Viel Frust, we­nig Freu­de

Glück­wün­sche und Mah­nun­gen für den künf­ti­gen US-Prä­si­den­ten

tz - - TRUMP – NEUER US-PRÄSIDENT -

Es ge­hört zu den di­plo­ma­ti­schen Pflich­ten von Staats- und Re­gie­rungs­chefs, den Wahl­sie­gern in an­de­ren Län­dern zu gra­tu­lie­ren. Das ta­ten ges­tern auch deut­sche, eu­ro­päi­sche und in­ter­na­tio­na­le Re­prä­sen­tan­ten. So gut wie al­le wa­ren vom Aus­gang der US-Wahl über­rascht, vie­le ne­ga­tiv. Frie­dens­stif­tend tat sich da der Va­ti­kan her­vor. Kar­di­nal­staats­se­kre­tär Pie­tro Pa­ro­lin gra­tu­lier­te Do­nald Trump über Ra­dio Va­ti­kan. Man wer­de ihn und sei­ne Re­gie­rung ins Ge­bet ein­schlie­ßen, da­mit „Gott ihn er­leuch­te“und ihn beim Di­enst für das Volk, aber auch für den Welt­frie­den un­ter­stüt­ze. „Heu­te müs­sen al­le zu­sam­men­ar­bei­ten, um die La­ge der Welt, die ei­ne der Zer­ris­sen­heit und des tie­fen Kon­flikts ist, zu über­win­den.“

So re­agier­te Ba­rack Oba­ma Amts­in­ha­ber Ba­rack Oba­ma gra­tu­lier­te sei­nem Nach­fol­ger Trump und kün­dig­te an, ei­ne fried­li­che und ge­ord­ne­te Macht­über­ga­be ga­ran­tie­ren zu wol­len. „Ein fried­li­cher Über­gang der Macht ist ei­nes der we­sent­li­chen Kenn­zei­chen der De­mo­kra­tie“, sag­te Oba­ma vor dem Wei­ßen Haus, wo er sich heu­te mit Trump tref­fen will. „Wir (Anm.: die De­mo­kra­ten) le­cken un­se­re Wun­den und ge­hen zu­rück in die Are­na.“

Re­ak­tio­nen aus Deutsch­land Ne­ben Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (sie­he rechts) sand­te auch Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck Glück­wün­sche. Er sei zu­ver­sicht­lich, dass der neue US-Prä­si­dent die Tra­di­ti­on der trans­at­lan­ti­schen Zu­sam­men­ar­beit fort­setzt. „Je­doch ge­be es neue Her­aus­for­de­run­gen: „Ich ge­he da­von aus, dass Eu­ro­pa zur Be­wah­rung und zur Ver­tei­di­gung sei­ner uni­ver­sel­len Wer­te doch mehr Ver­ant­wor­tung über­neh­men wird. Und des­halb sind die kom­men­den Jah­re für uns ei­ne Be­wäh­rungs­pro­be.“

Au­ßen­mi­nis­ter Frank-Wal­ter St­ein­mei­er (SPD) hofft, dass es „nicht zu grö­ße­ren Ver­wer­fun­gen in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik“kom­me. Das Wah­l­er­geb­nis in den USA sei an­ders, als es sich die meis­ten in Deutsch­land ge­wünscht hät­ten, sag­te er. „Aber wir ha­ben das Er­geb­nis zu ak­zep­tie­ren und ak­zep­tie­ren es.“Die US-ame­ri­ka­ni­sche Au­ßen­po­li­tik wer­de in Zu­kunft we­ni­ger vor- her­seh­bar sein; Ame­ri­ka wer­de da­zu nei­gen, häu­fi­ger al­lein zu ent­schei­den. „Nichts wird ein­fa­cher, vie­les wird schwie­ri­ger.“

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) zeig­te sich in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on er­schüt­tert vom Er­folg Trumps. „Das war schon ein schwe­rer Schock“, sag­te sie in der ARD- Ta­ges­schau auf die Fra­ge, mit wel­chem Ge­fühl sie nach der US-Wahl­nacht auf­ge­wacht sei. Aber: „Es ist ei­ne de­mo­kra­ti­sche, freie Wahl. Und wir müs­sen uns jetzt mit den Rea­li­tä­ten aus­ein­an­der­set­zen.“Ber­lin schreibt das Frei­han­dels­ab­kom­men der EU mit den USA nach dem Sieg Trumps, der ein TTIP-Gegg­ner ist, noch nicht ab. Die Plä­ne für den Be­such des am­tie­ren­den Prä­si­den­ten Ba­rack Oba­ma in der kom­men­den Wo­che in Ber­lin ste­hen nach wie vor.

