Die er­klärt den Herz­ka­the­ter

tz - - REPORT - AN­DRE­AS BEEZ

Dass mit Herz­pro­ble­men nicht zu spa­ßen ist, weiß schon fast je­des Kind. Aber wie ent­schei­dend schnel­les Han­deln sein kann, hat sich noch längst nicht in al­le Köp­fe ein­ge­gra­ben. Das gilt vor al­lem bei ei­nem aku­ten Herz­in­farkt. „Der Pa­ti­ent soll­te spä­tes­tens in­ner­halb von drei St­un­den in ei­ner spe­zia­li­sier­ten Kli­nik be­han­delt wer­den “, sagt Pri­vat­do­zent (PD) Dr. Klaus Tie­mann, der ge­mein­sam mit Prof. Thors­ten Le­wal­ter das Pe­terO­syp­ka-Herz­zen­trum in den Kli­ni­ken Dr. Mül­ler lei­tet. „Denn da­nach sinkt die Chan­ce, ge­fähr­de­tes Herz­mus­kel­ge­we­be ret­ten zu kön­nen, mas­siv.“

Zur Er­klä­rung: Bei ei­nem Herz­in­farkt kommt es zu ei­nem Ver­schluss in den Herz­kran­zar­te­ri­en. Die Ge­fä­ße hin­ter der Blut­blo­cka­de kön­nen das da­zu­ge­hö­ri­ge Herz­mus­kel­ge­we­be nicht mehr mit Sau­er­stoff ver­sor­gen, es stirbt ab. „Bei ei­nem Herz­in­farkt kön­nen bis zu ei­ner Mil­li­ar­de Herz­mus­kel­zel­len ver­lo­ren ge­hen“, weiß Prof. Tho­mas Mei­nertz, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Herz­stif­tung.

Um dies zu ver­hin­dern, ist ei­ne schnel­le Be­hand­lung in ei­nem Ex­per­ten-Zen­trum von ent­schei­den­der Be­deu­tung. „In München wird na­he­zu je­der Herz­in­fark­tPa­ti­ent in ei­ne so­ge­nann­te Ches­tPain-Unit ein­ge­lie­fert“, er­läu­tert PD Dr. Tie­mann. Das sind spe­zi­el­le Brust­schmerz­am­bu­lan­zen mit er­fah­re­nen Be­hand­lern und mo­der­ner Tech­nik. Sie müs­sen sich re­gel­mä­ßig von un­ab­hän­gi­gen Prü­fern zer­ti­fi­zie­ren las­sen.

Bei ei­nem aku­ten Herz­in­farkt wird nor­ma­ler­wei­se ein Herz­ka­the­ter ge­setzt, um die ver­schlos­se­ne Herz­kran­zar­te­rie so schnell wie mög­lich wie­der zu öff­nen. „Al­lein in Deutsch­land fin­den jähr­lich et­wa 900 000 Herz­ka­the­ter-Ein­grif­fe statt“, er­läu­tert Prof. Le­wal­ter. „Aber nur bei et­wa je­dem drit­ten wird in­ter­ve­niert – das be­deu­tet in der Re­gel, dass dem Pa­ti­en­ten ein Stent oder meh­re­re Stents ein­ge­setzt wer­den.“

Ein Herz­ka­the­ter kann aber auch da­zu die­nen, ei­nen Herz­in­farkt zu ver­hin­dern oder an­de­re Herz­er­kran­kun­gen zu be­han­deln (sie­he Ar­ti­kel links un­ten).

Das Wich­tigs­te zum Ein­griff gleich vor­weg: Er tut nicht weh. Der Pa­ti­ent braucht kei­ne Nar­ko­se. Er liegt auf dem so­ge­nann­ten Ka­the­ter­tisch un­ter ei­ner Rönt­ge­n­an­la­ge. Sie lie­fert im­mer wie­der Bil­der vom Her­zen. Der Arzt sticht mit ei­ner Na­del in die Leis­te oder in den Arm, die so­ge­nann­te Punk­ti­ons­stel­le wird ört­lich be­täubt. Durch das Blut­ge­fäß wer­den ver­schie­de­ne hauch­dün­ne Dräh­te und Schläu­che ein­ge­führt und – im Fal­le ei­ner so­ge­nann­ten Ko­ro­nar­an­gio­gra­fie – bis in die Herz­kran­zar­te­ri­en vor­ge­scho­ben. Dann spritzt der Arzt Kon­trast­mit­tel ein. Es hebt sich auf den Rönt­gen­bil­dern ab und lie­fert so Er­kennt­nis­se, ob und wo sich Eng­stel­len in den Herz­kranz­ge­fä­ßen be­fin­den.

Die Herz­kranz­ge­fä­ße hei­ßen üb­ri­gens des­halb so, weil sie das Herz kran­z­ar­tig um­schlie­ßen und die Mus­kel­zel­len un­ter an­de­rem mit Sau­er­stoff ver­sor­gen.

