„Wir sind Ram­pen­säue“

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Sie ge­hö­ren bei­de zu den be­lieb­tes­ten Kom­mis­sa­ren – und er­mit­teln im 1000. Tat­ort erst­mals ge­mein­sam: Ma­ria Furt­wäng­ler ali­as Char­lot­te Lind­holm und Axel Mil­berg ali­as Klaus Bo­row­ski (sie­he da­zu den Text links). In der tz spre­chen­dieSchau­spie­ler, die in München le­ben und be­freun­det sind, über die Fas­zi­na­ti­on, die die Kri­mi­rei­he auch nach 1000 Fol­gen noch hat – auf Zu­schau­er und auf Ma­cher.

Frau Furt­wäng­ler, Herr Mil­berg, der „Tat­ort“ist mitt­ler­wei­le ein sehr ex­pe­ri­men­tier-

In der Ge­schich­te der Tat­or­tKom­mis­sa­re gab es ei­ne Rei­he von Er­mitt­lern, die nur ei­nen Fall lös­ten. Auch ein Münch­ner war da­bei. Er hieß „Ried­mül­ler, Vor­na­me Si­gi“, und wur­de ge­spielt von? Ge­sucht wird der vier­te Buch­sta­be des Nach­na­mens.

Eher ge­müt­lich zu ging’s bei sei­nem Vor­vor­gän­ger, dem ers­ten Münch­ner Tat­ort- Er­mitt­ler Mel­chi­or Veigl, ver­kör­pert von Gustl Bayr­ham­mer (1922 – 1993). Veigl hat­te ei­nen Da­ckel. Sein Na­me? Ge­sucht wird der ers­te Buch­sta­be des Lö­sungs­wor­tes. freu­di­ges For­mat und den­noch im Main­stream er­folg­reich. Ein Wi­der­spruch?

Ma­ria Furt­wäng­ler: Ich glau­be, Er­folg ist der Schlüs­sel zur Freu­de am Ex­pe­ri­men­tie­ren. Der Tat­ort hat fast schon ei­ne ein­ge­bau­te Quo­ten­ga­ran­tie. Kaum ein Film hat we­ni­ger als acht Mil­lio­nen Zu­schau­er. Das lässt die Ver­ant­wort­li­chen bei den Sen­dern mu­tig wer­den. Viel mu­ti­ger, als sie es lei­der bei vie­len an­de­ren Pro­gram­men sind.

Axel Mil­berg: Da­zu kommt, dass sich al­le Be­tei­lig­ten mehr Mü­he ge­ben, weil es sich um ei­nen Tat­ort han­delt. Man will et­was Be­son­de­res schaf­fen. Vie­le Schau­spie­ler und Ma­cher sind der Fer­tig­bau­tei­le mü­de, aus de­nen Kri­mis meist ge­zim­mert wer­den. Na­tür­lich muss man beim Ex­pe­ri­ment auf­pas­sen, dass die Glaub­wür­dig­keit nicht auf der Stre­cke

Vom Jahr 1971 an be­tei­lig­te sich auch der ORF an der Kri­mi­rei­he und schick­te bis 1987 ins­ge­samt 14 Mal Vik­tor Marek ali­as Fritz Eck­hardt auf Mör­der­jagd. Wel­che Be­zeich­nung trug Marek? Ge­sucht wird der sechs­te Buch­sta­be des Lö­sungs­wor­tes.

Ei­ner der be­rühm­tes­ten Tat­or­te ist Rei­fe­zeug­nis (1977). Der Fall han­delt von der ver­bo­te­nen Lie­be zwi­schen ei­ner Schü­le­rin (Na­stass­ja Kin­ski) und ih­rem bleibt. Es ist nicht nur ein Ar­gu­ment der kon­ser­va­ti­ven Tat­ort- Fans, dass ein Film glaub­wür­dig sein muss. An­de­rer­seits ist Glaub­wür­dig­keit nicht al­les. Ein tol­ler Film darf un­glaub­wür­dig sein, wenn er fas­zi­nie­rend ist.

Der 10 0 0. „Tat­ort“heißt wie der ers­te „Ta­xi nach Leip­zig“. 1970 war der TV-Kom­mis­sar wie ein Fels in der Bran­dung. Heu­te steht die Angst der Kom­mis­sa­re fast schon im Mit­tel­punkt des Films. Was sagt uns das?

Mil­berg: Der Kom­mis­sar als Fels in der Bran­dung war für den Schau­spie­ler ja auch ziem­lich lang­wei­lig. Ich den­ke, dass der Trend zum psy­cho­lo­gi­schen Er­zäh­len auch des­halb ein­ge­setzt hat, weil Au­to­ren und Schau­spie­ler es satt­hat­ten, dass wir Er­mitt­ler im­mer so un­ge­fähr­det wa­ren. Frü­her wa­ren Kom­mis­sa­re wie Mo­de- Leh­rer (Chris­ti­an Quad­flieg). Wel­ches Fach un­ter­rich­te­te der? Ge­sucht wird der zwei­te Buch­sta­be des Lö­sungs­wor­tes.

