Leich­tes Spiel für Po­pu­lis­ten

In un­se­ren De­mo­kra­ti­en füh­len sich im­mer mehr Men­schen von der Po­li­tik schlecht ver­tre­ten

tz - - TRUMP – NEUER US-PRÄSIDENT - M. KNIEPKAMP

Erst der Br­ex­it, jetzt Trumps Er­folg in den USA: Der Po­pu­lis­mus ist in den west­li­chen De­mo­kra­ti­en auf dem Vor­marsch – und im kom­men­den Jahr wird nicht nur in Deutsch­land ge­wählt, son­dern auch in Frank­reich und den Nie­der­lan­den. Und übe­r­all set­zen Rechts­po­pu­lis­ten die eta­blier­te Po­li­tik un­ter Druck. Die tz geht auf Spu­ren­su­che: ■ Was ist ei­gent­lich Po­pu­lis­mus? Die An­wort scheint ein­fach, ist aber doch kom­pli­zier­ter. Laut Du­den ist Po­pu­lis­mus ei­ne „von Op­por­tu­nis­mus ge­präg­te, volks­na­he, oft dem­ago­gi­sche Po­li­tik, die das Ziel hat, durch Dra­ma­ti­sie­rung der po­li­ti­schen La­ge die Gunst der Mas­sen (...) zu ge­win­nen“. So weit, so gut – doch ist der Po­pu­lis­mus auch ein po­li­ti­scher Kampf­be­griff. Au­ßer in der CSU gilt die Zu­schrei­bung Po­pu­lis­mus als schwe­rer Vor­wurf. Po­pu­lis­ten mo­bi­li­sie­ren vor al­lem bil­dungs­fer­ne, un­po­li­ti­sche Tei­le der Be­völ­ke­rung, in­dem sie et­wa der an­geb­lich kor­rup­ten Eli­te die mo­ra­li­sche Über­le­gen­heit des brei­ten Vol­kes ent­ge­gen­hal­ten.

Wie konn­te die­ses Ge­fühl ent- te­hen? Der Prin­ce­ton-Pro­fes­sor Jan-Wer­ner Müller er­klärt den Er­folg des Po­pu­lis­mus in der EU da­mit, dass „die Eu­ro­pä­er schon lan­ge in ei­nem stahl- har­ten Ge­häu­se ein­ge­schränk­ter De­mo­kra­tie le­ben“; da­zu kä­men „Er­fah­run­gen des Kon­troll­ver­lusts und des Aus­ge­lie­fert­seins“. Die­ses Ge­fühl füh­re zu dem dring­li­chen Wunsch, die­se „il­le­gi­ti­me Macht un­ter Kon­trol­le zu brin­gen“, schreibt er in ei­nem Es­say. Die­sen Wunsch be­die­nen Po­pu­lis­ten. Gleich­zei­tig spielt ih­nen ei­ne im­mer kom- pli­zier­te­re Welt in die Kar­ten, in der die po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen für den Ein­zel­nen oft nicht mehr nach­voll­zieh­bar sind. „Die Ent­schei­dungs­pro­zes­se sind abs­trakt ge­wor­den“, sagt der Mün­che­ner His­to­ri­ker Prof. Andre­as Wirsching. Dann ent­ste­he schnell der Vor­wurf, die Po­li­tik be­ste­he aus lau­ter Selbst­be­die­nern, „die in sich har­mo­nisch sind und sich nach au­ßen ab­schot­ten“, so Wirsching wei­ter. ■ War­um sind Po­pu­lis­ten mit ih­ren Po­si­tio­nen plötz­lich so er­folg­reich? Tat­säch­lich han­delt es sich um ein mo­der­nes Phä­no­men, ■ s das ty­pisch für die re­prä­sen­ta­ti­ve De­mo­kra­tie ist. Po­pu­lis­ten neh­men für sich in An­spruch, die Mei­nung „des Vol­kes“zu ver­tre­ten – und zwar ge­gen­über „de­nen da oben“. Da­mit sind Po­li­ti­ker, In­sti­tu­tio­nen und Me­di­en ge­meint. So wird ein kla­res Feind­bild auf­ge­baut. Gleich­zei­tig ver­ken­nen Po­pu­lis­ten, dass es kei­nen Volks­wil­len gibt, son­dern vie­le un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen in­ner­halb der plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaft. ■ Was kann die Po­li­tik ge­gen die­sen Trend tun? Der So­zio­lo­ge Prof. Ar­min Nas­sehi von der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Universität stellt klar, dass ein Groß­teil der An­hän­ger von Par­tei­en wie der AfD aus dem La­ger der Nicht­wäh­ler stam­men. „Das sind Men­schen, die bis­her schon nicht mit der Art und Wei­se, wie Po­li­tik der­zeit ge­macht wird, zu­frie­den wa­ren“. Die Leh­re für die Par­tei­en for­mu­liert Nas­sehi so: „Es kann nicht sein, dass Po­li­tik kei­ne Al­ter­na­ti­ven an­bie­tet.“Ein Bei­spiel da­für sei die Flücht­lings­kri­se, bei der es den Par­tei­en der Mit­te nicht ge­lun­gen sei, le­gi­ti­me Al­ter­na­ti­ven an­zu­bie­ten. De­ren Auf­ga­be sei es, die kom­pli­zier­ten Ent­wick­lun­gen zu über­set­zen und Al­ter­na­ti­ven an­zu­bie­ten, statt sich mit Sym­bol­po­li­tik um Ant­wor­ten zu drü­cken. Ei­nes sei laut Nas­sehi aber kei­ne Al­ter­na­ti­ve: „Durch Tot­schwei­gen las­sen sich die Pro­ble­me un­se­rer Zeit ge­nau­so­we­nig lö­sen wie durch das Nach­plap­pern ra­di­ka­ler Po­si­tio­nen.“

in den USA ge­bo­ren wur­de. Oba­ma be­zeich­ne­te Trump sei­ner­seits als „jäm­mer­lich un­vor­be­rei­tet“für das Prä­si­den­ten­amt. Al­ler­dings zeig­ten sich Trump und Oba­ma ver­söhn­lich und schlu­gen ei­nen deut­lich ge­mä­ßig­te­ren Ton an. Der schei­den­de USPrä­si­dent Ba­rack Oba­ma will nach ei­ge­nen Wor­ten al­les für ei­ne fried­li­che Über­ga­be der Macht an sei­nen Nach­fol­ger Do­nald Trump tun. An Trump ge­wandt sag­te er: „Wenn sie er folg­reich sind, ist das Land er folg­reich“. Aus ur­sprüng­lich ge­plan­ten 10 bis 15 Mi­nu­ten sei­en an­der thalb St­un­den ge­wor­den und es hät­te nach sei­nem Ge­schmack noch län­ger dau­ern kön­nen, sag­te Trump. „Es war mir ei­ne gro­ße Eh­re.“

Hat Chan­cen, 2017 Frank­reichs Prä­si­den­tin zu wer­den: Ma­ri­ne Le Pen

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