Lasst den Kin­dern ih­re Hel­den!

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Welch ein Dra­ma war das da­mals, wenn die selbst ge­bas­tel­te La­ter­ne ir­gend­wann im Lau­fe des Sankt-Mar­tins-Um­zu­ges vor den ei­ge­nen Fü­ßen ver­brann­te, weil die Ker­ze dar­in um­kipp­te. Fast je­der er­in­ner t sich noch an die La­ter­nen­um­zü­ge in der Kind­heit. Wie stolz wir wa­ren mit un­se­rem Ste­cken in der Hand, wie wir im Dun­keln sin­gend durch die Stra­ßen stapf­ten. Ehr­fürch­tig ha­ben wir den Ge­schich­ten über den Hei­li­gen Martin ge­lauscht, der sei­nen Man­tel mit ei­nem ar­men Mann teil­te. Er war ein Held – und der La­ter­nen­um­zug ein gro­ßes Aben­teu­er. Bei­des war un­trenn­bar mit­ein­an­der ver­bun­den. Egal, ob wir aus gläu­bi­gen Fa­mi­li­en ka­men oder nicht. Nun nen­nen ei­ni­ge mo­der­ne Kin­der­gär­ten ih­re Um­zü­ge mit Ver­weis auf die Re­li­gi­ons­frei­heit La­ter­nen­fest. Sie strei­chen Lie­der, die mit Sankt Martin zu tun ha­ben, aus dem Pro­gramm. Das ist scha­de und un­nö­tig. Da­mit neh­men die Ki­tas den Kin­dern den Zau­ber des Fes­tes. Und die mus­li­mi­schen oder jü­di­schen Kin­der stö - ren sich be­stimmt nicht dar­an, ein Mar­tins­spiel an­zu­se­hen oder Mar­tins­lie­der zu sin­gen. Kin­dern ist es egal, wel­ches Ri­tu­al zu wel­cher Re­li­gi­on ge­hört. Sie glau­ben an das Christ­kind, auch wenn sie spä­ter viel­leicht aus der Kir­che aus­tre­ten. Sie üben für das Hir­ten­spiel an Hei­lig­abend in der Kir­che, auch wenn sie als Er­wach­se­ne nie wie­der ei­nen Got­tes­dienst be­su­chen. Weil die Ge­schich­ten, die da­mit ver­bun­den sind, span­nend sind und je­des Fest zu et­was Be­son­de­rem ma­chen. Ni­na Bautz

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