Caroline Link darf strah­len

tz - - MENSCHEN - IN­TER­VIEW: MAT­THI­AS BIEBER

Herr Li­en­hard, Sie ha­ben in Ih­rer Kar­rie­re et­wa Frank Si­na­tra be­glei­tet. War der Sprung zu Udo Jür­gens nicht ein Sprung nach un­ten?

Pe­pe Li­en­hard: Wirk­lich nicht! Gut, am An­fang, als das An­ge­bot von Udos Ma­nage­ment kam, war Udo Jür­gens für mich noch ein Schla­ger­fuz­zi. Aber das hat sich sehr schnell ge­än­dert. Udo Jür­gens war nicht nur ein wun­der­ba­rer Freund, son­dern ein tol­ler Mu­si­ker. Wir ha­ben 37 Jah­re lang zu­sam­men­ge­ar­bei­tet, und ich be­wun­de­re et­li­ches an ihm. Ei­ni­ge Bei­spie­le? Li­en­hard: Udo konn­te wun­der­schö­ne, süf­fi­ge Me­lo­di­en schrei­ben. Sei­ne Mu­sik geht weit, weit über den Schla­ger hin­aus, auch text­lich. Dann hat er ei­ne ex­tre­me Per­for­mance ge­lie­fert, vol­ler Lei­den­schaft und In­ten­si­tät. Und, ganz wich­tig: Er hat­te stets Re­spekt vor sei­nem Pu­bli­kum. Udo war sehr de­mü­tig ge­gen­über sei­nem Er­folg. Wer glaubt schon, dass er mit 25 ei­nen Hit hat und mit 80 im­mer noch rie­si­ge Hal­len füllt? Bei Udo ka­men im­mer neue Fans hin­zu. Das wa­ren nie Rent­ner­kon­zer­te wie et­wa bei Ja­mes Last – die wa­ren auch schön –, son­dern im­mer neu.

Im­mer neu wa­ren ja auch die Tour­ne­en. Wie viel Vor­be­rei­tun­gen steck­ten da drin?

Li­en­hard: Wir ha­ben stets von vorn an­ge­fan­gen. Rund ein Jahr vor dem ge­plan­ten Tour­start sa­ßen wir ta­ge­lang zu­sam­men, ha­ben die Stü­cke dis­ku­tiert und die Ar­ran­ge­ments. Sei­ne gro­ßen Hits hat Udo ja als Med­ley ver­packt, weil er im­mer sei­ne neu­en Songs vor­stel­len woll­te. Still­stand gab es nicht, Udo war ex­trem pro­fes­sio­nell.

Stört es Sie nicht, als fa­bel­haf- ter Mu­si­ker mit tol­ler Band im­mer in der zwei­ten Rei­he ge­spielt zu ha­ben?

Li­en­hard: Das ist un­ser Job! Ich ha­be das nie als Ab­stieg emp­fun­den. Auch die Bands von Si­na­tra oder Quin­cy Jo­nes spiel­ten die zwei­te Gei­ge. Das ist selbst­ver­ständ­lich. Und für mich war es ein Glücks­fall, Udo ken­nen­ge­lernt zu ha­ben. Er war im deutsch­spra­chi­gen Raum der Größ­te, und oh­ne ihn hät­te ich die Band nie und nim­mer so lan­ge hal­ten kön­nen. Was hat Udo Jür­gens ei­gent­lich pri­vat ge­hört?

Li­en­hard: Viel Klas­sik, und beim Jazz ha­be ich ihn auf dem Lau­fen­den ge­hal­ten. Deut­schen Schla­ger hör­te er nicht.

Wen wün­schen Sie sich für Udo Jür­gens auf der Wol­ke?

Li­en­hard: Gil­bert Bé­caud, Charles Az­na­vour und Frank Si­na­tra. Gil­bert und Udo hat­ten ei­ne ge­sun­de Kon­kur­renz, sie wa­ren ähn­lich – aber sie hat­ten auch Spaß zu­sam­men. Mit Frank wür­de sich Udo wahr­schein­lich am bes­ten ver­ste­hen. Sie wür­den ent­spannt auf der Wol­ke ab­hän­gen,her­un­ter­schau­en und sich über Mu­sik und Frau­en un­ter­hal­ten.

Wer wür­de was trin­ken?

Li­en­hard: Udo ein gu­tes Glas Rot­wein – wie wir es am Abend vor sei­nem Tod noch ta­ten –, und Frank, ganz klar, ei­nen Whis­key. Swing li­ve mit ei­ner Hom­mage an Udo Jür­gens heißt es am kom­men­den Mon­tag im Deut­schen Thea­ter. Pe­pe Li­en­hard (un­ten, 2.v.l.), sei­ne be­rühm­te Big­band, Sän­ger und Entertainer be­gin­nen um 19 Uhr und prä­sen­tie­ren ne­ben Udo-Songs Swing-Klas­si­ker von u. a. Count Ba­sie, Glenn Mil­ler, Ben­ny Good­man oder Quin­cy Jo­nes.

