Gel­be Kar­te für Jens Leh­mann

tz - - BAYERN -

Ein­spruch lohnt sich manch­mal – im Fall des Ex-Na­tio­nal­tor­hü­ters Jens Leh­mann so­gar sehr. Das Amts­ge­richt Starn­berg hat ges­tern ei­nen Straf­be­fehl für ihn um 197 500 Eu­ro re­du­ziert. Zu­vor hat­te Leh­mann wort­karg den Sit­zungs­sal 125 als An­ge­klag­ter be­tre­ten. In schwar­zer Ho­se und grau­em Pul­li. Bei den Fra­gen zu sei­nen Per­so­na­li­en er­fah­ren die Zu­hö­rer, dass er mit vol­lem Na­men Jens Ger­hard Leh­mann heißt und dass er ei­nen Tag nach dem Pro­zess sei­nen 47. Ge­burts­tag fei­ert. Dann ver­liest die Staats­an­walt­schaft die An­kla­ge. Am 9. No­vem­ber 2014 soll Leh­mann ei­nen Au­to­fah­rer na­he sei­nem Wohn­ort am Starn­ber­ger See aus­ge­bremst ha­ben. An­schlie­ßend stieg er aus und pack­te den Kfz-Händ­ler (42) durchs ge­öff­ne­te Au­to­fens­ter hin- durch am Schal, so der Vor­wurf. We­gen Nö­ti­gung und ver­such­ter Kör­per­ver­let­zung im Stra­ßen­ver­kehr brumm­te die Staats­an­walt­schaft Leh­mann ei­nen Straf­be­fehl über 60 Ta­ges­sät­ze zu je 4000 Eu­ro auf – 240 000 Eu­ro. Doch der 46-Jäh­ri­ge leg­te Ein­spruch ein.

Rich­te­rin Chris­ti­ne Con­rad will wis­sen, wie der Her­gang des Streits am En­de der Au­to­bahn war. Doch Leh­mann kann sich an De­tails nicht mehr er­in­nern. Si­cher ist er sich je­doch, dass sein Kon­tra­hent ganz dicht an ihm vor­bei­ge­fah­ren sei. „Ich hat­te das Ge­fühl, dass er mich ram­men woll­te“, sagt der Ex-Fuß­ball­pro­fi. „Ich ha­be mich zu To­de er­schreckt.“Der Kf­zHänd­ler hält im Zeu­gen­stand da­ge­gen, dass Leh­mann ihn an der Au­to­bahn­aus­fahrt mit sei­nem Au­to zum An­hal­ten ge­zwun­gen ha­be. Dann sei Leh­mann aus­ge­stie­gen, „hat ir­gend­et­was ge

brüllt und mich am Hals ge­packt“. Erst als er auf die Hu­pe ge­drückt ha­be, „hat er los­ge­las­sen“.

Wäh­rend ei­ner Un­ter­bre­chung kommt es zu ei­ner Ver­stän­di­gung: Das Ver­fah­ren wird ein­ge­stellt, eben falls ein wei­te­res we­gen fal­scher Ver­däch­ti­gung. Üb­rig bleibt Bei­hil­fe zur Un­fall­flucht. Leh­mann war im ver­gan­ge­nen Herbst als Bei­fah­rer in der Münch­ner In­nen­stadt in ei­nen Auf­fahr­un­fall ver­wi­ckelt wor­den. Die Rich­te­rin folgt dem Vor­schlag der An­kla­ge­be­hör­de: Leh­mann zahlt 50 Ta­ges­sät­ze zu je 850 Eu­ro – 42 500 Eu­ro. Bei der ur­sprüng­li­chen Hö­he der Ta­ges­sät­ze à 4000 Eu­ro war die Staats­an­walt­schaft von ei­nem deut­lich hö­he­ren Mo­nats­ein­kom­men aus­ge­gan­gen. Als tat­säch­li­ches mo­nat­li­ches Net­to­ge­halt ga­ben Leh­manns An­wäl­te nun 25 000 Eu­ro an.

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