Gut zu wis­sen

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ach der Be­rufs­schu­le noch acht St­un­den im Be­trieb schuf­ten und dann auch noch den Helm für die Bau­stel­le sel­ber zah­len – so geht‘s nicht.

In der Aus­bil­dung sam­meln vie­le Ju­gend­li­che ih­re ers­te Ar­beits­er­fah­rung. Al­les ist neu – und man­cher Azu­bi weiß gar nicht, was er für Rech­te hat. Im­mer wie­der kommt es in Be­trie­ben zu Pro­ble­men. Si­mon Ha­ber­maaß ist Bun­des­ju­gend­se­kre­tär bei der Ge­werk­schaft Ver­di. Er kennt die ty­pi­schen Streit­punk­te und weiß, was häu­fig in der Aus­bil­dung falsch läuft. Ein Über­blick:

Zum Aus­bil­dungs­ver­trag ge­hört ein Aus­bil­dungs­rah­men­plan. Dar­in steht, wann wel­che Tei­le der Aus­bil­dung im Be­trieb an­ste­hen. „Vie­le Aus­zu­bil­den­de müs­sen Tä­tig­kei­ten aus­üben, die gar nichts mit der Aus­bil­dung zu tun ha­ben“, sagt Ha­ber­maaß. Es sei eben­falls ein Pro­blem, wenn Azu­bis Auf­ga­ben er­le­di­gen müs­sen, die zwar im Plan ste­hen – die­se aber fast aus­schließ­lich ma­chen. Ein Bei­spiel: Ein Azu­bi in ei­nem Kfz-Be­trieb muss über Mo­na­te im­mer nur Rei­fen wech­seln.

Azu­bis müs­sen nur frei­wil­li­ge Über­stun­den ma­chen. „Das heißt, Aus­zu­bil­den­de dür­fen nicht ein­fach an­ge­wie­sen wer­den, län­ger zu blei­ben, weil es im Be­trieb zu we­nig Per­so­nal gibt“, er­klärt Ha­ber­maaß. Aus­nah­men sind ab­so­lu­te Not­fäl­le. Per­so­nal­knapp­heit ist kein Not­fall.

Wer vom Chef in der Aus­bil­dung vom Chef nach Hau­se ge­schickt wird, weil es nichts zu tun gibt, muss die Zeit nicht nach­ar­bei­ten, wie Ha­ber­maaß er­läu­tert. Ein Bei­spiel: Be­kommt ein Azu­bi ei­nen An­ruf vom Chef, dass er nicht kom­men muss, ist das in der Re­gel ei­ne be­zahl­te Frei­stel­lung.

Azu­bis ha­ben ein Recht auf die Aus­bil­dung in der Be­rufs­schu­le. „Es gibt im­mer wie­der Fäl­le, in de­nen Be­trie­be in der Be­rufs­schu­le an­ru­fen und sa­gen, sie brau­chen den Azu­bi im Be­trieb, weil viel zu tun sei“, er­zählt der Ver­di-Ex­per­te. Das ist nicht rech­tens.

Für al­le Azu­bis gilt: Die Zeit in der Be­rufs­schu­le ist Ar­beits­zeit – in­klu­si­ve der Pau­sen. Wer über 18 Jah­re ist, muss noch im Be­trieb wei­ter­ar­bei­ten, wenn die Ar­beits­zeit mit der Zeit in der Be­rufs­schu­le nicht er­füllt ist. Für Azu­bis un­ter 18 Jah­ren gibt es ge­son­der­te Re­geln, die im Ju­gend­ar­beits­schutz­ge­setz ge­re­gelt sind.

Al­le Ma­te­ria­li­en, die Azu­bis für ih­re Aus­bil­dung be­nö­ti­gen, muss der Ar­beit­ge­ber kos­ten­los zur Ver­fü­gung stel­len. Ha­ber­maaß nennt ein Bei­spiel: Wer in ei­ner Werk­statt ar­bei­tet und da­für spe­zi­el­le Werk­zeu­ge, Werk­stof­fe oder Fach- und Ta­bel­len­bü­cher be­nö­tigt, muss die­se vom Be­trieb kos­ten­los zur Ver­fü­gung ge­stellt be­kom­men.

Fo­to: dpa

Stän­dig Ak­ten ord­nen? Wenn Lehr­lin­ge nur Auf­ga­ben er­hal­ten, die nichts mit der Aus­bil­dung zu tun ha­ben, ist das nicht er­laubt. Al­les ist neu – und man­cher Azu­bi weiß gar nicht, was er für Rech­te hat.

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