Im­mer wie­der wa­ren pro­mi­nen­te Gaststars im Tat­ort zu se­hen – von Ni­na Ha­gen bis zu Ru­dolph Mos­ham­mer (1940 – 2005). In der Lud­wigs­ha­fe­ner Fol­ge Im Ab­seits (2011) lief viel ech­te DFB-Pro­mi­nenz auf – ne­ben Bun­des­trai­ner Jo­gi Löw und Te­am­chef Oli­ver Bier­hoff auch der da­ma­li­ge Prä­si­dent des größ­ten deut­schen Sport­ver­ban­des. Wer war es? ra­to­ren ei­ner Sen­dung, bei der es To­te gab.

Furt­wäng­ler: Die Ten­denz, Kri­mis im­mer psy­cho­lo­gi­scher zu er­zäh­len, gibt es ja schon lan­ge. Wir ge­ben uns heu­te nicht mehr mit Kli­schees zu­frie­den und der Be­ant­wor­tung je­ner be­rühm­ten Fra­ge: Wer hat’s ge­tan? Man will in die See­len der Prot­ago­nis­ten schau­en, und das macht der Tat­ort oft ziem­lich gut.

Es wird in­zwi­schen – je­den­falls in man­chen Teams – auch Ge­sucht wird der sieb­te Buch­sta­be des Nach­na­mens.

Horst Schi­man­ski, ge­spielt von Götz Ge­or­ge (1938 –2016), ist laut Um­fra­ge bis heu­te der be­lieb­tes­te Tat­ort- Er­mitt­ler. Sei­ne Mar­ken­zei­chen wa­ren ne­ben dem gern ver­wen­de­ten Kraft­aus­druck „Schei­ße“und dem Par­ka auch ei­ne ex­tra­va­gan­te Au­to­mar­ke. Wel­che? Ge­sucht wird der drit­te Buch­sta­be des Lö­sungs­wor­tes.

Er spiel­te den As­sis­ten­ten im Münch­ner Tat­ort mit dem Ti­tel Der tie­fe Schlaf (2012) so ein­drucks­voll, dass sich vie­le Zu­schau­er ei­ne wei­te­re Mit­wir­kung von Fa­bi­an Hin­richs in der Kri­mi­rei­he wünsch­ten. Wie lau­te­te Hin­richs Rol­len­vor­na­me im Münch­ner Tat­ort? viel Pri­va­tes von denKom­mis­sa­ren preis­ge­ge­ben. Nicht we­ni­ge Zu­schau­er se­hen das kri­tisch und wün­schen sich mehr Kri­mi und we­ni­ger „Drum­her­um“!

Ma­ria Furt­wäng­ler: Ich ha­be mei­ne ei­ge­ne Mei­nung dies­be­züg­lich in den letz­ten Jah­ren ver­än­dert. Als ich vor zehn Jah­ren an­fing, dach­te ich, man Ge­sucht wird der drit­te Buch­sta­be.

Die im Durch­schnitt meist­ge­se­he­nen Epi­so­den ver­gan­ge­nen 15 Jah­re sind die aus Müns­ter mit Thiel und Bo­er­ne (Axel Prahl und Jan Jo­sef Lie­fers). Letz­te­rer hat ei­ne klein­wüch­si­ge As­sis­ten­tin na­mens Sil­ke Hal­ler (Chris­ti­ne Ur­spruch). Wie lau­tet ihr Spitz­na­me? Ge­sucht wird der vier­te Buch­sta­be des Lö­sungs­wor­tes.

ARD Fo­tos:

Auf der Flucht: Char­lot­te Lind­holm (Ma­ria Furt­wäng­ler) und Klaus Bo­row­ski (Axel Mil­berg) „Ta­xi nach Leip­zig“war der ers­te „Tat­ort“mit Wal­ter Rich­ter (re., hier mit Paul Al­bert Krumm)

F.: ARD

Flo­ri­an Bar­tho­lo­mäi spielt ei­nen ehe­ma­li­gen Eli­te­sol­da­ten, der Bo­row­ski und Lind­holm ge­fan­gen hält

Die Kult­fol­ge „Rei­fe­zeug­nis“mit Na­stass­ja Kin­ski und Chris­ti­an Quad­flieg

Preis­ge­krönt: Ul­rich Mat­thes (li.) und Ul­rich Tu­kur in „Im Schmerz ge­bo­ren“

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