Sieht un­se­re Zu­kunft wirk­lich so düs­ter aus?

tz - - MÜNCHEN+REGION -

Ro­si Mit­ter­mai­er: „Angst vor der Zu­kunft ha­be ich nicht, aber Sor­gen ma­che ich mir schon. Wir brau­chen im Sport und über­all auf der Welt Vor­bil­der und Men­schen, die Nächs­ten­lie­be le­ben, nur so funk­tio­niert es. Die gro­ße Po­li­tik ist ei­ne Sa­che, aber wir müs­sen auch bei uns im Klei­nen an­fan­gen und hel­fen, wenn un­ser Nach­barn oder Mit­bür­ger Hil­fe be­nö­ti­gen.“

Chris­ti­an Neu­reu­ther: „Wir le­ben seit ein paar tau­send Jah­ren auf die­ser Welt, aber ge­lernt ha­ben wir nichts. Wir pre­di­gen Lie­be, aber es pas­siert nichts. Es ist un­vor­stell­ber und schlimm, mit wel­cher Bru­ta­li­tät bei­spiels­wei­se im Je­men, im Su­dan oder in Ni­ge­ria Kin­der und Frau­en miss­braucht wer­den. Die UNO müss­te dort mehr ein­grei­fen. Die Si­tua­ti­on in Frank­reich, Un­garn, Po­len und der Tür­kei be­weist: Auch Eu­ro­pa hat ein Pro­blem. Und in Deutsch­land geht es längst nicht al­len gut, wir müs­sen auf­pas­sen, dass die Sche­re nicht zu weit aus­ein­an­der­geht, denn am Ran­de der Ge­sell­schaft ent­ste­hen die ge­fähr­li­chen Be­we­gun­gen. Wie im Sport soll­ten wir nicht nur auf uns schau­en, son­dern die Wer­te des Zu­sam­men­halts und der Lie­be – dar­auf

„Was mei­ne Per­son an­geht, hält sich die Angst in Gren­zen, da bin ich froh, dass ich schon 65 bin. Um mei­ne Kin­der und En­kel – da sor­ge ich mich, weil es ein­fach nicht ab­seh­bar ist, dass die Zei­ten bes­ser wer­den soll­ten. Ganz si­cher nicht ein­stim­men wer­de ich in den Chor de­rer, die jetzt über Trump und sei­ne Wäh­ler her­zie­hen. Der Kern der ak­tu­el­len po­li­ti­schen Ent­wick­lun­gen liegt doch dar­in, dass sich vie­le Leu­te von der gro­ßen Po­li­tik schlicht nicht mehr re­prä­sen­tiert füh­len. Die Flücht­lings­strö­me wa­ren in Eu­ro­pa le­dig­lich Aus­lö­ser, aber doch nicht der Grund, dass Po­pu­lis­ten Ober­was­ser be­kom­men! Die Iden­ti­tät der Men­schen ist nach und nach ver­lo­ren ge­gan­gen. Jetzt ist es ei­ne Mi­nu­te vor zwölf für die eta­b­lier­ten Par­tei­en. Bes­ten­falls. Wenn den Wäh­lern nicht klar ge­macht wer­den kann, war­um sie ei­ne Ma­ri­ne Le Pen nicht wäh­len soll­ten, dann im­plo­diert die EU. Be­ru­hi­gungs­pil­len sind lan­ge ge­nug ver­teilt wor­den. Und ei­ne kon­kre­te Angst ha­be ich dann doch: Dass die Men­sch­lich­keit noch wei­ter ver­lo­ren geht, wenn je­der nur noch sei­ne Haut ret­ten will.“ fu­ßen im Üb­ri­gen auch fast al­le Welt­re­li­gio­nen – le­ben. Es geht um In­te­gra­ti­on, In­klu­si­on und dar­um, die Men­schen nicht al­lei­ne zu las­sen. In Sport­ver­ei­nen wird das oft ge­lebt, auch die Mu­sik und die Kul­tur hat tol­le Mög­lich­kei­ten. Und ich glau­be, dass die Mensch­heit letzt­lich so klug ist, die rich­ti­gen Schlüs­se zu zie­hen.“

Er ver­fol­ge mit gro­ßer Sor­ge die zu­neh­men­de Ra­di­ka­li­sie­rung in der Welt, sagt der Penz­ber­ger Imam Ben­ja­min Id­riz (44). „Be­son­ders in Hin­blick auf un­se­re Kin­der steigt die Ver­ant­wor­tung, dass die Ge­sell­schaft ge­mein­sa­me Wer­te ver­tei­digt.“Zu die­sen zählt Id­riz et­wa Rechts­staat­lich­keit, Re­spekt und To­le­ranz ge­gen­über al­len Re­li­gio­nen. Die gro­ße Ge­fahr sei, dass „je­mand, der de­mo­kra­tisch ge­wählt ist, die­se Wer­te ab­schafft“. Vie­le Men­schen hät­ten Angst vor al­lem Frem­den. Aber der Frem­de kön­ne durch­aus zur Be­rei­che­rung wer­den. „Doch von bei­den Sei­ten fehlt oft die Be­reit­schaft, über den Tel­ler­rand zu schau­en.“Vie­le jun­ge Men­schen hät­ten Angst, kei­nen Aus­bil­dungs- oder Ar­beits­platz zu be­kom­men. „Be­son­ders, wenn sie ei­ne an­de­re Haut­far­be ha­ben oder ei­nen fremd klin­gen­den Na­men.“Id­riz for­dert Mut von der Ge­sell­schaft ein: „Wir soll­ten nicht so viel Angst ha­ben, son­dern ziel­stre­big sein und an­de­ren ver­trau­en.“

„Ich ma­che mir Sor­gen. Zum ei­nen, dass Eu­ro­pa wei­ter aus­ein­an­der­drif­tet. Zwei­tens, dass sich das Ver­hält­nis zu den USA ver­schlech­tert. Denn Trump hat im Wahl­kampf von Pro­tek­tio­nis­mus und der Auf­kün­di­gung des Kli­ma­ab­kom­mens ge­spro­chen. Drit­tens, weil Po­pu­lis­ten Hoch­kon­junk­tur ha­ben. Sie sind mit sim­plen Ver­spre­chun­gen er­folg­reich, die sie nicht ein­lö­sen kön­nen. Und sie er­klä­ren das „Esta­blish­ment“und die „Eli­ten“zum Feind­bild. Das sind Kampf­be­grif­fe, die spal­ten. Ich fin­de es ei­ne Frech­heit, wenn ich als Teil ei­ner „Eli­te“ab­ge­stem­pelt wer­de: Ich bin ein Volks­ver­tre­ter! Ein wei­te­rer Kampf­be­griff ist die „Lü­gen­pres­se“. Da­mit wol­len die Po­pu­lis­ten die Glaub­wür­dig­keit wahr­heits­ge­mä­ßer Be­richt­er­stat­tung er­schüt­tern. So öff­nen die­se Po­pu­lis­ten ih­ren Lü­gen und der to­ta­len Ver­ein­fa­chung Tür und Tor. Aber de­ren schein­bar sim­ple Lö­sun­gen ver­grö­ßern die kom­ple­xen Pro­ble­me nur. Wir als Po­li­ti­ker müs­sen dem Di­enst am Men­schen noch in­ten­si­ve­ren. Aber müs­sen auch den Kampf ge­gen die­se to­ta­len Ver­ein­fa­cher auf­neh­men!“ wir

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