US-Wahl-Splitter

tz - - TRUMP – NEUER US-PRÄSIDENT - SAS

Die Oba­mas gal­ten vie­len als das cools­te Prä­si­den­ten­paar seit John F. und Ja­ckie Ken­ne­dy. Ab­seits der Po­li­tik präg­ten Ele­ganz und Stil ih­re Ära im Wei­ßen Haus. Jetzt hal­ten die Trumps Ein­zug. Die tz er­klärt die neue First Fa­mi­ly:

Do­nald Trump prä­sen­tier­te sich in der Wahl­nacht stolz im Krei­se sei­ner Fa­mi­lie. Im Wahl­kampf hat­ten sei­ne Lie­ben kräf­tig die Wer­be­trom­mel für den 70-Jäh­ri­gen ge­rührt. Der No­mi­nie­rungs­par­tei­tag der Re­pu­bli­ka­ner in Cleve­land wur­de maß­geb­lich von Trumps Fa­mi­lie mit­ge­stal­tet – teils vor pro­test­lee­ren Rän­gen.

Bar­ron Trump ist der jüngs­te Sohn von Do­nald und das ein­zi­ge Kind mit Ehe­frau Me­la­nia. Der Zehn­jäh­ri­ge geht bis­her in New York zur Schu­le und zeigt bes­te An­la­gen, um in die Fuß­stap­fen sei­nes Va­ters zu tre­ten: Bar­ron trägt trotz sei­nes ju­gend­li­chen Al­ters vor­wie­gend An­zü­ge und Kra­wat­ten.

Me­la­nia – Trumps drit­te Ehe­frau – hat­te sich im Wahl­kampf mit ei­ner flam­men­den Lob­re­de für ih­ren Mann ins Zeug ge­legt. Al­ler­dings stell­ten sich die wohl­for­mu­lier­ten Wor­te als Pla­gi­at her­aus. Aus­ge­rech­net von der am­tie­ren­den First La­dy Mi­chel­le Oba­ma wa­ren gan­ze Pas­sa­gen ab­ge­kup­fert. Nach die­ser Bla­ma­ge sah man die 46-Jäh­ri­ge nur ge­le­gent­lich auf der Po­lit­büh­ne. Gut er­zo­gen, re­ser­viert – so war die Toch­ter ei­nes Au­to­händ­lers schon als Kind, wie ehe­ma­li­ge Klas­sen­ka­me­ra­din­nen in Sev­ni­ca (heu­te Slo­we­ni­en) dem Sen­der CNN sag­ten. Ge­bo­ren wur­de sie am 26. April 1970 als Me­la­ni­ja Knavs, wor­aus spä­ter Me­la­nia Kn­auss wur­de. Ein Fo­to­graf ent­deck­te sie im Al­ter von 16 oder 17 Jah­ren als Mo­del. Man­ches in ih­ren bio­gra­fi­schen An­ga­ben ist un­scharf oder so­gar wi­der­sprüch­lich. So ge­riet sie u.a. un­ter Be­schuss, weil sie auf ih­rer Web­site ein Di­plom in De­sign und Ar­chi­tek­tur der Uni­ver­si­tät von Ljublja­na vor­wies. In Wahr­heit soll sie das Stu­di­um zu­guns­ten ih­rer Mo­del­l­auf­bahn ab­ge­bro­chen ha­ben. Die Kar­rie­re führ­te die 1,80 Me­ter gro­ße Schön­heit über Mai­land und Pa­ris nach New York, wo sie En­de der 90er-Jah­re Do­nald Trump ken­nen­lern­te.

Die rau­schen­de Hoch­zeit mit dem 24 Jah­re äl­te­ren Im­mo­bi­li­en-Mo­gul fand 2005 statt – die Braut trug ein 100 000-Dol­larK­leid von Di­or. Sohn Bar­ron kam ein Jahr spä­ter zur Welt. Me­la­nia Trump ist für ih­ren lu­xu­riö­sen Le­bens­stil be­kannt. In New York lebt sie in ei­nem 100-Mio.-Dol­lar-Pent­house. Es heißt, das traute Heim sei Schloss Ver­sailles nach­emp­fun­den: Mar­mor, De­cken­ge­mäl­de, Gold. Bö­se Zun­gen be­haup­ten, dass der Ein­zug ins Wei­ße Haus ei­ni­ge Ein­schrän­kun­gen mit sich brin­gen wer­de. Be­ruf­lich hat sich Me­la­nia bis­her Voll­zeit um Spröss­ling Bar­ron ge­küm­mert – oh­ne Kin­der­mäd­chen, wie es hieß. Sie sei ei­ne „wun­der­ba­re Mut­ter“, schwärm­te Do­nald Trump im Wahl­kampf. Me­la­nia soll fünf Spra­chen be­herr­schen, dar­un­ter auch Deutsch. Eng­lisch spricht sie mit ei­nem star­ken Ak­zent. Zu ih­rer et­wai­gen Rol­le im Wei­ßen Haus sag­te sie vor der Wahl: „Ich wer­de ei­ne An­wäl­tin von Frau­en und Kin­dern sein.“Un­ter an­de­rem wol­le sie ge­gen On­line-Mob­bing kämp­fen. Ins­ge­samt be­klag­te sie, „dass un­se­re Kul­tur zu rau und ge­mein ge­wor­den ist“– merk­wür­dig an­mu­ten­de Wor­te aus dem Mund ei­ner Frau, de­ren Mann im Wahl­kampf gan­ze Be­völ­ke­rungs­grup­pen be­lei­digt hat.

