So ge­fähr­lich sind Schmerz­mit­tel

tz - - REPORT - ANDRE­AS BEEZ

Schlei­chen­de Ge­fah­ren fürs Ge­fäß­sys­tem: In der gro­ßen Ge­sund­heits­se­rie in­for­mie­ren Ex­per­ten der Deut­schen Herz­stif­tung über so­ge­nann­te stil­le Kil­ler. Da­zu zählt auch Dia­be­tes – ei­ne Volks­krank­heit, die häu­fig spät er­kannt und un­ter­schätzt wird.

Der Schä­del brummt, die Ar­thro­se im Knie macht sich be­merk­bar, der Rü­cken schmerzt nach ei­nem an­stren­gen­den Bü­rotag wie­der mal höl­lisch: Bei sol­chen Be­schwer­den grei­fen vie­le Pa­ti­en­ten schnell mal zu ei­ner frei ver­käuf­li­chen Schmerz­ta­blet­te wie Ibu­pro­fen oder Di­clofe­nac (Han­dels­na­me Vol­ta­ren). Da­ge­gen ist auch nichts ein­zu­wen­den, al­ler­dings soll­te die Ein­nah­me nicht zur Re­gel wer­den. Denn wer die­se Mit­tel auf Dau­er schluckt, ris­kiert Schä­den an den Nie­ren und am Her­zen. Da­vor hat Pro­fes­sor Dr. Stef­fen Mass­berg, Chef­kar­dio­lo­ge des Uni­ki­li­ni­kums Groß­ha­dern, in ei­nem tz- Ge­spräch ge­warnt.

„Die so­ge­nann­ten nicht-ste­ro­ida­len An­ti­rheu­ma­ti­ka sind sehr ef­fi­zi­en­te Me­di­ka­men­te für ei­ne kur­ze The­ra­pie­dau­er – auch des­halb, weil sie ent­zün­dungs­hem­mend wir­ken. Al­ler­dings soll­ten sie über meh­re­re Wo­chen nur nach Rück­spra­che mit dem be­han­deln­den Arzt ein­ge­nom­men wer­den. Sie kön­nen näm­lich chro­ni­sche Nie­ren­schä­di­gun­gen ver­ur­sa­chen, die sich nicht mehr be­he­ben las­sen – mit Blut­hoch­druck als ei­ner ty­pi­schen Fol­ge“, sagt Pro­fes­sor Mass­berg, der dem Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat der Deut­schen Herz­stif­tung an­ge­hört.

Die re­nom­mier­te Pa­ti­en­ten­or­ga­ni­sa­ti­on ver­an­stal­tet der­zeit bun­des­weit ih­re tra­di­tio­nel­len Herz­wo­chen. Da­bei geht es un­ter an­de­rem um die Be­kämp­fung der so­ge­nan­nen stil­len Kil­ler, zu de­nen auch Blut­hoch­druck ge­hört. Auch be­stimm­te Schmerz­mit­tel kön­nen das Her­zK­reis­lauf-Sys­tem un­ter Druck brin­gen. In der heu­ti­gen Fol­ge er­fah­ren Le­ser, wor­auf sie bei der Ein­nah­me von Ta­blet­ten wie Ibu­pro­fen oder Di­clofe­nac so­wie bei er­höh­ten Blut­zu­cker­wer­ten ach­ten müs­sen. Blut­hoch­druck kann eben­so wie Dia­be­tes (sie­he Ar­ti­kel un­ten), er­höh­te Cho­le­ste­rin­wer­te oder chro­ni­scher Stress zu mas­si­ven Schä­den an den Blut­ge­fä­ßen füh­ren.

Die häu­figs­ten dra­ma­ti­schen Kom­pli­ka­tio­nen sind Schlag­an­fäl­le und Herz­in­fark­te – sie tref­fen al­lein in Deutsch­land jähr­lich ins­ge­samt knapp 600 000 Men­schen. Wie man sich da­ge­gen wapp­nen kann, er­läu­tern Ex­per­ten der Herz­stif­tung in ei­ner gro­ßen tz- Ge­sund­heits­se­rie.

Die Nie­ren, die durch Ibu­pro­fen und Di­clofe­nac in Mit­lei­den­schaft ge­zo­gen wer­den kön­nen, spie­len bei der Blut­druck­re­gu­la­ti­on ei­ne wich­ti­ge Rol­le. „Sie wir­ken wie ei­ne Art Sen­sor. Wenn die Nie­ren ge­schä­digt wer­den, kann die­ser Sen­sor lang­fris­tig sei­ne Funk­ti­on ver­lie­ren“, so Prof. Dr. Mass­berg.

