Al­ler­lei Un­flä­ti­ges

tz - - MÜNCHEN -

Un­flä­ti­ges kennt man zur Ge­nü­ge. Ent­we­der man ver­ab­scheut es, oder man er­götzt sich dar­an. Aber was ist flä­tig? Al­les, was un­flä­tig ist? Un­ter dem, was der Sch­wa­ger seit Ju­gend­ta­gen in sei­nem Hirn­kastl spei­chert, ist auch manch Un­flä­ti­ges. Di­ver­sen Zeit­ge­nos­sen geht es si­cher eben­so, so­dass er hofft, nicht nur Pfui­ru­fe zu ern­ten, wenn er et­li­ches aus sei­nem frag­wür­di­gen Fun­dus aus­brei­tet.

Da hät­ten wir gleich ein­mal ei­nen gro­ben Vers, für den er sich so­fort bei al­len Omas ent­schul­di­gen möch­te: „Freut euch des Le­bens, Groß­mut­ter wird mit der Sen­se ra­siert, al­les ver­ge­bens, sie war nicht ein­ge­schmiert.“Harm­lo­ser da­ge­gen: „Mei­ne Oma ist schon sieb­zig und sie hat noch kei­nen Mann, doch sie freut sich ih­res Le­bens, weil sie Fuß­ball spie­len kann …“

Un­flä­tig wird’s wie­der mit je­nem Kom­mis­sär, der gleich­zei­tig in zwei Stock­wer­ken haust und sein Hin­ter­teil für ei­ne Schuss­waf­fe hält: „Im erstn Stock, im zwoatn Stock da wohnt da Kom­mis­sär, der reckt sein A… zum Fens­ter naus und mo­a­nt, des is sei Gwehr.“We­ni­ger an­rü­chig die­ser Kin­der­reim: „Da Pe­ter und da Paul, de reitn auf am Gaul, da Gaul lasst an Bolln, da Pe­ter mu­aßn holn …“Res­te ei­nes al­ten Schla­gers: „Lass mich dein Ba­de­was­ser schlür­fen, ein­mal dich ab­frot­tie­ren dür­fen …“Die Zu­cker­pup­pe aus der Bauch­tanz­grup­pe lässt hier grü­ßen.

Im fol­gen­den schrä­gen Song wird das Un­flä­ti­ge je­des Mal ge­schickt durch ei­ne Aus­tausch-Vo­ka­bel er­setzt. Die ers­te Stro­phe: „Ein Sol­dat kam in die Schen­ke, lia­lin­gan­gong, und er­zähl­te sei­ne Schwän­ke, lia­lin­gan­gong, als er nicht mehr wei­ter­wo­aß, lasst er ei­nen mord­strumm li­alia­lin­gan­gong, lia­lin­gan­gong … Hin­aus­ge­schmis­sen, hat er dann vor die Tür ge­li­alia­lin­gan­gong, lia­lin­gan­gong“. Die fol­gen­den gleich­falls fä­ka­li­schen Stro­phen er­spart er lie­ber li­alia­lin­gang­gong-fein­füh­li­gen Le­sern. Selbst ho­he Ade­li­ge nebst Ge­mah­lin ha­ben schon Un­flä­ti­ges auf der Zun­ge ge­habt, zum Bei­spiel: „Schei­ße sprach der Groß­her­zog, als die Ar­mee vor­über­zog, und die Groß­her­zo­gin sprach lei­se: Schei­ße.“Und was Ge­heim­rat Goe­the dem Götz von Ber­li­chin­gen in das lo­se Maul ge­legt hat, ist wohl all­ge­mein be­kannt und wird von gro­ben Lackln im­mer wie­der gern zi­tiert. Wer sich jetzt ent­rüs­tet hat, den er­in­nert der Sch­wa­ger, dass sich un­flä­ti­ge Aus­drü­cke schon längst ins Thea­ter ein­ge­schli­chen ha­ben und zum Amü­se­ment des Pu­bli­kums fal­len. Trotz­dem bit­tet er sen­si­ble Na­tu­ren we­gen des hier an­ge­häuf­ten Un­flats um ver­zei­hen­de Mil­de und ver­spricht, in Zu­kunft fast nur noch Flä­ti­ges, was im­mer das sein mag, auf­zu­ti­schen.

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