Ja­red Kush­ner ist Trumps Schwie­ger­sohn. Der 35-jäh­ri­ge Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mer und Zei­tungs­ver­le­ger ist mit Ivan­ka Trump ver­hei­ra­tet. Kush­ner stammt aus ei­ner be­kann­ten jü­di­schen Fa­mi­lie, die jahr­zehn­te­lang an De­mo­kra­ten spen­de­te. Im Wahl­kampf en­ga­gier­te er sich für Trump, poch­te zu­gleich auf ei­ne un­miss­ver­ständ­li­che Pro-Is­ra­el-Re­de sei­nes Schwie­ger­va­ters. Kush­ner hat drei Kin­der mit Ivan­ka Trump.

Die 35-Jäh­ri­ge ist Trumps ein­zi­ge Toch­ter aus sei­ner ers­ten Ehe (1977—1992) mit Iva­na Trump – und sein er­klär­ter Lieb­ling. Ih­re Brü­der Do­nald Jr. und Eric ver­pass­ten ihr den Spitz­na­men „Dad­dy’s litt­le girl“(Pa­pas klei­nes Mäd­chen), den sie bis heu­te wie ei­ne Aus­zeich­nung trägt. Die stu­dier­te Wirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin fun- giert als Vi­ze-Prä­si­den­tin des Trump-Im­pe­ri­ums. Da­ne­ben ist die blon­de Schön­heit im Mo­de­ge­schäft er­folg­reich. Ivan­ka gilt als ei­ne der wich­tigs­ten Be­ra­te­rin­nen ih­res Va­ters. Trumps Fas­zi­na­ti­on für sein „litt­le girl“nahm mit­un­ter bi­zar­re Zü­ge an: So schwärm­te er 2006 in ei­nem In­ter­view, „ich wür­de sie wahr­schein­lich als Freun­din neh­men, wenn sie nicht mei­ne Toch­ter wä­re“. Was Ivan­ka in der Fa­mi­lie ein­zig­ar­tig macht? Ei­ne ih­rer bes­ten Freun­din­nen ist Chel­sea Cl­in­ton.

Tif­fa­ny Trump (22) ist das ein­zi­ge Kind aus Do­nald Trumps zwei­ter Ehe (1993-1999) mit der Schau­spie­le­rin Mar­la Ma­p­les. Sie mach­te in die­sem Jahr ih­ren Ab­schluss an der Uni­ver­si­tät von Penn­syl­va­nia und ver­sucht sich der­zeit als Mo­del und Sän­ge­rin. Zu ih­ren Halb­ge­schwis­tern hat sie schon auf­grund der räum­li­chen Tren­nung nicht all­zu viel Kon­takt – Tif­fa­ny wuchs bei ih­rer Mut­ter in Ka­li­for­ni­en auf. Im Wahl­kampf trat sie häu­fig mit der Fa­mi­lie auf.

Va­nes­sa Trump (geb. Hay­don) ist Trumps Schwie­ger­toch­ter. Das 38-jäh­ri­ge Ex-Mo­del ist seit 2005 mit Do­nald Trump jr. ver­hei­ra­tet. Das Paar hat fünf Kin­der. Die äl­tes­te Toch­ter Kai Ma­di­son Trump ist

