„Die we­nigs­ten kom­men mit Er­ror Fa­res durch“

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Von Lon­don nach Chi­na und zu­rück für 199 Eu­ro? Klingt un­mög­lich. Doch erst En­de Au­gust zeig­te das Rei­se­por tal Trip­doo ei­nen sol­chen Flug an. Auch an­de­re Por ta­le ver­brei­ten ver­gleich­ba­re Schnäpp­chen. Er­ror Fa­res wer­den die­se Ta­ri­fe ge­nannt – und von ei­nem An­ge­bot im ei­gent­li­chen Sin­ne kann da­bei kei­ne Re­de sein.

„Er­ror Fa­res sind kei­ne be­wusst ge­steu­er ten Tiefst­prei­se, son­dern ein Bu­chungs­sys­tem­feh­ler“, er­klär t Clau­dia Neh­ring vom Bun­des­ver­band der Deut­schen Luft­ver­kehrs­wir tschaf t (BDL). Da­bei wird ver­se­hent­lich ein fal­scher Preis ein­ge­tra­gen, ent­we­der vom Com­pu­ter oder von ei-

Im deut­schen Recht gilt der Grund­satz aus dem al­ten Rom: ‚pac­ta sunt ser van­da‘, Ver trä­ge sind ein­zu­hal­ten. Al­ler­dings gibt das Ge­setz den Ver trags­par tei­en die Mög­lich­keit, Ver trä­ge im nem Men­schen. Häu­fig fehlt ein­fach ei­ne Zif­fer oder ein Kom­ma ist ver­rutscht. Die Air­line ver­kauf t den Bei­spielf lug nach Chi­na so un­ge­wollt für 199 statt 1199 Eu­ro.

An­to­ni­us Gress, Grün­der der Web­site Er­ror Fa­re Aler ts, kennt wei­te­re Grün­de für die Nied­rig­prei­se: „In an­de­ren Fäl­len wer­den Ge­büh­ren wie Flug­ha­fen- oder Ke­ro­sin­steu­ern ver­ges­sen. Oder es kommt bei der Um­rech­nung der Wäh­run­gen zu Feh­lern.“Das kann in elek­tro­ni­schen Bu­chungs­sys­te­men pas­sie­ren, auf Ver­gleichs- und Bu­chungspor­ta­len oder di­rekt bei den Air­lines. Flug­rei­sen­de dür­fen sich dann über un­schlag- Fal­le we­sent­li­cher Irr tü­mer an­zu­fech­ten.

Theo­re­tisch kann die Air­line den Ver trag noch zwei St­un­den vor Abf lug an­fech­ten. Das Ge­setz legt al­ler­dings fest, dass der Ver trag un­ver­züg­lich an­ge­foch­ten wer­den muss, so­bald der Irr­tum fest­ge­stellt wird. In der bar güns­ti­ge Prei­se freu­en – aber nicht of t.

„Sol­che Feh­ler sind die ganz gro­ße Aus­nah­me“, sagt Jo­han­nes Win­ter vom Fe­ri­enf lie­ger Con­dor. Auch die Luf than­sa teilt auf An­fra­ge mit, dass Er­ror Fa­res sehr sel­ten sei­en.

Die Ta­ri­fe sind im Netz aber schnell auf­find­bar, zum Bei­spiel auf Ur­laub­spi­ra­ten, Ur­laubs­gu­ru, Ex­bir, Trip­doo, Tra­vel Ch­ap­ter, Tra­vel­de­alz oder Ur­laub­s­tra­cker. Die Por ta­le in­for­mie­ren ih­re Nut­zer über die Er­ror Fa­res und er­rei­chen da­mit schnell gro­ße Reich­wei­ten. Er­ror Fa­re Aler ts be­nach­rich­tigt sei­ne Abon­nen­ten au­to­ma­tisch per E-Mail, wenn ein neu­er Er­ror Fa­re auf taucht. Da­für be­rech­net die Sof twa­re per­ma­nent ei­nen durch­schnitt­li­chen Preis für di­ver­se tou­ris­ti­sche An­ge­bo­te. Weicht ein Ta­rif er­heb­lich vom Durch­schnitts­preis ab, wird die Mail ver­sen­det.

In je­dem Fall gilt es, bei ei­nem Er­ror Fa­re schnell zu sein. Die Preis­feh­ler sind sel­ten län­ger als zwei oder drei Ta­ge ver füg­bar. Wei­ter­hin kann der Rei­sen­de nicht f le­xi­bel sein. Der Re­gel wer­den Er­ror Fa­res in­ner­halb we­ni­ger St­un­den oder Ta­ge ent­deckt und so­weit be­reits Flug­be­för­de­rungs­ver trä­ge ge­schlos­sen wor­den sind, an­ge­foch­ten.

