Scholl hat sei­nen Meis­ter ge­fun­den!

tz - - SPORT - MA­THI­AS MÜL­LER

Zu Be­ginn zieht es dem tzRe­por­ter die Schu­he aus. Das Ge­spräch mit Tae­kwon­doMeis­ter Flo­ri­an von Nauck­hoff und Meh­met Scholl fin­det im neu er­öff­ne­ten Do­jang, in der Hof­mann­stra­ße 54 in Ober­send­ling, statt und Schu­he sind in den Rä­um­lich­kei­ten nicht er­laubt. So weit, so gut. Aber was hat Scholl mit Tae­kwon­do zu schaf­fen? Ak­tiv nicht viel, über sei­ne Toch­ter ei­ne Men­ge. Seit ein paar Jah­ren be­treibt die Elf­jäh­ri­ge Nauck­hoffs selbst ent­wi­ckel­tes Kid­sKwonDo, ein kind­ge­rech­tes Trai­ning für Mäd­chen und Jun­gen von drei bis 14 Jah­ren, mit dem der Lehr­meis­ter vor ei­ni­gen Jah­ren in Grün­wald star­te­te. Mit­te Ok­to­ber hat Nauck­hoff ex­pan­diert: Sein neu­es Kon­zept be­steht aus mo­der­nen Trai­nings­räu­men, ei­ner Ta­ges­bar mit Lounge für die Zu­schau­er so­wie ei­ner Mit­tags­be­treu­ung in­klu­si­ve Es­sens- und Haus­auf­ga­ben­raum. „Die El­tern wis­sen, dass ih­re Kin­der bei Flo gut auf­ge­ho­ben sind, das ist Gold wert“, er­klärt Scholl, der zu­künf­tig ei­ne Pa­ten­schaft für zwei Kin­der über­nimmt und die­se fi­nan­zi­ell un­ter­stützt. Der Erst­kon­takt zwi­schen Nauck­hoff, der Scholl bis da­hin über­haupt nicht kann­te, und dem Ex-FCB-Pro­fi er­eig­ne­te sich, als die­ser sei­ne Toch­ter einst ab­ge­holt hat. „Da ha­be ich ge­merkt, war­um sie so ger­ne zu Flo geht. Er ist Leh­rer, Va­ter und Meis­ter für so vie­le ver­schie­de­nen Al­ters­klas­sen und führt ei­ne Grup­pe mit sei­ner be­son­de­ren Art und ganz oh­ne Stren­ge“, so Scholl.

Das Ge­heim­nis? „Ich neh­me sie, wie sie sind. Na­tür­lich dür­fen sie auch Kind sein, aber ih­ren Cha­rak­ter be­hand­le ich wie den ei­nes Er­wach­se­nen“, so Nauck­hoff, selbst Trä­ger des vier­ten Dan. Er will den Kin­dern nicht nur ei­ne Kampf­sport­art, son­dern ei­ne Le­bens­ein­stel­lung ver­mit­teln. Sei­ne Schü­ler sol­len wis­sen und füh­len, was rich­tig und was falsch ist, auch in der wei­ten Welt au­ßer­halb des Do­jang.

Das mag spi­ri­tu­ell klin­gen, ge­schenkt be­kommt man aber auch beim Tae­kwon­do nichts. Den Kampf, die olym­pi­sche Form des Tae­kwon­do, lehrt Nauck­hoff nicht, aber auch die Gür­tel-Prü­fun­gen kön­nen zu Hür­den wer­den. „Ich ori­en­tie­re mich an der Ein­stel­lung, wenn je­mand nicht be­reit ist, sein Po­ten­zi­al aus­zu­schöp­fen, kann man schei­tern“, so Nauck­hoff. Für Scholl das rich­ti­ge Prin­zip: „In der Er­zie­hung der Kin­der läuft viel falsch, vie­le be­kom­men zu viel Druck, im­mer per­fekt zu sein. Mir hat es bei­spiels­wei­se gut­ge­tan, dass ich die elf­te Klas­se wie­der­holt ha­be. Man soll­te Kin­der auch schei­tern las­sen, das sind die Si­tua­tio­nen, in de­nen ich am meis­ten ge­lernt ha­be.“

Für Scholl war der Fuß­ball sei­ne Lei­den­schaft, sei­ne Frei­heit und sei­ne Lie­be. Er muss aber zu­ge­ben: „In all den Jah­ren hat­te ich viel­leicht zwei, drei Trai­ner, die so mit ei­ner Grup­pe um­ge­hen konn­ten wie Flo.“Wer sich über­zeu­gen will, muss nur ei­nes be­ach­ten: Nach dem Ein­tre­ten die Schu­he aus­zie­hen.

Nauck­hoff hat ein spe­zi­el­les Trai­ning für Kin­der ent­wi­ckelt

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