Ge­züch­tet, um zu lei­den

tz - - MENSCHEN -

Kurz­köp­fi­ge Ras­se­hun­de wie Mop­se und Fran­zö­si­sche Bull­dog­gen lei­den oft un­ter mas­si­ver Atem­not. In der Re­gel hilft nur ei­ne OP. Als Hek­tor be­reits rö­chel­te, so­bald er nur von der Sitz- in die Steh­po­si­ti­on wech­sel­te, war sei­nem Herr­chen klar: Die Fran­zö­si­sche Bull­dog­ge ge­hört in die Tier­kli­nik. „Als Wel­pe schien Hek­tor ge­sund, doch dann wur­den die Atem­be­schwer­den von Jahr zu Jahr schlim­mer“, er­zählt der Hun­de­be­sit­zer. Heute ist der fünf Jah­re al­te Rü­de auch schnell er­schöpft. „Zwei Mi­nu­ten Gas­si­ge­hen, und er braucht ei­ne Pau­se.“

Als kurz­köp­fi­ger Ras­se­hund ist Hek­tor prä­des­ti­niert für ei­ne Krank­heit, die sich bra­chy­ce­pha­les Atem­wegs­syn­drom nennt. Das Lei­den ist der Preis, den die Tie­re da­für zah­len müs­sen, dass sie auf ein mensch­li­ches Schön­heits­ide­al hin­ge­züch­tet wur­den: Die lan­ge Schnau­ze wur­de durch ex­tre­me Zucht­aus­le­se zum drol­li­gen Knautsch­ge­sicht mit Stups­na­se ge­staucht. Die Fol­ge: „Chro­nisch ver­eng­te Na­sen­lö­cher, ver­wach­se­ne Na­sen­mu­scheln, ein zu lan­ges Gau­men­se­gel und ein in­sta­bi­ler zu wei­cher Kehl­kopf stö­ren den Luft­strom in die Lun­gen“, er­klärt Dr. Klaus Zahn, Chef der Tier­kli­nik Is­ma­ning, wo auch Hek­tor be­han­delt wur­de. Denn der ver­kürz­te Schä­del, wie ihn auch Möp­se oder Pe­ki­ne­sen ha­ben, geht oft mit Miss­bil­dun­gen ein­her. Zu­dem sind wei­che Ge­we­be wie Gau­men und Zun­ge nicht in glei­chem Ma­ße mit­ge­schrumpft. „Die schnar­chi­gen Atem­ge­räu­sche sind al­so kein Zei­chen von Wohl­be­ha­gen, son­dern ein ernst zu neh­men­des Krank­heits­sym­ptom“, sagt der Ve­te­ri­när. Man­che Tie­re wer­den nachts so­gar vom ei­ge­nen Schnar­chen ge­weckt und sind tags­über ent­spre­chend ge­schwächt. Wo­bei nicht al­le kurz­köp­fi­gen Hun­de Be­schwer­den ha­ben.

Bei Hek­tor al­ler­dings war der kli­ni­sche Be­fund ty­pisch: Durch die Na­se konn­te die Bull­dog­ge gar nicht at­men. Die En­do­sko­pie zeig­te, dass Hek­tors viel zu lan­ges Gau­men­se­gel beim Ein­at­men – wie ein schwe­rer Vor­hang, der im of­fe­nen Fens­ter schwingt – im­mer wie­der in die Luft­röh­re um­schlug und sie ver­schloss. Die­ses Flat­tern er­zeug­te auch sein Rö­cheln. „In schwe­ren Fäl­len ist der Atem­wi­der­stand so hoch, dass die Tie­re To­des­angst ha­ben“, sagt Chir­urg Zahn. „Das Ge­fühl ist in et­wa so, als ob ein Mensch beim Jog­gen durch ei­nen Stroh­halm at­men müss­te.“Kein Wun­der, dass man­che Kurz­köp­fi­ge schon bei mi­ni­ma­ler kör­per­li­cher Be­las­tung kol­la­bie­ren. Bei ge­rings­ter Hit­ze ver­schärft sich die Atem­pro­ble­ma­tik wei­ter, weil der Hund, um sich ab­zu­küh­len, in ein schnel­les He­cheln über­geht. Da­bei nimmt die Strö­mungs­ge­schwin­dig­keit der Ei­na­tem­luft und mit ihr der Un­ter­druck im Kehl­gang enorm zu, und es kommt zum An­schwel­len der Schleim­häu­te. Ein Teu­fels­kreis, denn die Schwel­lung ver­engt die Luft­we­ge noch mehr. Man­che Tie­re wol­len sich da­her im Som­mer tags­über kaum mehr be­we­gen und dro­hen zu er­sti- cken. Letzt­end­lich kann nur ei­ne OP, bei der das Gau­men­se­gel ge­kürzt, die Na­sen­lö­cher ge­wei­tet und die Na­sen­mu­scheln ge­kappt wer­den, die Le­bens­qua­li­tät der be­trof­fe­nen Hun­de ver­bes­sern. Ei­ne Hei­lung gibt es nicht.

In der Tier­kli­nik sind chir­ur­gi­sche Kor­rek­tu­ren an den Eng­stel­len (lei­der) Rou­ti­ne. Et­wa 50 Pa­ti­en­ten mit bra­chy­ce­pha­lem Atem­wegs­syn­drom kom­men hier je­des Jahr un­ters Mes­ser. „Der Ein­griff an sich ist harm­los, wenn die Tie­re wäh­rend der Nar­ko­se in­tu­biert und lü­cken­los kon­trol­liert wer­den“, sagt Zahn. Zu Ri­si­ko­pa­ti­en­ten wer­den die Hun­de in der Auf­wach­pha­se, wenn sie vor Auf­re­gung stär­ker als nor­mal Luft ein­sau­gen. Da­durch kann der Ra­chen- und Kehl­kopf­be­reich, des­sen Ge­we­be durch die OP meist auf­ge­quol­len ist, wei­ter an­schwel­len. Da­her wer­den die Pa­ti­en­ten der Tier­kli­nik pos­tope­ra­tiv min­des­tens 24 St­un­den eng­ma­schig in­ten­siv­me­di­zi­nisch be­treut. „Bei schwe­ren Ver­laufs­for­men öff­nen wir für ei­ni­ge Ta­ge die Luft­röh­re, bis die Schwel­lung im Ra­chen ab­ge­klun­gen ist“, sagt Zahn. Bei Hek­tor war dies nicht nö­tig. Er konn­te be­reits kurz nach dem Ein­griff wie­der be­freit at

men.

Hek­tor wird in der Tier­kli­nik in Is­ma­ning auf die Ope­ra­ti­on vor­be­rei­tet, er litt un­ter Atem­not und Dau­e­r­er­schöp­fung Hek­tor ist ei­ne Fran­zö­si­sche Bull­dog­ge, die­se Hun­de ha­ben ei­ne sehr fla­che Schnau­ze

Da­mit Hek­tor wie­der be­freit at­men kann, wur­de sein Gau­men­se­gel ge­kappt und sei­ne Na­sen­lö­cher ge­wei­tet

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