Hip­pie Ras­pu­tin

tz - - KULTUR + TV - A. SEIDEMANN

Wel­che My­then ran­ken sich nicht al­le um den rus­si­schen Geis­ter­hei­ler Ras­pu­tin, der 1916 er­mor­det wur­de! Mo­ses Wolff räumt mit al­len Ver­leum­dun­gen auf. Sein gro­tesk ko­mi­sches Stück Ras­pu­tin – Lie­be, Glau­be, Zärt­lich­keit, das im Hof­spiel­haus Pre­mie­re fei­er­te, zeigt: Ras­pu­tin war ein Hip­pie, ein nai­ver An­hän­ger der of­fe­nen Lie­be. Die Per­ver­sen am rus­si­schen Ho­fe sind höchs­tens der ver­klemm­te Zar (wun­der­bar, wie Lu­cie Ma­ckert von Za­rin zum Zar nur mit vor­ge­hal­te­nem Win­kel­schnurr­bart wech­selt) und ein kleb­ri­ger Bi­schof (Ca­mil­lo Ro­ta).

Wolff spielt Ras­pu­tin, er­scheint aber nur in ein­ge­blen­de­ten Stumm­film­pas­sa­gen mit ei­ner Mi­mik, die an Murnau-Fil­me er­in­nert. Das Ziel sei­ner Sehn­sucht, nach­dem er den Za­ren­sohn, ei­nen Blu­ter, ge­heilt hat, sind na­tür­lich die Za­ren­töch­ter (Char­lot­te St­ein und San­dra See­fried), die an der frei­en Lie­be auch schnell Ge­fal­len fin­den.

Wer Sinn hat für leicht tra­shi­ge Pro­duk­tio­nen, die an die ho­he Zeit des ab­sur­den Thea­ters er­in­nern, wird an Wolffs Ras­pu­tin Ge­fal­len fin­den. ■ Noch bis Sonn­tag im Hof­spiel­haus, dann wie­der am 17. bis 20. No­vem­ber.

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