Sport

tz - - SPORT - IN­TER­VIEW: MA­THI­AS MÜL­LER

Zwei Kreuz­band­ris­se (2009 und 2010). Nur ein Er­geb­nis bei 28 Welt­cup­starts (2007 bis Ja­nu­ar 2015). Und ein Ski­win­ter (2013/14), den er aus ei­ge­ner Ta­sche be­zah­len muss­te. Do­mi­nik Steh­le (30) hat, vor­sich­tig aus­ge­drückt, ein durch­wach­se­nes Ski­le­ben hin­ter sich. Am 26. Ja­nu­ar in Schlad­ming än­der­te sich das kom­plett. Der klei­ne Bru­der des ehe­ma­li­gen Welt­cup­fah­rers Jo­han­nes Steh­le kurv­te im kul­ti­gen Nacht­sla­lom auf Rang vier und be­stä­tig­te da­mit sei­nen Trai­ner Ma­thi­as Bert­hold. Der Ös­ter­rei­cher hat­te den All­gäu­er am En­de des mie­sen Win­ters 2014 als de­si­gnier­ter deut­scher Bun­des­trai­ner auf ei­nem un­ter­klas­si­gen FIS-Ren­nen an­ge­spro­chen. Seit dem Zeit­punkt hat sich das Blatt ge­wen­det. Am Sonn­tag star­tet Steh­le in Levi erst­mals als ei­ner der bes­ten 30 Sla­lom-Welt­cup­fah­rer. Das tz- In­ter­view.

Herr Steh­le, Flü­ge ins Som­mer­trai­nings­la­ger müs­sen al­le DSVAth­le­ten selbst zah­len. Steh­le: Das ist rich­tig, ja. Über­legt man sich da als Fah­rer aus den hin­te­ren Rei­hen nicht, auf ei­nen Flug ins ar­gen­ti­ni­sche Us­haia zu ver­zich­ten?

Steh­le: Das spielt ei­ne Rol­le, aber man muss den Weg wei­ter­ge­hen, von dem man über­zeugt ist und sich von so et­was nicht auf­hal­ten las­sen. Aber klar, das ist Geld, das ich lie­ber nicht aus­ge­ben wür­de. Fe­lix (Neu­reu­ther, d. Red.) und ich woll­ten ei­gent­lich so­wie­so hier trai­nie­ren, Us­haia hat sich kurz­fris­tig er­ge­ben, die Trai­nings­be­din­gun­gen wa­ren in Ord­nung.

Fah­rer mit dem Sta­tus ei­nes Fe­lix Neu­reu­ther ha­ben gro­ße Spon­so­ren. Wie fi­nan­zie­ren Sie sich?

Steh­le: Es steht und fällt mit der Me­di­en­prä­senz. Ich ge­hö­re die­sen Win­ter erst­mals zu den bes­ten 30, ver­gan­ge­nes Jahr ha­be ich al­so ein biss­chen was da­zu­ver­dient. Die Jah­re da­vor wa­ren oft müh­sam, beim Ski­fah­ren ver­dient man nicht so viel wie beim Fuß­ball. Reich wer­den nur die we­nigs­ten, vie­le treibt mehr die Lei­den­schaft am Sport.

Sie ha­ben vie­le Rück­schlä­ge er­lit­ten, gab’s Rück­tritts­ge­dan­ken?

Steh­le: Vor zwei Jah­ren ha­be ich lan­ge über­legt, ob ich wei­ter­fah­ren soll oder nicht, ha­be mich letzt­lich aber da­für ent­schie­den. Ich weiß nicht, was statt­des­sen pas­siert wä­re, aber im Nach­hin­ein war das die rich­ti­ge Ent­schei­dung, den­ke ich. Hat­ten Sie ei­nen Plan B? Steh­le: Ich ha­be ne­ben­her stu­diert, ge­ra­de ma­che ich über ein Fern­stu­di­um den Mas­ter in Ge­ne­ral Ma­nage­ment, das geht in Rich­tung BWL.

Da­durch wä­ren Sie nach Ih­rer Kar­rie­re prä­des­ti­niert, da­für zu sor­gen, dass der Ver­band die Flü­ge zu­künf­tig be­zah­len kann.

Steh­le: Ach, ich will auf dem The­ma nicht so her­um­rei­ten, der DSV weiß, was er tut.

Ha­ben Sie Ver­bes­se­rungs­vor­schlä­ge für die Ski-Ver­mark­tung?

Steh­le: Es gibt Sport­ar­ten, die es noch schlech­ter ha­ben, aber si­cher auch Sport­ar­ten, bei de­nen es bes­ser läuft. Po­ten­zi­al hat un­ser Sport ge­nug. Din­ge wie ein Par­al­lel­sla­lom und Mann-ge­gen-Mann-Wett­be­wer­be fin­de ich gut, man muss sich da­bei nicht aus­ken­nen, um zu se­hen, wer schnel­ler ist. Da­mit kann man auch in die Städ­te ge­hen und ver­su­chen, neue Ziel­grup­pen zu er­schlie­ßen. Spe­zi­ell bei uns Sla­lom­fah­rern darf man aber nicht ver­ges­sen: Bei den Tra­di­ti­ons­ren­nen in Schlad­ming, Kitz­bü­hel oder Adel­bo­den geht’s auch so rich­tig ab.

Das ha­ben Sie ver­gan­ge­nen Ja­nu­ar am ei­ge­nen Leib er­fah­ren.

Steh­le: Der zwei­te Durch­gang von Schlad­ming, vor 50 000 Zu­schau­ern, dar­an muss man sich erst ge­wöh­nen. Aber spe­zi­ell in der ver­gan­ge­nen Sai­son konn­te ich in die­ser Hin­sicht wich­ti­ge Er­fah­run­gen sam­meln. Ich freue mich ein­fach auf den Sai­son­start, mei­ne Aus­gangs­po­si­ti­on ist deut­lich bes­ser als bis­her, ein Selbst­läu­fer wird’s trotz­dem nicht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.