Uni­ons­frie­de in der Sy­nago­ge

tz - - MÜNCHEN + REGION - RA­MO­NA WEI­SE

Zap­fig kalt war es, als Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU), OB Die­ter Rei­ter (SPD) und die Prä­si­den­tin der Is­rae­li­ti­schen Kul­tus­ge­mein­de (IKG) Char­lot­te Kno­bloch auf die An­kunft von An­ge­la Mer­kel war­te­ten. „Al­so, was hier los ist um die­se Zeit“, sag­te die Kanz­le­rin, als sie vor der Ohel-Ja­kob-Sy­nago­ge mit 15-mi­nü­ti­ger Ver­spä­tung aus ih­rem Wa­gen stieg.

Es liegt eben mit­ten im Her­zen der Stadt, das Jü­di­sche Zen­trum am St.-Ja­kobs-Platz, das ges­tern sei­nen 10. Ge­burts­tag fei­er­te – und die Über­ga­be der Ohel-Ja­ko­bMe­dail­le in Gold an Mer­kel — an ei­nem his­to­ri­schen Tag, dem der Reichs­po­gram­nacht. „Am 9. No­vem­ber 1938 stie- ßen die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten das Tor zu Au­schwitz auf“, sag­te IKG-Prä­si­den­tin Kno­bloch in ih­rer Re­de. Heu­te über­tref­fe das neue Zen­trum im­mer noch ih­re „kühns­ten Träu­me“. Aber Kno­bloch fand auch mah­nen­de Wor­te: In Zei­ten ei­ner brau­nen Re­nais­sance rief sie die Uni­on zur Ein­heit auf. Und spiel­te auf die Wahl Do­nald Trumps zum US-Prä­si­den­ten an: „Nicht zu­letzt nach den Er­eig­nis­sen von letz­ter Nacht.“Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer sag­te dar­auf­hin, Mer­kel und er sei­en sich bei Be­spre­chun­gen in den letz­ten Ta­gen räum­lich und in­halt­lich deut­lich nä­her ge­we­sen, „als Sie uns heu­te plat­ziert ha­ben“. See­ho­fer be­ton­te, dass Bay­ern heu­te so blü­he, sei zu ei­nem gro­ßen Teil den jü­di­schen Mit­bür­gern zu ver­dan­ken. Für Rechts­ra­di­ka­lis­mus und An­ti­se­mi­tis­mus ge­be es „kei­nen Mil­li­me­ter Platz“.

Als „Her­zens­an­ge­le­gen­heit“in der Mit­te der Stadt be­zeich­ne­te OB Die­ter Rei­ter die Sy­nago­ge. Ar­thur Schnei­er, Ober­ra­bi­ner in New York, hielt die Lau­da­tio auf An­ge­la Mer­kel. Die­se ste­he für Mä­ßi­gung und Aus­gleich in Zei­ten des Ex­tre­mis­mus. Mer­kel er­wi­der­te, die „freund­li­chen und auch auf­mun­tern­den Wor­te“, hät­ten sie „tief im Her­zen“be­rührt. Sie si­cher­te der jü­di­schen Ge­mein­schaft in Deutsch­land ih­re Un­ter­stüt­zung zu, auch die Flücht­lin­ge müss­ten die deut­sche Ge­schich­te ken­nen­ler­nen.

Fo­tos: Heininger

Dut­zen­de Men­schen be­ob­ach­te­ten das Ge­sche­hen

F.: rts, Peop­le Pic­tu­re

oben: Preis­trä­ge­rin An­ge­la Mer­kel und Rab­bi Ar­thur Schnei­er Char­lot­te Kno­bloch be­grüßt Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer

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