Wie ge­fähr­lich sind TrumPu­tin?

Russ­land-Ex­per­tin: Moskau kann Wes­ten nun als de­ka­dent dar­stel­len

tz - - TRUMP – NEUER US-PRÄSIDENT - IN­TER­VIEW: KLAUS RIM­PEL

Wla­di­mir Pu­tin hofft dar­auf, dass sich un­ter Do­nald Trump die Be­zie­hun­gen zwi­schen Wa­shing­ton und Moskau ver­bes­sern. Doch in EU-Staa­ten wie Po­len sieht man die­se mög­li­che Wie­der­an­nä­he­rung mit gro­ßer Sor­ge. Die tz sprach mit der Russ­land-Ex­per­tin Dr. Mar­ga­re­te Klein über die Fol­gen solch ei­ner Trump-Pu­tinSchie­ne für Eu­ro­pa.

Es gibt Vor­wür­fe, dass Russ­land ge­zielt auf den US-Wahl­kampf mit Ha­ckern Ein­fluss ge­nom­men hat. Ist Trump der Kan­di­dat, den Pu­tin woll­te, um den Wes­ten zu de­sta­bi­li­sie­ren?

Dr. Mar­ga­re­te Klein, Russ­lan­dEx­per­tin der Stif­tung Wis­sen­schaft und Po­li­tik: Die Wahl Trumps macht es Pu­tin leich­ter, das west­li­che po­li­ti­sche Sys­tem all­ge­mein als de­ka­dent, kri­sen­ge­plagt und eli­ten­ge­steu­ert zu prä­sen­tier­ten. Da­durch las­sen sich auch ei­ge­ne De­mo­kra­tie­de­fi­zi­te ge­gen­über der ei­ge­nen Be­völ­ke­rung ein­fa­cher re­la­ti­vie­ren, was an­ge­sichts der in Russ­land an­ste­hen­den

Prä­si­den­ten­wahl 2018 von Vor­teil für den Kreml ist. Zu­gleich kann Pu­tin die Un­be­re­chen­bar­keit Trumps in der in­ter­na­tio­na­len Po­li­tik nut­zen, um sich selbst als ra­tio­na­len und ver­läss­li­chen Ak­teur zu prä­sen­tie­ren.

Das rus­si­sche Fern­se­hen um­arm­te Do­nald Trump schon als „un­se­ren Ame­ri­ka­ner“. Wird die Hoff­nung in Moskau, dass der neue US-Prä­si­dent ei­ne russ­land­freund­li­che­re Po­li­tik ma­chen wird, auf­ge­hen?

Klein: Es ist zu er­war­ten, dass es ei­ne ers­te Pha­se der An­nä­he­rung ge­ben wird. Die grund­le­gen­den In­ter­es­sen­un­ter­schie­de sind aber schwer zu über­win­den. Zu­dem wird das Ver­hält­nis recht fra­gil sein, da es noch stär­ker als bis­her von der per­sön­li­chen Che­mie der bei­den Prä­si­den­ten ge­prägt sein wird. Und das kann zu ei­ner eben­so schnel­len Ab­küh­lung der rus­sisch-ame­ri­ka­ni­schen Be­zie­hun­gen bis hin zur schar­fen Kon­fron­ta­ti­on füh­ren.

Was wür­de ei­ne Schie­ne Trump-Pu­tin für Eu­ro­pa be­deu­ten?

Klein: Ge­ra­de die bal­ti­schen Staa­ten sor­gen sich, dass Trump be­reit sein könn­te, ei­ne rus­si­sche Ein­fluss­zo­ne im post­so­wje­ti­schen Raum an­zu­er­ken­nen und dass da­durch die Bünd­nis­ver­pflich­tung der Na­to ge­gen­über den bal­ti­schen Staa­ten auf­ge­weicht wür­de. Sie for­dern seit Lan­gem ein stär­ke­res mi­li­tä­ri­sches En­ga­ge­ment der Na­to im Os­ten, das mit Trump schwe­rer zu ver­wirk­li­chen oder mit viel hö­he­ren fi­nan­zi­el­len Kos­ten für die eu­ro­päi­schen Na­toMit­glie­der ver­bun­den wä­re.

Wenn die USA uns nicht mehr schüt­zen wol­len – was be­deu­tet das für die EU?

Klein: Die Eu­ro­pä­er soll­ten stär­ker bei der Ab­wehr nicht­mi­li­tä­ri­scher Si­cher­heits­be­dro­hun­gen zu­sam­men­ar­bei­ten, z.B. ge­gen Cy­ber-An­grif­fe, Des­in­for­ma­ti­ons- und Pro­pa­gan­da­kam­pa­gnen und den Ver­su­chen, eth­ni­sche Min­der­hei­ten zu mo­bi­li­sie­ren. Da­bei steht Russ­land nicht al­lein im Fo­kus. Ei­ne ge­mein­sa­me eu­ro­päi­sche Ver­tei­di­gungs­po­li­tik litt bis­her un­ter un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen und man­geln­den Fä­hig­kei­ten. Das zu über­win­den wird kei­ne leich­te oder schnell er­reich­ba­re Auf­ga­be sein.

Wird Trump die Sank­tio­nen ge­gen Russ­land lo­ckern?

Klein: Da­zu gibt es kei­ne kla­ren Aus­sa­gen Trumps. Hier hat je­doch auch der ame­ri­ka­ni­sche Se­nat ei­ne star­ke Po­si­ti­on und die dort über die Mehr­heit ver­fü­gen­den Re­pu­bli­ka­ner ha­ben sich in der Ver­gan­gen­heit stark für die Auf­recht­er­hal­tung der Sank­tio­nen aus­ge­spro­chen.

Was be­deu­tet Trumps Sieg für den Krieg in Sy­ri­en?

Klein: Auch das ist un­klar. Trump hat von der Mög­lich­keit ge­spro­chen, mit Russ­land ge­mein­sam den IS zu be­kämp­fen. Die ent­schei­den­de Fra­ge wird sein, ob Trump be­reit ist, Russ­lands In­ter­es­sen in Sy­ri­en zu re­spek­tie­ren, das heißt ei­ne Lö­sung, in der pro-rus­si­sche Kräf­te und das As­sad-Re­gime die Schlüs­sel­po­si­tio­nen in Wirt­schaft, Po­li­tik, Mi­li­tär- und Si­cher­heits­diens­ten in­ne­ha­ben.

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