Rie­sen-Wind um die­se An­zei­ge

tz - - MÜNCHEN+REGION - PATRI­CIA KANIA

Wer­bung soll ja in ers­ter Li­nie Auf­merk­sam­keit er­re­gen. Und das hat Agrar-Un­ter­neh­mer Micha­el Gaar mit sei­ner Laub­blä­ser-An­zei­ge im Ho­hen­brun­ner Ge­mein­de­blatt de­fi­ni­tiv ge­schafft … Doch nicht je­der kann über den Gag des Laub­blä­sers un­ter dem Kleid ei­ner jun­gen Frau la­chen. Der Grü­nen­Orts­ver­band fin­det es gar se­xis­tisch und löst da­mit ei­ne De­bat­te aus.

Tat­sa­che: Laub­blä­ser ge­hö­ren nicht ge­ra­de zu den be­lieb­tes­ten Ge­rät­schaf­ten. Sie sind laut. Sie wir­beln Schmutz auf. Um das Image der Laub­blä­ser in ein po­si­ti­ves Licht zu rü­cken, hat­te der Hö­hen­kir­che­ner Un­ter­neh­mer Gaar die Idee, die Ge­rä­te, die er ver­kauft, at­trak­tiv in Sze­ne zu set­zen. Ei­ne jun­ge Frau im Dirndl steht auf ei­ner Wie­se, da­hin­ter wir­belt ein Laub­blä­ser ih­ren Rock nach oben. „Die schöns­te Sei­te des Herbs­tes“, heißt es ne­ben dem Foto. „Es hat doch was von Ma­ri­lyn Mon­roe und soll­te mal was an­de­res sein“, sagt Gaar.

Seit mehr als vier Jah­ren er­scheint die­se An­zei­ge re­gel­mä­ßig in di­ver­sen Ge­mein­de­blät­tern in und um Ho­hen­brunn (Kreis Mün­chen). Jetzt erst ist sie Grü­nen-Ge­mein­de­rä­tin Mar­ti­na Kre­der-Stru­gal­la auf­ge­fal­len. Und sie kann über die­se Art der Wer­bung so gar nicht la­chen. „Ich ha­be mich schon ge­fragt, ob ich so hu­mor­los bin. Aber in ei­ner Zeit, in der wir über se­xu­el­le Über­grif­fe auf Frau­en wie in

der Sil­ves­ter­nacht in Köln de­bat­tie­ren, fin­de ich so ei­ne Wer­bung ein­fach nur ge­schmack­los.“Vie­le Frau­en, aber auch Män­ner, mit de­nen sie sich dar­über un­ter­hal­ten hat, wür­den ih­re Mei­nung tei­len. Das war auch der An­lass, war­um sie jetzt auf der In­ter­net­sei­te des Orts­ver­bands die­se Wer­bung und ih­re Hal­tung da­zu öf­fent­lich mach­te.

Frau­en auf die­se Wei­se als Sex­ob­jekt zu miss­brau­chen, um mehr Auf­merk­sam­keit für sei­ne Pro­duk­te zu we­cken, emp­fin­det die Grü­nen-Ge­mein­de­rä­tin als „to­tal da­ne­ben“. Sie fin­det: „Die Sen­si­bi­li­tät für die­ses Thema ist völ­lig un­ter­ent­wi­ckelt.“Be­son­ders stört sie, dass das Mo­tiv so gar nichts mit dem Pro­dukt zu tun hat. „Glau­ben Sie mir“, sagt sie, „kei­ne Frau wür­de es toll fin­den, wenn ihr je­mand mit ei­nem Laub­blä­ser den Rock hoch­weht. Und wenn das die schöns­te Sei­te des Herbs­tes sein soll, mei­nen Laub­blä­ser her­aus­zu­ho­len, dann weiß ich auch nicht.“

Auch in der Wer­bung soll­te es Gren­zen ge­ben. Wer krea­tiv sei, wür­de laut Kre­der-Stru­gal­la auch ei­nen an­de­ren Blick­fang fin­den. Sie will das Thema auch in der nächs­ten Ge­mein­de­rats­sit­zung an­spre­chen und for­dert, dass künf­tig mit ei­nem wa­che­ren Au­ge auf die In­hal­te des Ge­mein­de­blatts ge­schaut wird.

Dass jetzt so viel Wind um die­se An­zei­ge ge­macht wird, kann Un­ter­neh­mer Gaar nicht nach­voll­zie­hen. „Das ist doch to­tal klein­ka­riert. So was als se­xis­tisch zu be­zeich­nen, ist schon fast un­ver­schämt“, sagt er. Trotz­dem bleibt er ge­las­sen. Denn bis­her ha­be er nur po­si­ti­ve Re­so­nanz be­kom­men. Rü­cken­de­ckung er­hält er auch in den so­zia­len Me­di­en. Dort hat­te Gaar den Bei­trag der Grü­nen ver­öf­fent­licht und schreibt da­zu: „Sor­ry, lie­be ver­ant­wort­li­che Grü­ne in Ho­hen­brunn, aber ich den­ke, wir ha­ben er­heb­lich un­ter­schied­li­che An­sich­ten!“Und die User pflich­ten ihm bei und kom­men­tie­ren et­wa: „Wer ei­nen ge­sun­den Ver­stand und Hu­mor hat, der sieht in dem Bild nix, aber auch gar nix Se­xis­ti­sches.“Ein an­de­rer schreibt: „Ich kom­me aus der Wer­be­bran­che und fin­de eu­re An­zei­ge ziem­lich ge­lun­gen.“

Ge­mein­de­rä­tin Mar­ti­na Kre­der-Stru­gal­la

Und dar­um geht’s: Die An­zei­ge er­schien im Ho­hen­brun­ner Ge­mein­de­blatt

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