Seit 500 Jah­ren geht die Post ab

tz - - BAYERN - KNA

Als Mei­len­stein in der Ge­schich­te des Fa­mi­li­en­un­ter­neh­mens gilt ein Ver­trag zwi­schen Karl I. von Spa­ni­en – dem spä­te­ren Kai­ser Karl V. – und Franz von Ta­xis vom 12. No­vem­ber 1516. Al­so heu­te ex­akt vor 500 Jah­ren! In die­ser „Ma­gna Char­ta des mo­der­nen Post­we­sens“zurr­ten die Ver­trags- part­ner, zu de­nen auch Franz’ Nef­fe Jo­hann Bap­tis­ta ge­hör­te, Ho­no­ra­re, Stre­cken­ver­läu­fe und Zu­stell­zei­ten fest. Ein Brief von Brüs­sel nach Rom soll­te längs­tens zwölf Ta­ge un­ter­wegs sein. Ein ir­res Tem­po. Zau­ber­werk? Nein, ein sim­pler Kniff. Et­wa al­le 30 Ki­lo­me­ter stand ein Rast­haus – die „po­si­ta sta­tio“– an dem die Bo­ten ih­re Schrift­stü­cke ei­nem Kol­le­gen über­ga­ben. Der ritt dann im Schweins­ga­lopp wei­ter bis zur nächs­ten „Post“.

Aus­ge­stat­tet mit Schutz­brie­fen der Mäch­ti­gen und ei­nem Post­horn wa­ren die Bo­ten der Fa­mi­lie Ta­xis, de­ren An­ge­hö­ri­ge sich seit 1650 Thurn und Ta­xis nen­nen durf­ten, bald kon­kur­renz­los un­ter­wegs. Im Rie­sen­reich der Habs­bur­ger, wo die Son­ne nie­mals­un­ter­ging,wuchs der Be­darf an Kom­mu­ni­ka­ti­on zeit­gleich mit dem Han­del, der bei­spiels­wei­se Obe­r­ita­li­en, aber auch die Ge­bie­te der Neu­en Welt mit­ein­an­der ver­netz­te. Staats­recht­ler Jo­hann Ja­cob Mo­ser ver­glich die „Ta­xi­sche Er­fin­dung“1742 mit der Ent­de­ckung Ame­ri­kas.

Ob als Post­meis­ter, Hof­post­meis­ter, Ge­ne­ral­post­meis­ter oder Erb­ge­ne­ral­oberst­post­meis- ter – Kai­ser und Kö­ni­ge ka­men und gin­gen, die von Ta­xis sa­ßen fest im Sat­tel. Das Aus kam aber 1866/67 nach dem Krieg zwi­schen Preu­ßen und Ös­ter­reich. Die von Thurn und Ta­xis such­ten sich an­de­re Ge­schäfts­fel­der, kauf­ten Berg­wer- ke oder Braue­rei­en. Heu­te lenkt Fürs­tin Glo­ria vom Stamm­sitz in Re­gens­burg aus die Ge­schi­cke der Fa­mi­lie.

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