Tel. 54 81 81 81.

Wie ha­ben Sie Frank Si­na­tra ei­gent­lich ken­nen­ge­lernt?

Li­en­hard: In Mon­te Car­lo, 1983. Frank hat­te sei­nen ei­ge­nen Di­ri­gen­ten da­bei, ich spiel­te Sa­xo­fon und war ent­spre­chend ner­vös. Am Don­ners­tag war die ers­te Pro­be an­ge­setzt, zwei Ta­ge spä­ter Kon­zert. Und wer sitzt beim ers­ten Ein­spie­len ein paar Me­ter ent­fernt? Frank Si­na­tra! Er hat sich al­les kri­tisch an­ge­hört, ein paar künst­le­risch kom­pe­ten­te Vor­schlä­ge ge­macht – und ich dach­te mir das, was ich im­mer wie­der fest­stel­le: Die wirk­lich Gro­ßen ma­chen kein Ge­we­se um sich. Sie neh­men ih­ren Job und ih­re Kol­le­gen ernst.

Wann war Ih­nen ei­gent­lich klar, dass Sie Big­band-Lei­ter wer­den wol­len?

Li­en­hard: Sehr schnell. Auf dem Pau­sen­hof ha­be ich an­ge­schafft, wer was zu ho­len hat. Das Füh­ren wur­de mir in die Wie­ge ge­legt. Mit neun hat­te ich die ers­te Kin­der­band, mit elf be­kam ich ein Sa­xo­fon, mit zwölf ha­be ich ei­ne Di­xie­band ge­grün­det. Mit 15 kam dann mein Schlüs­sel­er­leb­nis. Das da wä­re? Li­en­hard: Ein Kon­zert von Quin­cy Jo­nes. Frech wie ich war, be­sorg­te ich mir hin­ter der Büh­ne gleich noch ein Au­to­gramm. Mit 17 hat­te ich dann mei­ne ers­te Ama­teurBig­band.

Als Big­band-Boss braucht man ja ei­ne ge­wis­se ele­gan­te Läs­sig­keit – als ob das al­les selbst­ver­ständ­lich wä­re …

Li­en­hard: Wie beim klas­si­schen Di­ri­gen­ten läuft fast al­les in den Pro­ben ab. Ein Un­ter­schied: Wenn der Beat erst ein­mal läuft, dann schnurrt er durch. Bei Rhyth­mus­wech­seln ge­be ich na­tür­lich Ein­sät­ze vor, beim Ab­schlag am Schluss oder bei Ein­sät­zen oder Syn­ko­pen. Die wür­den die Trom­pe­ten auch oh­ne mich ma­chen, aber ers­tens sieht’s gut aus, und zwei­tens ist das auch ein Re­spekt ge­gen­über den Mu­si­kern. Vie­le gro­ße Klas­sik-Di­ri­gen­ten lei­ten sehr öko­no­misch, weil das Orches­ter ge­nau weiß, was es zu tun hat. Ich emp­fin­de et­wai­ge Pult-Ru­de­rer ge­ra­de­zu als lä­cher­lich. Die so tun, als wür­de die Welt zu­sam­men­fal­len, wenn sie nicht ei­nen weit aus­la­den­den Ein­satz ge­ben. Caroline Link hat am Mon­tag von OB Die­ter Rei­ter den Münch­ner Film­preis er­hal­ten. Er ist mit 10 000 Eu­ro do­tiert. Die 52-jäh­ri­ge Os­car­Ge­win­ne­rin ( Jen­seits von Afri­ka) ma­che Fil­me, die „mit Herz und in­tel­li­gen­ten Ge­schich­ten die Zu­schau­er be­rüh­ren – nicht ab­ge­ho­ben, son­dern di­rekt nach­voll­zieh­bar“, so die Ju­ry. Die Aus­zeich­nung wird al­le drei Jah­re an Film­schaf­fen­de ver­ge­ben, die mit Mün­chen in Ver­bin­dung ste­hen. Link stu­dier­te an der Münch­ner Film­hoch­schu­le.

Li­en­hard über Jür­gens’ Mu­sik­ge­schmack Li­en­hard über Frank Si­na­tra & Co. Li­en­hards Vor­ur­teil über Udo Jür­gens

Fo­tos: ddp. Pu­b­lic Ad

tz Big­band-Boss Pe­pe Li­en­hard (70) ar­bei­te­te 37 Jah­re lang mit Udo Jür­gens (l.) zu­sam­men

F: Kurt Mei­er/fkn

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