Wenn ei­ne Ko­ro­nar­ar­te­rie be­reits stark ver­engt oder gar ver­schlos­sen ist, trans­por­tiert der

Bei Ih­nen soll­ten wir mal ei­nen Herz­ka­the­ter ma­chen.“Die­sen Satz ha­ben vie­le Pa­ti­en­ten schon mal von ih­rem Arzt ge­hört. Man­che wer­den auch gar nicht erst ge­fragt, weil sie we­gen ei­nes aku­ten Herz­in­farkts so schnell wie mög­lich im Herz­ka­the­ter­la­bor – so die of­fi­zi­el­le Be­zeich­nung – be­han­delt wer­den müs­sen. Aber was ist das über­haupt? Wie läuft die­ser Ein­griff ab? Wel­che Mög­lich­kei­ten bie­tet er? Und wie er­le­ben Be­trof­fe­ne das Pro­ze­de­re? Ant­wor­ten auf die­se Fra­gen gibt’s heu­te zum Ab­schluss der gro­ßen Ge­sund­heits­se­rie in Ko­ope­ra­ti­on mit der Deut­schen Herz­stif­tung. Die re­nom­mier­te Pa­ti­en­ten­or­ga­ni­sa­ti­on ver­an­stal­tet der­zeit bun­des­weit ih­re tra­di­tio­nel­len Herz­wo­chen. Da­bei in­for­mie­ren Ex­per­ten un­ter an­de­rem über die so­ge­nann­ten stil­len Kil­ler wie Blut­hoch­druck, Dia­be­tes oder er­höh­te Blut­fett­wer­te. Sie kön­nen in ei­nem schlei­chen­den Pro­zess schwe­re Schä­den am Ge­fäß­sys­tem ver­ur­sa­chen, die schlimms­ten­falls in ei­nem Schlag­an­fall oder in ei­nem Herz­in­farkt en­den. „Bei Alarm­si­gna­len wie Brust­schmerz und Atem­not soll­te man nicht zö­gern, den No­t­ruf 112 zu wäh­len“, rät Prof. Dr. Thors­ten Le­wal­ter (Fo­to oben), Chef­arzt in den Münch­ner Kli­ni­ken Dr. Mül­ler und Mit­glied im Wis­sen­schaft­li­chen Bei­rat der Deut­schen Herz­stif­tung. Und de­ren Vor­stands­vor­sit­zen­der Prof. Dr. Tho­mas Mei­nertz be­tont: „Wenn man bei Ver­dacht auf ei­nen In­farkt nach fünf Mi­nu­ten die 112 alar­miert und schnell in die Kli­nik kommt, ist das Ri­si­ko, am Herz­in­farkt zu ster­ben, sehr ge­ring.“ Herz­spe­zia­list mit­hil­fe des Drahts ei­ne Art zu­sam­men­ge­fal­te­ten Mi­ni-Bal­lon bis zum Ein­satz­ort. Dort wird der Bal­lon auf­ge­psannt und da­mit das Ge­fäß wie­der ge­wei­tet. Um es auf Dau­er of­fen zu hal­ten, setzt man ei­nen Stent ein – ein git­ter­ar­ti­ges Röhr­chen. „Der Stent wird mit gro­ßem Druck an die Ge­fäß­wän­de ge­presst“, er­läu­tert Prof. Le­wal­ter.

In der Re­gel be­ste­hen die­se Stents aus Me­tall, neu­er­dings ste­hen aber auch Mo­del­le aus ge­press­tem Ma­g­ne­si­um zur Ver­fü­gung. Ei­ne sol­che Al­ter­na­ti­ve hat­te Prof. Le­wal­ter zu Jah­res­be­ginn ei­ner Pa­ti­en­tin ein­ge­setzt, die an ei­ner All­er­gie ge­gen be­stimm­te Me­tal­le lei­det. Der Ma­g­ne­si­um-Stent soll sich bin­nen ei­nes Jah­res wie­der auf­lö­sen und das be­trof­fe­ne Blut­ge­fäß wie­der er­ho­len. Her­kömm­li­che Stents ver­blei­ben le­bens­lang im Kör­per.

Wie lan­ge ei­ne Herz­ka­the­ter­un­ter­su­chung dau­ert, lässt sich schwer vor­her­sa­gen. „Bei un­kom­pli­zier­ten Fäl­len hat der Pa­ti­ent be­reits nach 15 bis 20 Mi­nu­ten al­les über­stan­den“, er­läu­tert PD Dr. Tie­mann. „Es kann aber auch schon mal an­dert­halb St­un­den dau­ern, wenn meh­re­re Eng­stel­len zu be­han­deln sind.“

Am En­de des Ein­griffs wer­den Dräh­te und Schläu­che wie­der aus der Leis­te be­zie­hungs­wei­se aus dem Arm hin­aus­ge­zo­gen. Der Pa­ti­ent muss für meh­re­re St­un­den ei­nen Druck­ver­band tra­gen, um ei­ne Blu­tung zu ver­hin­dern. „Ins­ge­samt han­delt es sich um ein gut er­prob­tes und ri­si­ko­ar­mes Ver­fah­ren“, be­tont Prof. Le­wal­ter.

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