Die Flug­ge­sell­schaf t kann den Flug­be­för­de­rungs­ver trag an­fech­ten, muss aber be­wei­sen, dass es sich bei dem An­ge­bot tat­säch­lich um ei­nen Irr tum ge­han­delt Ta­rif gilt für ei­nen be­stimm­ten Zei­t­raum und nur für ein kon­kre­tes Ziel. Da heißt es: bu­chen oder nicht bu­chen?

Selbst wenn der Ur­lau­ber bucht, hat er da­mit noch kei­ne Si­cher­heit, dass er den Flug für den ver­ein­bar ten Preis an­tre­ten kann. „Die Bu­chung auf ei­ner Web­site gilt noch nicht als recht­lich verpf lich­ten­der Ver trag. Erst mit dem Er­halt der Bu­chungs­be­stä­ti­gung oder des Vou­chers kommt ein Ver trag zu­stan­de“, er­läu­ter t Gress.

Je län­ger der Flug­gast nach dem Er­halt der Bu­chungs­be­stä­ti­gung kei­ne Kün­di­gung des Ver tra­ges be­kommt, des­to wahr­schein­li­cher sei es, dass er die Flug­rei­se an­tre­ten kann. „Nach zwei Wo­chen wird nur noch sehr sel­ten ge­kün­digt“, weiß Gress aus Er­fah­rung. Doch selbst da­mit ist die Un­si­cher­heit noch nicht vor­bei, denn schließ­lich sind Er­ror Fa­res kei­nes­wegs im In­ter­es­se der Air­lines. Die­se stor­nie­ren die Bu­chun­gen häu­fig mit der Be­grün­dung, sie wür­den auf ei­nem Irr tum ba­sie­ren. hat. Be­steht zwi­schen Markt­wer t und tat­säch­lich ge­buch­tem Preis ein of­fen­sicht­li­ches Miss­ver­hält­nis, wird ein An­fech­tungs­grund be­ste­hen. Ist das Ver­hält­nis nicht of­fen­kun­dig, trif f t die Flug­ge­sell­schaf t die Be­weis­last. Dies kann zu schwie­ri­gen Rechts­fra­gen füh­ren, wes­halb sich Flug­ge­sell­schaf ten und Pas­sa­gie­re of t au­ßer­ge­richt­lich ei­ni­gen.

Da­ge­gen kann der Flug­gast kla­gen. Die Be­auf­tra­gung ei­nes Rechts­an­walts kann bei ei­nem 1000-Eu­roFlug et­wa 200 Eu­ro kos­ten. Ge­winnt die Air­line, ist der Ver trag nich­tig. Ge­winnt der Flug­gast, wird er zum ver trag­li­chen Ta­rif be­för­der t. Doch Streit­fäl­le vor Ge­richt we­gen Er­ror Fa­res kom­men in der Pra­xis kaum vor. Das lieg t ver­mut­lich dar­an, dass Flug­gäs­ten be­wusst ist, dass sie ei­nen Feh­ler aus­ge­nutzt ha­ben. Oder die Air­line will sich den Är­ger er­spa­ren und kün­digt den Ver trag nicht. Je­der muss selbst wis­sen, ob die­se Un­ge­wiss­heit es wer t ist. Aber klar, ein Flug nach Chi­na und zu­rück für 199 Eu­ro ist ver­lo­ckend.

Ich den­ke, die we­nigs­ten. Wenn es sich of­fen­sicht­lich um ei­nen Er­ror Fa­re han­delt, kann sich die Air­line auf ei­nen Irr tum be­ru­fen und sich vom Ver trag lö­sen.

Nach dem Prin­zip der Ver trags­treue kön­nen so- wohl der Flug­gast als auch die Air­line auf den ge­schlos­se­nen Ver trag ver trau­en. Fech­tet nun ein Ver trags­par tner den Ver trag an, ist er dem an­de­ren zum Er­satz des­je­ni­gen Scha­dens verpf lich­tet, der da­durch ent­steht, dass auf die Gül­tig­keit der Er­klä­rung ver traut wur­de. Der Flug­gast könn­te al­so bei ei­ner An­fech­tung durch die Flug­ge­sell­schaf t Scha­dens- er­satz für Ur­laubs­vor­be­rei­tun­gen wie Bahn­fahr tkos­ten und Park­platz­re­ser vie­rungs­kos­ten ver­lan­gen.

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