Pro­zess ge­gen BMW-Ar­bei­ter: Ik­bal Ö. (25) ge­steht, dass er Tax­ler halb tot ge­prü­gelt hat

tz - - MÜNCHEN+REGION - A. THIE­ME

Die Wor­te kom­men ihm nur schwer über die Lip­pen. „Es tut mir sehr leid, was pas­siert ist“, sagt Ik­bal Ö. (25). Er beißt sich auf die Lip­pe. „Ich war da­mals mit den fal­schen Leu­ten un­ter­wegs.“Sein al­tes Le­ben: Das wol­le er nicht mehr le­ben, sag­te der BMW-Ar­bei­ter ges­tern vor dem Land­ge­richt. Denn es en­de­te im Ge­fäng­nis – weil er Tax­ler Jo­szef N. im Win­ter so schlimm ver­prü­gelt hat­te, dass die­ser bei­na­he an den Fol­gen starb und bis heu­te nicht mehr ar­bei­ten kann.

Die Staats­an­walt­schaft hat Ik­bal Ö. we­gen ver­such­ten Mor­des an­ge­klagt. Seit elf Mo­na­ten sitzt er mitt­ler­wei­le in der Un­ter­su­chungs­haft. „Erst hier fiel mir auf, wer mei­ne wirk­li­chen Freun­de sind“, sagt er. Es ist ei­ne spä­te Ein­sicht.

Denn am 12. De­zem­ber 2015 kann­te er kei­ne Gna- de. Mit ei­nem Ar­beits­kol­le­gen war er im Film­ca­si­no fei­ern ge­we­sen. Voll­ge­pumpt mit Al­ko­hol und Ko­ka­in stie­gen die bei­den am Ode­ons­platz in das Ta­xi von Jo­szef N., wo sich der Spezl er­bre­chen muss­te. Ge­gen 3.05 Uhr hält der Mer­ce­des des­halb in der Leo­pold­stra­ße, dort kommt es zum Streit. Ik­bal Ö. schlägt so­fort zu. Meh­re­re Ma­le trifft er ins Ge­sicht des Tax­lers, der zu Bo­den geht. Laut An­kla­ge setz­te sich Ö. auf ihn und prü­gel­te wei­ter auf den Kopf ein. Un­fass­bar: Jo­szef N. war längst be­wusst­los, als Ik­bal Ö. ihm noch ge­zielt auf den Ober­kör­per trat. „Er nahm den Tod des Ge­schä­dig­ten da­mit bil­li­gend in Kauf“, sag­te Staats­an­wäl­tin Me­la­nie Lich­te. Nur mit Glück über­leb­te Jo­szef N. die Atta­cke: Er er­litt ein schwe­res Schä­delHirn-Trau­ma und lag drei Wo­chen lang auf der In­ten­siv­sta­ti­on. Bis heu­te lei­det er un­ter star­ken Schmer­zen. „Ich war selbst ent­setzt von mir“, heißt es in ei­ner Er­klä­rung von Ik­bal Ö., die sein Ver­tei­di­ger Adam Ah­med vor­las. Nach ei­ner hal­ben Fla­sche Whis­ky und mehr als ei­nem Gramm Koks sei Ö. wü­tend ge­wor­den, als Jo­szef N. 50 Eu­ro für die Rei­ni­gungs­kos­ten des Ta­xis ver­langt hat­te. Zwei Schlä­ge ge­steht der An­ge­klag­te ein – der Rausch soll dar­an schuld ge­we­sen sein. „Ich schä­me mich“, schreibt Ik­bal Ö. „Es ist ein äl­te­rer Herr. Das kann ich mir bis heu­te nicht ver­zei­hen.“

Nun dro­hen dem ge­lern­ten Ka­ros­se­rie­bau­er meh­re­re Jah­re Haft. Er wirkt ge­läu­tert. Im­mer wie­der senkt er den Kopf oder schaut ins Pu­bli­kum: Dort sit­zen sei­ne El­tern, bei de­nen er ge­wohnt hat, und rin­gen mit den Trä­nen. „Seit dem Vor­fall ist auch un­ser Le­ben zer­stört“, sagt Mut­ter Belkiz. „Mein Sohn ist kein schlech­ter Mensch“, glaubt sie.

Au­tos und Dro­gen gibt er als Hob­bys an. Kein Schul­ab­schluss. 9000 Eu­ro Schul­den. „Am Wo­che­n­en­de ha­be ich 500 Eu­ro ver­kokst“, sagt Ö. Er hat­te zu viel an je­nem Abend – das sei der Grund für sei­nen Aus­ras­ter. Jo­szef N., der noch krank­ge­schrie­ben ist, wird Mon­tag ge­gen ihn aus­sa­gen.

Foto: Jantz

Am Land­ge­richt hat sich Ik­bal Ö. (25) für die Tat ent­schul­digt

F: Haag, Mell

Tat­ort Leo­pold­stra­ße: Hier stopp­te Jo­szef N. (li.) sein Ta­xi, dann prü­gel­te Ik­bal Ö. ihn ins Ko­ma

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