Trumps Tri­umph ist auch ei­ne Ohr­fei­ge für Mei­nungs­for­scher. Von 17 US-In­sti­tu­ten sah nach den letz­ten Um­fra­gen vor der Wahl nur ein ein­zi­ges den Sieg des Re­pu­bli­ka­ners vor­aus. Die New York Ti­mes räum­te Cl­in­ton am Di­ens­tag­früh 85 Pro­zent Sie­ges­wahr­schein­lich­keit ein, die Huf­fing­ton Post 98,3 und ein Wahl­kon­sor­ti­um der Prin­ce­ton Uni­ver­si­tät gar 99 Pro­zent. Die Mei­nungs­for­scher be­ob­ach­te­ten Aus­zäh­lungs­re­sul­ta­te von Ost nach West mit wach­sen­dem Ent­set­zen. Im­mer wahr­schein­li­cher wur­de das, was Al­lan Licht­man, Pro­fes­sor für Po­li­ti­sche Ge­schich­te im Sep­tem­ber pro­phe­zeit hat­te: Licht­man hat sich seit 1984 nie ge­irrt. Er ver­lässt sich nicht auf Um­fra­gen, son­dern be­ant­wor­tet 13 Schlüs­sel­fra­gen, zu­meist zu der ge­gen­wär­ti­gen Re­gie­rung.

War­um aber la­gen bei den Um­fra­gen auch re­nom­mier­te De­mo­sko­pen mehr oder we­ni­ger krass da­ne­ben?

Die Min­dest­teil­neh­mer­zahl für re­prä­sen­ta­ti­ve Um­fra­gen, et­was über 1000 – ist kei­ne Ga­ran­tie für ei­ne treff­si­che­re Pro­gno­se. Es wer­den ei­ni­ge neun Jah­re alt. Am Wahl­abend durf­te sie ih­ren Opa als ein­zi­ges der ins­ge­samt acht En­kel­kin­der auf der Büh­ne fei­ern.

Do­nald Trump jr. pfleg­te nicht im­mer das bes­te Ver­hält­nis zu sei­nem Va­ter. Der 38-Jäh­ri­ge konn­te sei­nem Dad die Schei­dung von Mut­ter Iva­na lan­ge nicht ver­zei­hen und stieg zu­nächst nicht ins Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men ein. Mitt­ler­wei­le ist der Krach Schnee von ges­tern – und Do­nald jr. Vi­ze­prä­si­dent im Trump-Im­pe­ri­um.

Eric Trump ar­bei­tet eben­falls für sei­nen Va­ter. Un­ter an­de­rem ma­nagt der 32-Jäh­ri­ge welt­weit die Trump-Ho­tels und sam­melt mit ei­ner ei­ge­nen Wohl­tä­tig­keits­or­ga­ni­sa­ti­on Mil­lio­nen für un­heil­bar kran­ke Kin­der. Pein­li­cher Fett­napf im Wahl­kampf: Eric ver­glich die Fol­ter­me­tho­de Wa­ter­boar­ding mit Auf­nah­me­ri­tua­len von Stu­den­ten­schaf­ten. Ver­hei­ra­tet ist er seit 2014 mit Lara Yu­nas­ka. Die 33-Jäh­ri­ge hat ei­nen Uni-Ab­schluss in Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten und Fran­zö­sisch und ar­bei­te­te als Fit­ness­trai­ne­rin und Jour­na­lis­tin. Das Paar hat kei­ne Kin­der. Fak­to­ren be­rück­sich­tigt, die auch Feh­ler­quel­len sein kön­nen. Wird ein knap­pes Er­geb­nis er­war­tet, rech­nen et­wa ei­ni­ge In­sti­tu­te Mei­nungs­um­fra­gen der vor­an­ge­gan­ge­nen Mo­na­te ein. Mit die­ser Me­tho­de sag­te z. B. das On­line-Um­fra­ge­insti­tut You­Gov im Ju­ni ei­ne Nie­der­la­ge der Br­ex­it-Be­für­wor­ter vor­aus. Das Er­geb­nis ist be­kannt.

Be­ob­ach­ter glau­ben, dass man es in den USA jetzt mit un­be­kann­ten Wäh­ler­grup­pen zu tun hat­te, über die man kei­ne Er­fah­rungs­wer­te hat. So wie sich der Kan­di­dat Trump an kei­ne Re­geln ge­hal­ten hat, so we­nig wa­ren sei­ne Wäh­ler ein­zu­schät­zen. Die Wahl­be­tei­li­gung der wei­ßen länd­li­chen Ge­bie­te wur­de un­ter­schätzt.

Noch zwei Mut­ma­ßun­gen: Ha­ben Trump-Wäh­ler in Um­fra­gen nicht wahr­heits­ge­mäß ge­ant­wor­tet? Im­mer­hin wur­de ihr Ma­ta­dor als Se­xist und Ras­sist be­zeich­net. Und: Viel­leicht ha­ben die sonst de­mo­kra­ti­schen Wäh­ler(in­nen) doch noch kei­ne Lust auf ei­ne Frau – oder die­se Frau – im Wei­ßen Haus.

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