Das Haupt­pro­blem: Nicht-ste­ro­ida­le An­ti­rheu­ma­ti­ka wie Ibu­pro­fen und Di­clofe­nac grei­fen in zen­tra­le Stoff­wech­sel­pro­zes­se ein, hem­men un­ter an­de­rem die Sal­zaus­schei­dung über die Nie­ren, wie der Phar­ma­ko­lo­ge Pro­fes­sor Dr. Tho­mas Eschen­ha­gen im ak­tu­el­len Blut­hoch­druck-Rat­ge­ber der Deut­schen Herz­stif­tung er­klärt. „Die Ge­samt­men­ge an Salz im Blut und im gan­zen Kör­per ent­schei­det über die Blut­men­ge und die Emp­find­lich­keit der Blut­ge­fä­ße ge­gen­über Blut­druck­erhö­hern wie Ad­re­na­lin und An­gio­ten­sin. Wenn man zu we­nig hat, ist der Blut­druck zu nied­rig. Hat man zu viel, ist der Blut­druck rasch er­höht.“

Be­son­ders vor­sich­tig soll­ten Pa­ti­en­ten mit Dia­be­tes sein und je­ne, die be­reits seit Län­ge­re­rem mit Blut­hoch­druck und den Fol­gen zu kämp­fen ha­ben. „Vie­le lei­den be­reits an ei­ner Nie­ren­schä­di­gung, die durch die Schmerz­mit­tel noch ver­schärft wer­den kann“, er­klärt der Kar­dio­lo­ge Mass­berg.

Wer auf ei­ne dau­er­haf­te Ei­nah­me von Schmerz­mit­teln an­ge­wie­sen sei, sol­le die­se nur un­ter strenger ärzt­li­cher Kon­trol­le ein­neh­men, ra­ten Ex­per­ten. Ei­ne mög­li­che Al­ter­na­ti­ve sei das Me­di­ka­ment Na­pro­xen, er­läu­tert der Phar­ma­ko­lo­ge Dr. Fe­lix Fried­rich in ei­nem Ex­per­ten­bei­trag für die Herz­stif­tung.

Man­che Pa­ti­en­ten schwö­ren auch auf Par­acet­amol. Doch auch die­ses Mit­tel sei nicht für ei­ne re­gel­mä­ßi­ge dau­er­haf­te Ein­nah­me ge­eig­net, warnt der Groß­ha­der­ner Herz­spe­zia­list Mass­berg. „Es greift zwar nicht die Nie­ren an, kann aber – wenn auch sel­ten – statt­des­sen die Le­ber schä­di­gen. Den­noch ist ei­ne ad­äqua­te Schmerz­the­ra­pie wich­tig, da ins­be­son­de­re chro­ni­sche Schmer­zen auch ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf den Blut­druck ha­ben kön­nen. Ins­be­son­de­re bei chro­ni­schen Schmer­zen ist da­her ei­ne in­di­vi­du­el­le Ein­stel­lung durch ei­nen Schmerz­me­di­zi­ner zu emp­feh­len. “ Neue Rat­ge­ber in­for­mie­ren über Blut­hoch­druck, Cho­le­ste­rin, Dia­be­tes und Stress. Für Pa­ti­en­ten und An­ge­hö­ri­ge bie­tet die Deut­sche Herz­stif­tung vier neue Ex­per­ten-Rat­ge­ber zu Blut­hoch­druck, Dia­be­tes, Cho­le­ste­rin und Stress (je nach Band 32-56 Sei­ten). Leicht ver­ständ­lich in­for­mie­ren re­nom­mier­te Kar­dio­lo­gen, Dia­be­to­lo­gen und ein Psy­cho­kar­dio­lo­ge über ak­tu­el­le Dia­gno­se- und Be­hand­lungs­mög­lich­kei­ten so­wie über die Vor­sor­ge. Al­le Rat­ge­ber mit wert­vol­len Tipps sind bei An­ga­be des Ti­tels kos­ten­frei er­hält­lich bei: Deut­sche Herz­stif­tung e.V., Bo­cken­hei­mer Land­str. 94-96, 60323 Frank­furt/M., Tel. 069 / 95 51 28 - 400, E-Mail-Adres­se: Die Rat­ge­ber und Herz­wo­chen-Ver­an­stal­tun­gen in Ih­rer Nä­he sind er­reich­bar un­ter:

Er­klä­rung: mg/dl und mmol/l sind die zwei Stan­dard- Maß­ein­hei­ten für Blut­zu­cker­wer­te.

tz- Herz-Pro­fes­sor Dr. Stef­fen Mass­berg be­stel­lung@herz­stif­tung.de. tung.de/herz­wo­chen.html tz- www.herz­s­tif- Schmerz­mit­tel vom Typ der nicht-ste­ro­ida­len An­ti­rheu­ma­ti­ka wie Ibu­pro­fen und Di­clofe­nac kön­nen bei lan­grfris­ti­ger Ein­nah­me zu ei­ner Gefahr für Herz und Nie­ren wer­den

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.