Hier ge­ben Ex­per­ten Ant­wor­ten

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Wel­chen Ein­fluss hat der Su­per­mond auf die Ge­zei­ten? „Bei Voll- und Ne­u­mond gibt es das, was der Volks­mund ei­ne Spring­flut nennt“, er­klärt Ul­rich Köh­ler, Pla­ne­ten­geo­lo­ge beim Deut­schen Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR). „Welt­weit steigt der Was­ser­pe­gel im Durch­schnitt um 0,75 Me­ter an, an den Küs­ten spe­zi­ell des At­lan­tiks, al­so auch der Nord­see, ist es deut­lich mehr.“Für 50 Zen­ti­me­ter ist da­bei der Mond ver­ant­wort­lich, 25 Zen­ti­me­ter ge­hen auf das Kon­to der An­zie­hungs­kraft der Son­ne. Bei ei­nem Su­per­mond ist die Flut mess­bar noch ein klein we­nig hö­her. Vor den Küs­ten Schott­lands und der Nor­man­die nutzt man das Wis­sen über die Be­we­gung der Was­ser­mas­sen be­reits für den Be­trieb so­ge­nann­ter Ge­zei­ten­kraft­wer­ke. In­ter­es­sant: Die Gra­vi­ta­ti­on des Mon­des könn­te auch Ein- fluss auf die Erd­tek­to­nik ha­ben. „Es wir­ken grö­ße­re Kräf­te und Span­nun­gen“, so Köh­ler, „aber bis­her hat sich das wis­sen­schaft­lich noch nicht be­stä­tigt.“Ob die­se al­so tat­säch­lich Be­ben und an­de­re Ka­ta­stro­phen aus­lö­sen kön­nen, muss noch er­forscht wer­den. ■ Gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang zwi­schen Voll­mond und Schlaf­lo­sig­keit? „Vie­le Men­schen be­kla­gen, sie könn­ten bei Voll­mond schlech­ter schla­fen“, er­klärt Dr. Han­sGün­ter Weeß von der Deut­schen Ge­sell­schaft für Schlaf­for­schung und Schlaf­me­di­zin. ■ Ist das auch wis­sen­schaft­lich be­legt? Welt­weit, so Weeß, ge­be es drei Stu­di­en, die den Ein­fluss des Mon­des auf das Schlaf­ver­hal­ten ana­ly­sie­ren: „Und da steht es zwei zu eins für den Mond.“Al­ler­dings be­le­gen die­se Stu­di­en nicht das Aus­maß von Schlaf­stö­run­gen, wie sie vie­le Men­schen emp­fin­den. „Im Durch­schnitt brau­chen die Be­trof­fe­nen nur we­ni­ge Mi­nu­ten län­ger zum Ein­schla­fen. Auf die ge­sam­te Schla­f­län­ge be­zo­gen, wa­ren es et­wa 20 Mi­nu­ten we­ni­ger Schlaf.“■ Wo­her stammt dann das Phä­no­men der Voll­mond­schlaf­lo­sig­keit, un­ter dem vie­le lei­den? „Der Ein­zel­ne wird schon vor­her un­ru­hig, wenn er weiß, dass es Voll­mond gibt“, er­klärt Dr. Weeß. Aus Un­ru­he wird dann schnell An­span­nung, und das „ist der Feind des Schla­fes“. „Wenn ich er­war­te, dass ich schlecht schla­fe, dann in­ter­pre­tie­re ich das im Nach­hin­ein auch so“, er­klärt die Psy­cho­lo­gin Andrea Fi­scher.

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Voll­mond ■ und Psy­che – gibt s wei­te­ree Zu­sam­men­hän­ge? „Psy­cho­lo­gisch hat der Voll­mond die Be­deu­tung, dass er – auch mit Blick auf un­se­re Vor­fah­ren – ein be­ein­dru­cken­des Er­leb­nis ist“, sagt Fi­scher. Ei­ne Voll­mond­nacht ist sehr hell und ha­be von je­her als et­was Be­son­de­res ge­gol­ten. Dem wur­de schließ­lich ei­ne Be­deu­tung an­ge­dich­tet, „denn wenn ich sonst nur im Ta­ges­licht le­be und plötz­lich ei­ne fast tag­hel­le Nacht ha­be, dann ist das ja et­was Be­son­de­res“.

Wie re­agiert die Tier­welt? s gibt min­des­tens ge­nau­so vie­le Stu­di­en, die ei­nen Ein­fluss des Voll­mon­des auf tie­ri­sches Ver­hal­ten be­le­gen, wie ihn wi­der­le­gen. So sol­len Wöl­fe bei Voll­mond öf­ter heu­len, Hun­de öf­ter die Zäh­ne flet­schen und bei­ßen – oder eben auch nicht. Ein­deu­tig ist da­ge­gen, dass ei­ni­ge In­sek­ten­ar­ten ihr Flug­ver­hal­ten am Mond ori­en­tie­ren. Und Tier­chen im Wat­ten­meer die Paa­rung am Rhyth­mus von Hoch- und Nied­rig­was­ser aus­rich­ten. Das wie­der­um hängt eben mit den Mond­pha­sen zu­sam- ■ men. Ein Bei­spiel da­für ist die zwei Mil­li­me­ter gro­ßen Cl­unio­mü­cke: Die Eiab­la­ge er­folgt aus­schließ­lich bei ex­tre­mem Nied­rig­was­ser. Auch in der Pflan­zen­welt ist der Voll­mond spür­bar: So schwel­len ei­ni­ge Baum­stäm­me mess­bar an. Schuld ist das Was­ser, dass auf die ver­än­der­ten Gra­vi­ta­ti­ons­kräf­te re­agiert. ■ Das rät die Mond­ken­ne­rin: Andrea Lut­zen­ber­ger lebt seit 30 Jah­ren nach dem Mond und ist Ver­fas­se­rin von Mond­ka­len­dern und Bü­chern ( www.lut­zis-mond­ka­len­der.de). Sie sagt: „Der Su­per­mond ist op­tisch si­cher ein­drucks­voll, aber sonst ein Voll­mond wie vie­le an­de­re auch. Er be­fin­det sich im Zei­chen Stier, was für Ver­wur­ze­lung, Tra­di­ti­on und Fa­mi­lie steht “Sie rät: „Ab Sams­tag und noch et­wa bis Di­ens­tag soll­ten Sie wich­ti­ge Ge­schäfts­ab­schlüs­se mei­den – et­wa Haus­käu­fe oder Erb­schaf­ten nicht un­ter­schrei­ben. Pl­an­ba­re Ope­ra­tio­nen bes­ser ver­schie­ben.“Statt­des­sen soll­ten Sie Ih­rer See­le et­was gön­nen: „Ein we­nig Well­ness, ein Heil­bad zum Bei­spiel.“Und fürs Kräu­ter sam­meln wä­re nun ei­ne gu­te Zeit: „Jetzt sind die meis­ten äthe­ri­schen Öle in der Pflan­ze.“

Fo­tos: Get­ty, dpa, Heinz Geb­hardt

tz Ul­rich Köh­ler vom DLR, Psy­cho­lo­gin Andrea Fi­scher und Dr. Hans Gün­ter Weeß

Bei Voll­mond schläft man­cher schlech­ter. Zu­dem be­ein­flusst er die Ge­zei­ten­stär­ke

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