Hier lebt er für im­mer

tz - - MÜNCHEN+REGION - R.WEI­SE

Die ers­te Woh­nung der Rock-Le­gen­de be­fand sich im so­ge­nann­ten Stoll­berg Pla­za (Stoll­berg­stra­ße). Auch heute noch mie­ten sich hier Gäs­te ein. „Die Woh­nung war im von der Stra­ße nicht ein­seh­ba­ren Teil des Ge­bäu­des“, sagt Weg­ge­fähr­te Am­ba­cher. Die Fass­bin­der-Schau­spie­le­rin Bar­ba­ra Va­len­tin († 61) wohn­te nur ei­ni­ge Häu­ser wei­ter. Spä­ter leb­te sie mit Mer­cu­ry zu­sam­men in ei­ner Woh­nung in der Hans-Sachs-Stra­ße. Doch ei­ne Be­zie­hung zwi­schen den bei­den Stars ha­be es nie ge­ge­ben, so Am­ba­cher. „Der Fred­die stand auf rich­ti­ge Ker­le aus der Le­der­sze­ne mit Schnau­zer.“Va­len­tin ha­be sich von An­fang an Mer­cu­ry ran­ge­hängt – und ihn re­gel­recht ver­folgt. Ne­ben dem Fris­co ver­kehr­te Mer­cu­ry auch häu­fig im Och­sen­gar­ten (Mül­ler­stra­ße). „Das Lo­kal ist bis heute nur für Män­ner zu­gäng­lich“, er­zählt Am­ba­cher. Ihm sei es in dem Le­der­lo­kal zu wild zu­ge­gan­gen. „Die Män­ner ha­ben sich schnel­len Sex im Le­der­club oder in der Sau­na ge­holt.“Wei­te­rer Par­ty­ort Mer­cu­rys: das Old Mrs. Hen­der­son (Rum­ford­stra­ße, heute Pa­ra­di­so Tanz­bar). Hier fei­er­te Mer­cu­ry sei­nen 39. Ge­burts­tag, so Am­ba­cher. Al­le Gäs­te muss­ten in Schwarz-Weiß ge­klei­det er­schei­nen. „Das war die bes­te Par­ty, die ich je er­lebt ha­be.“Auf der Par­ty wur­den Tei­le des Mu­sik-Vi­deo zu „Li­ving on my own“ge­dreht. „Ich bin der Ein­zi­ge, der von der da­ma­li­gen Münch­ner Cli­que um Mer­cu­ry noch lebt“, er­zählt Pe­ter Am­ba­cher. Der Tra­ves­tie­künst­ler trat da­mals als „Miss Pig­gy“im sei­nem Club Fris­co in der Blu­men­stra­ße auf, noch heute ist er in der Rol­le zu se­hen. In den 1980er-Jah­ren lern­te der Münch­ner Fred­die Mer­cu­ry in der ers­ten Schwu­lensau­na Mün­chens mit Pool im Tal 48 ken­nen. „An der Bar stand plötz­lich ein sehr be­haar­ter Mann ne­ben mir, der nur ein Hand­tuch um die Hüf­ten ge­schlun­gen hat­te“, er­in­nert sich Am­ba­cher. Er ha­be Mer­cu­ry nicht er­kannt. Der As­sis­tent des Sän­gers sei da­zu­ge­kom­men, bei­de hät­ten Eng­lisch mit­ein­an­der ge­re­det. „Ich dach­te mir, das sind Tou­ris­ten.“Erst spä­ter ha­be sich im Ge­spräch mit dem As­sis­ten­ten her­aus­ge­stellt, dass der Sau­na- Gast Fred­die Mer­cu­ry war. Es war ei­ner von Mer­cu­rys Lieb­lings­clubs: Das Fris­co in der Blu­men­stra­ße (heute Padres, Fo­to l.). Hier trat Weg­ge­fähr­te Am­ba­cher auf. Mer­cu­ry stand meist in der lin­ken Ecke der Bar (Fo­to r.u.), so Am­ba­cher. „Er hat nur be­ob­ach­tet – und nichts ge­spro­chen.“Wenn der Sän­ger ei­nen Gast sym­pa­thisch ge­fun­den ha­be, ha­be er ihn auf ei­nen Drink ein­ge­la­den. Mer­cu­rys Lieb­lings­cock­tail: Wod­ka Oran­ge. Der Sän­ger wur­de meis­tens durch den Hin­ter­hof ins Lo­kal ge­schleust. „Aber trotz sei­ner Be­kannt­heit hat kei­ner der an­de­ren Gäs­te Fred­die be­drängt. “Nach durch­zech­ten Näch­ten über­nach­te­te der Sän­ger oft im Gäs­te­zim­mer im ers­ten Stock über dem Fris­co. Auch hier ver­kehr­te Fred­die Mer­cu­ry: Die Deut­sche Ei­che (Rei­chen­bach­stra­ße). Wirt Diet­mar Holz­ap­fel (59, li.) kann­te den Sän­ger nicht mehr per­sön­lich. 1991 starb Mer­cu­ry, 1993 über­nah­men die Holz­ap­fels das Lo­kal. „Das be­reue ich heute noch, dass ich Fred­die ver­passt ha­be.“Da­für ha­be sein Ad­op­tiv­va­ter Ni­ki Mer­cu­ry noch ge­trof­fen. Bis heute noch frag­ten ihn im­mer wie­der Gäs­te nach dem Sän­ger, so Holz­ap­fel. „Er hat un­ser Lo­kal durch sei­ne aus­schwei­fen­den Fei­ern be­kannt ge­macht.“

