Macht­kampf bei Con­stan­tin

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Haupt­ver­samm­lun­gen sind häu­fig von ge­pfleg­ter Lan­ge­wei­le ge­prägt. Die Ak­tio­nä­re der Münch­ner Con­stan­tin hin­ge­gen schei­nen von den Ki­no­knül­lern in­spi­riert, die das Un­ter­neh­men pro­du­ziert. Die Haupt­ver­samm­lung en­det im spek­ta­ku­lä­ren Show­down. In den Haupt­rol­len: Der Auf­sichts- rats­chef Die­ter Hahn und der ehe­ma­li­ge Vor­stands­chef Bern­hard Bur­ge­ner.

In­halt­li­cher Streit­punkt ist der von Vor­stand und Auf­sichts­rat ge­plan­te Ver­kauf der tra­di­ti­ons­rei­chen Film­spar­te. Die Con­stan­tin Film hat im Lau­fe der Jahr­zehn­te vie­le Ki­no­hits pro­du­ziert („Der Na­me der Ro­se“, „Fack ju Göh­te“). Mit dem Ver­kauf des Film­ge­schäfts soll die Ex­pan­si­on der Sport­ver­mark­tung fi­nan­ziert wer­den. Bur­ge­ner und sei­ne Ver­bün­de­ten hal­ten et­wa 30 Pro­zent der An­tei­le an der Con­stan­tin und leh­nen die­sen Plan strikt ab

Die Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Hahn und Bur­ge­ner en­de­te am Don­ners­tag- abend nach zwei­tä­gi­gem tu­mult­ar­ti­gen Ak­tio­närs­tref­fen mit dem Aus­schluss Bur­ge­ners und sei­nes Ak­tio­närs­pools von der Ab­stim­mung. Ver­samm­lungs­lei­ter Franz En­der­le nann­te ei­ne „fal­sche Stimm­rechts­mel­dung“als Grund für den Aus­schluss der vom Bur­ge­ner-La­ger ge­hal­te­nen Ak­ti­en. Da­mit schei­ter­te der Ver­such des Schwei­zer Me­dien­un­ter­neh­mers, die Macht über den Auf­sichts­rat zu über­neh­men und sei­ne ei­ge­nen Ver­bün­de­ten in das Gre­mi­um wäh­len zu las­sen. Wü­ten­de Klein­ak­tio­nä­re rie­fen „Schie­bung“und ver­mu­te­ten Wahl­be­trug. Nicht nur Bur­ge­ner, auch die meis­ten Klein­ak­tio­nä­re, die sich zu Wort mel- de­ten, kri­ti­sier­ten das Vor­ha­ben, die Film­spar­te zu ver­kau­fen.

Die Haupt­ver­samm­lung ver­lief von Be­ginn an au­ßer­ge­wöhn­lich. Es gab Schrei­kämp­fe, ei­ne Ak­tio­nä­rin wur­de aus dem Saal ge­wor­fen und der Po­li­zei über­ge­ben, weil sie das Tref­fen un­er­laubt ge­filmt hat­te. Ver­samm­lungs­lei­ter En­der­le ließ in der Schluss­pha­se zwei Si­cher­heits­leu­te vor der Büh­ne pos­tie­ren, um to­ben­de Klein­ak­tio­nä­re auf Dis­tanz zu hal­ten.

Der an der Ab­stim­mung ge­hin­der­te Bur­ge­ner kün­dig­te un­mit­tel­bar da­nach ei­ne An­fech­tungs­kla­ge an: „Die Be­schlüs­se der Haupt­ver­samm­lung sind null und nich­tig“, er­klär­te er.

Fo­to: dpa

Ziem­lich zer­knirscht muss­te sich der Vor­stand fast 500 Fra­gen der ver­sam­mel­ten Klein­ak­tio­nä­re an­hö­ren, von de­nen vie­le un­be­ant­wor­tet blie­ben.

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