li­me ra­di­ka­li­siert und zur Teil­nah­me am Dschi­had in Kampf­ge­bie­ten mo­ti­viert wer­den. In Pre­dig­ten, Se­mi­na­ren und Vor­trä­gen wer­de zum „Hass ge­gen­über Un­gläu­bi­gen“auf­ge­ru­fen, hieß es. Bei der Raz­zia wur­de kis­ten­wei­se Be­weis­ma­te­ri­al ge­si­chert, Fest­nah­men gab es aber kei­ne. Pis­to­ri­us lei­te­te aber ein Ver­bots­ver­fah­ren ge­gen den DIK ein, das bis jetzt aber noch nicht ab­ge­schlos­sen ist. Die Zahl der ra­di­kal-is­la­mi- schen Sala­fis­ten in Nie­der­sach­sen schätz­te der Ver­fas­sungs­schutz im Mai auf rund 550. Et­wa 75 Is­la­mis­ten reis­ten nach Er­kennt­nis der Be­hör­den aus Nie­der­sach­sen in Rich­tung Sy­ri­en und Irak aus, um sich dort dem Is­la­mi­schen Staat (IS) oder an­de­ren Ter­ror­or­ga­ni­sa­tio­nen an­zu­schlie­ßen. Ein Drit­tel stamm­te aus dem Raum Hil­des­heim.

An­fang Sep­tem­ber schrieb der Spie­gel: „Be­reits 2013 warn­te das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz in ei­nem in­ter­nen Be­richt vor den Spen­den­samm­lern von „Hel­fen in Not“. Ne­ben bun­des­weit be­kann­ten Sala­fis­ten­pre­di­gern wie Sven Lau und Pier­re Vo­gel tauch­te schon da­mals ein Mann aus Hil­des­heim bei der Sam­mel­ak­tio­nen auf: Abu Wa­laa, der selbst er­nann­te „Scheich von Hil­des­heim.“Er pre­digt seit Jah­ren in Hil­des­heim. Wer ist der Mann, der als die Num­mer eins des IS in Deutsch­land gilt? Über ihn sa­gen Er­mitt­ler in der Sze­ne: „Er ist der Schlimms­te.“Und ein Ex­per­te für Ge­hirn­wä­sche. Wie vie­le jun­ge Mus­li­me er in den Krieg und da­mit in Tod schick­te, ist aber schwer zu sa­gen. Abu Wa­laa heißt ei­gent­lich Ah­mad Ab­du­la­ziz Ab­dul­lah A. Er spricht flie­ßend Deutsch, be­kennt sich of­fen zum IS und pre­digt seit Jah­ren in der Mo­schee des Deutsch­spra­chi­gen Is­lam­krei­ses Hil­des­heim. Au­ßer­dem ist er auf YouTu­be und Face­book (25 000 Fans) ak­tiv und bie­tet ei­ne ei­ge­ne App an. Sein Mar­ken­zei­chen: Er ist so gut wie nie von vorn zu se­hen, meist trägt er ei­nen schwar­zen Um­hang mit Ka­pu­ze. Ähn­lich wird im Is­lam oft auch der Pro­phet Mo­ham­med dar­ge­stellt … In der Sala­fis­ten­sze­ne hat Abu Wa­laa des­halb auch den Na­men „Pre­di­ger oh­ne Ge­sicht“. Zu­letzt lie­fer­te sich der Ira­ker in sei­nen Vi­deo­bot­schaf­ten ei­ne re­li­giö­se Schlacht mit sala­fis­ti­schen Pre­di­gern, die den IS ab­leh­nen. Der 32-Jäh­ri­ge soll zwei Wohn­sit­ze in zwei klei­nen Ort­schaf­ten na­he Hil­des­heim ge­habt ha­ben. 24 St­un­den vor sei­ner Ver­haf­tung gab er via Face­book üb­ri­gens noch klu­ge Ehe­tipps. Die an­de­re Sei­te des Hass­pre­di­gers …

Qu­el­len: You Tu­be/tzS­creen­shot

Zeigt un­gern sein Ge­sicht: Hass­pre­di­ger Abu Wa­laa

Fo­tos: dpa

Im Ju­li wur­de die Mo­schee in Hil­des­heim von 400 Po­li­zis­ten durch­sucht

Abu Wa­laas Ge­gen­spie­ler: Sala­fist Pier­re Vo­gel – ex­trem, aber an­geb­lich ge­gen den IS

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