Re­ak­tio­nen aus Eu­ro­pa „Herrn Trump ist es ge­lun­gen, Ban­ner­trä­ger der Furcht und der Ängs­te von Mil­lio­nen Ame­ri­ka­nern zu wer­den. Die­sen Sor­gen muss jetzt mit glaub­wür­di­ger Po­li­tik und Vor­schlä­gen Rech­nung ge­tra­gen wer­den“, sag­te EU-Par­la­ments­prä­si­dent Mar­tin Schulz.

Der fran­zö­si­sche Staats­prä­si­dent François Hol­lan­de ahnt Übles: „Die­se ame­ri­ka­ni­sche Wahl er­öff­net ei­ne Pe­ri­ode der Un­si­cher­heit“, sag­te der So­zia­list. Er wer­de die Ge­sprä­che mit der neu­en US-Re­gie­rung mit „Wach­sam­keit und Of­fen­heit“auf­neh­men, sag­te Hol­lan­de, der sich für Hil­la­ry Cl­in­ton aus­ge­spro­chen hat­te. Die neue po­li­ti­sche La­ge er­for­de­re ein star­kes Frank­reich und ein ge­ein­tes Eu­ro­pa, so der Staats­chef.

Wirk­lich ge­freut ha­ben sich über Trumps Sieg Un­garns Re­gie­rungs­chef Vik­tor Or­bán, der von Her­zen kom­men­de Glück­wün­sche sand­te, und der pol­ni­sche Prä­si­dent An­drzej Du­da. Auch die Rechts­po­pu­lis­ten in Ös­ter­reich sind be­geis­tert. Der Chef der rech­ten FPÖ, Heinz-Chris­ti­an Stra­che, sieht auch „Main­stream­Me­di­en“, die seit Wo­chen Stim­mung ge­gen Trump ge­macht hät­ten, wie­der ein­mal vom Wäh­ler bla­miert. In Ös­ter­reich wird am 4. De­zem­ber ein neu­er Bun­des­prä­si­dent ge­wählt.

Russ­land, Chi­na, Is­ra­el Als ei­ner der ers­ten Staats­chefs welt­weit hat Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin dem US-Wahl­sie­ger Do­nald Trump gra­tu­liert. Er hof­fe, dass es ih­nen ge­mein­sam ge­lin­gen wer­de, die rus­sisch-ame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen aus der Kri­se zu ho­len, schrieb Pu­tin in ei­nem Te­le­gramm.

Chi­nas Prä­si­dent Xi Jin­ping bot Do­nald Trump be­glei­tend zu sei­ner Gra­tu­la­ti­on ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit an – in der Hoff­nung, die Be­zie­hun­gen zwi­schen Chi­na und den USA stär­ken zu kön­nen. Zu­vor hat­te Au­ßen­amts­spre­cher Lu Kang er­klärt, Pe­king freue sich dar­auf, ge­mein­sam mit der neu­en US-Re­gie­rung ei­ne ge­sun­de Ent­wick­lung der bi­la­te­ra­len Be­zie­hun­gen zum Wohl bei­der Völ­ker und der Welt si­cher­zu­stel­len.

Is­ra­els Re­gie­rungs­chef Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu hat Trump zu sei­nem Sieg be­glück­wünscht. Der Re­pu­bli­ka­ner sei „ein wah­rer Freund des Staa­tes Is­ra­el“, er­klär­te Ne­tan­ja­hu. Er freue sich auf die Zu­sam­men­ar­beit mit Do­nald Trump, „um Si­cher­heit, Sta­bi­li­tät und Frie­den in un­se­rer Re­gi­on“vor­an­zu­trei­ben. Die Pa­läs­ti­nen­ser for­dern hin­ge­gen Un­ter­stüt­zung für ei­ne Zwei-Staa­ten-Lö­sung ein.

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