Sein To­des­tag jährt sich in zwei Wo­chen zum 25. Mal: Rock-Iko­ne und QueenSän­ger Fred­die Mer­cu­ry (†45) wä­re heu­er 70 Jah­re alt ge­wor­den. Von 1979 bis 1985 leb­te Mer­cu­ry in Mün­chen. Der Tra­ves­tie­künst­ler Pe­ter Am­ba­cher (66) ist ein al­ter Weg­ge­fähr­te Mer­cu­rys – und hat sich mit der tz auf Spu­ren­su­che in der Stadt be­ge­ben. Wei­te­rer Zu­hö­rer: Sän­ger Rob Com­ber (51). Er spielt Me­cu­ry in der Show Queen Ma­nia, die 2017 durch Deutsch­land tou­ren

wird. Der an Aids er­krank­te Mer­cu­ry hat sein Herz wäh­rend sei­ner Münch­ner Zeit an ei­nen ganz be­stimm­ten Mann ver­schenkt: Win­nie Kirch­ber­ger, Wirt de­s­Se­bas­ti­ans­ecks am Se­bas­ti­ans­platz (F. u.). Kirch­ber­ger sei ge­nau Mer­cu­rys Typ ge­we­sen, so Am­ba­cher. „Ein statt­li­cher Mann im Holz­fäl­ler­hemd.“Der Sän­ger schenk­te sei­nem Liebs­ten so­gar ein­mal ei­nen gro - ßen Mer­ce­des zum Ge­burts­tag, er­in­nert sich der Münch­ner Weg­ge­fähr­te. Der Wirt be­koch­te Mer­cu­ry da­für mit sei­ner Leib - spei­se: Schweins­ha­xen. Doch Kirch­ber­ger sei kein Kind von Trau­rig­keit ge­we­sen – die Be­zie­hung ging aus­ein­an­der. Kirch­ber­ger starb En­de der 1980er-Jah­re an Aids.

Fred­die Mer­cu­ry bei ei­nem sei­ner Auf­trit­te (Fo­to o.). Un­ten: Sein da­ma­li­ger Münch­ner Weg­ge­fähr­te Pe­ter Am­ba­cher bei ei­nem Auf­tritt als „Miss Pig­gy“

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