So trau­ert Max Mann­hei­mers Fa­mi­lie

tz - - MÜNCHEN+REGION - RA­MO­NA WEI­SE

Er feh­le „heu­te in un­se­rer Mit­te“, sag­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel am Mitt­woch in ih­rer An­spra­che zu zehn Jah­ren Jü­di­sches Zen­trum am Ja­kob­splatz: Max Mann­hei­mer (†96). Kaum ein Red­ner, der den am 23. Sep­tem­ber ver­stor­be­nen Ho­lo­caus­tÜber­le­ben­den und un­er­müd­li­chen Mah­ner ge­gen das Ver­ges­sen nicht er­wähn­te. Ei­ne von Mann­hei­mers zen­tra­len Bot­schaf­ten: „Ihr seid nicht ver­ant­wort­lich für das, was ge­schah. Aber dass es nicht wie­der ge­schieht, da­für schon.“

Sein Sohn Ernst (50) spricht in der tz nun dar­über, was die Fa­mi­lie vom zwei­fa­chen Va­ter, fünf­fa­chen Groß­va­ter und vier­fa­chen Uro­pa in Er­in­ne­rung be­hal­ten wird. Si­cher sei der Ver­lust schmerz­haft, so Ernst Mann­hei­mer. „Aber wenn je­mand 96 Jah­re alt ist und die Kräf­te nach­las­sen, kommt der Tod nicht voll­kom­men über­ra­schend.“Der Va­ter, der nach ei­ner Bein-OP ver­starb, ha­be ei­nen schnel­len Tod ge­habt.

Ernst Mann­hei­mer und sei­ne Schwes­ter Eva Fa­ess­ler (70) wer­den Max Mann­hei­mer vor al­lem als „wun­der­ba­ren Va­ter“in Er­in­ne­rung be­hal­ten. Gü­tig und sanft sei er ge­we­sen. Sie hät­ten viel mit ihm dis­ku­tiert, sei­nen Witz be­wun­dert. „Wir hät­ten als Kin­der nie ge­dacht, dass ihm so et­was Schlim­mes wi­der­fah­ren ist.“Als Ernst in der Pu­ber­tät war, er­fuhr er von der Ge­schich­te sei­nes Va­ters. In The­re­si­en­stadt, Au­schwitz, War­schau, Dach­au und den Au­ßen­la­gern Karls­feld und Mühl­dorf war Mann­hei­mer von den Na­zis ge­quält wor­den. Von sei­ner Fa­mi­lie über­leb­ten nur sein Bru­der Ed­gar und er. Erst als er aus dem Ar­beits­le­ben aus­ge­schie­den war, sprach Max Mann­hei­mer über sein Mar­ty­ri­um. Die Leis­tung sei­nes Va­ters als öf­fent­li­che Per­son sei wich­tig, so sein Sohn. „Doch ich bin be­son­ders stolz dar­auf, dass er es ge­schafft hat, sich so viel Le­bens­freu­de zu be­wah­ren.“

40 Jah­re lang wohn­te Max Mann­hei­mer in Haar (Lkrs. Mün­chen). Al­le vier bis sechs Wo­chen be­such­te ihn sein Sohn, der heu­te in Ber­lin lebt. 30 Jah­re lang ha­ben sie je­den Abend mit­ein­an­der te­le­fo­niert. Vor Kur­zem hat der Sohn das Häu­schen des Va­ters aus­ge­räumt. Ein schwe­rer Schritt. „Ich ha­be vie­le Fo­tos, Brie­fe und Do­ku­men­te ge­fun­den, da kom­men na­tür­lich Er­in­ne­run­gen hoch.“Der Va­ter sei im­mer noch da für ihn.

Ge­denk­fei­er für Max Mann­hei­mer am 17.11., 18 Uhr, im Max-Mann­hei­mer-Stu­di­en­zen­trum in Dach­au

An­ge­la Mer­kel (M.) wur­de am Mitt­woch mit der Ohel-Ja­kob-Me­dail­le ge­ehrt. Auch sie er­in­ner­te an Mann­hei­mer

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